Das Geschenk

Die letzten sechs bis achtzehn Wochen werde ich wohl damit verbracht haben über das Weihnachtsgeschenk für meine Kleine nachgedacht zu haben. Ein recht normaler Zeitraum für einen recht normalen Mann in einer recht normalen Beziehung, wie ich finde.

Heute, acht Tage vor Weihnachten, beschloss ich, dass es wohl doch endlich an der Zeit ist nach dem passenden Geschenk zu suchen und schleppte meinen müden Körper durch die Innenstadt Braunschweigs. So ungefähr muss sich der Golfkrieg angefühlt haben! Zwischen schwitzenden Männern, kreischenden Kindern und eine Horde wild gewordener Frauen schlängelte ich mich zu dem einzigen Ort in dieser 300.000 Seelen Gemeinde, in dem ein Mann noch Mann sein darf: H&M.
Ein dezentes Augenbauenhochziehen müsste jetzt das Mindeste sein, das durch die Reihen der Männer zieht! Ja, bei H&M kann man(n) sein Testostoron noch frei fließen lassen. In kaum einem anderen Geschäft muss man sich unter schwersten Bedingungen 10.000 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzen und gegen Büffel, Säbelzahntiger und (in enganliegenden, weißen Stoffhosen) Mammuts kämpfen.

Wie ich also durch die Unterwäscheabteilung schleiche und dabei geschickt überzüchtete Tussis und weinenden Männern ausweiche, fiel mir dieses klitzekleine rote Etwas auf. Das Einzige was zwischen mir und meinem Seelefrieden stand war dieses picklige zwei-Meter Geschöpf, das mit dem verzweifelten Blick eines jungen Rehs im Scheinwerferlicht eines 16-Tonners steht, dieses klitzekleine rote Etwas an ihr Körper hielt. Ich hätte all meinen Mut zusammen reißen können, um ihr mit den schonenden Worten ÑTu das nicht!ì die Schande zu ersparen, zuhause festzustellen, dass ihr Körperbau definitiv die Marke ÑZwei-Mann-Zeltì bevorzugen würde. Stattdessen erlöste sie eine Gruppe debile Jugendliche von ihrer Entscheidung, mit fiesem Kichern im Ultraschall Bereich.

Das einzige Problem, das sich mir nun auftat war: Wie verdammt soll ich wissen ob das Ding passt? An der Kasse löste sich auch dieses Problem, als eine Frau mittleren Alters vor mir stand, die genau die Statur meiner Kleinen hatte. Es wäre eindeutig ein leichtes gewesen einfach zu fragen, ob ich das klitzekleine Ding an sie ranhalten dürfe, aber auch ich habe meinen Stolz! Also wandte ich einfach den ÑStolper-Trickì an; ausrutschen, das klitzekleine Ding aus seinem sicheren Versteck in der Handkuhle ausklappen lassen und rein zufällig in Schulterhöhe der Vorderfrau in voller Größe abgleichen! Dieser Trick wäre auch sicherlich in die Analen der Einkaufsgeschichte gegangen, wenn ich bei dem Stolper-Trick nicht tatsächlich ausgerutscht wäreÖ

Der Rest ist Geschichte und lässt nur wie folgt abkürzen: Ich bin jetzt stolzer Besitzer eines klitzekleinen roten Teils, der H&M-Arschkarte und der qäulenden Erinnerung an herumfliegenden String-TangasÖ

Mami!!!

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