2.8.2004 /
Alles in Allem / Malcolm
Freitag
Hannover. Die Kleine sucht ein Kleid für die Hochzeit ihres Cousins im Septdember. 4 Stunden Einkaufsarmageddon. Möchte Kann nicht daüber reden. Hätte mich gern mit dem einen oder anderen Freund aus Hannover getroffen… Da kommt nur ein „Dafür haben wir doch keine Zeit!!!“.
Wir sind in der Nähe von Stadthagen angekommen. Kleine Wohnsiedlung. Die Mutter der Kleinen und ihr Freund warten schon auf uns. Es gibt Kaffee und Kuchen…wie man es so macht, um diese Tageszeit. Ist zwar ein paar Stunden nach der üblichen K&K Zeit, macht aber nichts – Traditionen müssen gewahrt werden. Vorher wird aber noch darauf hingewiesen, dass ich mit dem Bart nicht an den Tisch darf. Ich freue mich. Zu früh…
Damit es nicht zu spät für das Abendessen wird, vergisst man, dass es gerade einmal zwei Stunden her ist, dass man sich mit K&K den Bauch vollgestopft hat. Keine Gnade, es wird gegessen was auf den Tisch kommt. „Was willst du haben? Würstchen, Fleisch? Ein oder zwei Stücke?“, „Eins von jedem…“ sage ich aus Spaß. Man versteht kein Spaß, wenn es um Essen geht. Später soll es heißen, dass man ja nicht so viel auf den Grill hätte schmeißen müssen. Ach…
Gegen späten Abend fahren wir zu meinen Eltern. Nur Mutter ist anzutreffen. Kleiner Plausch (ich hasse Smalltalk) und weiter geht es… Der Grace∞ wartet ja schon.
In der „Box“ spielen sie neumodisches „Numetal“. Zumindest das, was sie dafür halten. Hippe Kids und flotte Schlampen zwischen 16 und 18 stellen sich mir in den Weg. Hätte ich mir früher nicht getraut. ‹berhaupt hatten wir früher viel mehr Respekt vor den ƒlteren. Die Zeiten ändern sich eben.
Ich kann mir ein rythmisches Fußwippen nicht verkneifen, als Franz Ferdinand gespielt wird. Dabei wollte ich doch extra grimmig schauen, damit der DJ weiß was er verzapft. Merkt er trotzdem nicht. Die Musik wird stellenweise sogar schlimmer. Macht den ganzen „Kiddies“ so garnichts aus. Nach Aufmerksamkeit hechelnd hüpft einer dieser debilen Gestalten mir direkt vor die Füße. Blümchenkleid, schlechte Dauerwelle (gibt es gute?), Barfuß und wild kreischend, sucht sie Halt an mir, weil sie sich zu oft im Kreis gedreht hat. Ich weiche aus und sie torkelt an mir vorbei. Die Kleine ist sichtlich mies gelaunt und auch meine Laune passt sich ihrer an. Tut mir nur um Grace∞ leid, weil er sich doch so gefreut hat, mit uns auszugehen. Eine halbe Stunde halten wir noch aus, dann gehen wir. Ein Lichtblick (The Used – The Taste of Ink) hat mir den Abschied versüßt. Ansonsten: Wo ist meine Jugend hin?
Samstag
Fängt mit Kopfschmerzen an. Muss einfach an diesem scheiß Kaff liegen!
Dominic freut sich heftigst uns zu sehen. Wedelt mit dem Schwanz und hüpft auf der Stelle. Er sabbert auch ein wenig. Es ist schön zu sehen, wie sich der Bruder über unseren Besuch freut!
Zur Feier des Tages fahren wir in die „City“, damit die Kleine ihren Einkaufsarmageddon fortführen kann. Ich muss ein unartiges Schwein in meinem vorherigen Leben gewesen sein, dass mich eine solche Strafe trifft!
Die Kleine findet natürlich nichts, bis auf ein schwarzes Kleid, mit weißen Punkten. Ist zwar nicht für die Hochzeit gedacht, macht sie aber fast genauso glücklich!
Am Nachmittag begehen wir den Fehler uns „Texas Chainsaw Massacre“ zu schauen. Ein grausiger Film! Ist ja nichts für mich, wenn jemandem ein Bein gestellt wird…mit einer Kettensäge.
Abends treffen wir uns nochmal mit Grace∞. „Rob and the Pinhole Stars“ geben ein Konzert. Ich hasse es Vergleiche zu ziehen, aber wenn man nach dem Missing Link zwischen „The Notwist“ und „Dashboard Confessional“ sucht, hat man „Rob and the Pinhole Stars“. Das Charmante, an dem Konzert, ist tatsächlich, dass gerade einmal 30 Menschen da sind. Wir sitzen auf einem Sportplatz, haben die Decke aufgeschlagen und werfen Kleingeld in eine Truckerkappe, die herumgereicht wird, um den Eintritt selber bestimmen zu dürfen. Eines der Konzert Highlights dieses Jahr!
Danke, Grace∞!
Sonntag
Grundsatzdiskussionen mit meinen Eltern. Dass sie auch nicht auf mich hören können. Muss sie in Zukunft besser erziehen…
Abends geht es dann wieder zu der Mutter der Kleinen. Es wird wieder gegessen. Man weiß ja nie wie es kommt! Morgen könnte es nichts mehr zu essen geben und dann haben wir den Salat!
Eine Stunde Mittagsschlaf, drei Kilo Abendessen und neunzehn schlüpfrige Bemerkungen des Freundes der Mutter der Kleinen später, mache ich ein wenig Stress, damit wir endlich wieder zurück nach Braunschweig…nachhause können.
Meine Laune sinkt noch tiefer, als der zwanzigste schlüpfrige Witz des Freundes der Mutter der Kleinen über den Tisch fegt und er lauthals darüber lacht. Allein.
Zwischendurch verschwindet die Kleine für eine halbe Stunde und lässt mich allein. Sie taucht auf, als ich gerade einen Vortrag über richtig gute Musik (Toni Marshall, Roberto Blanko und so…alles andere versteht man doch nicht! Dieses blöde englische Zeug versteht man doch nicht! Warum höre ich es mir an? Man versteht es doch nicht!!!) zu hören kriege. „Wir können feiern! Flasche Sekt köpfen!“ (fahren wir etwa?) ruft die Kleine lauthals. Sie hat die Bestätigung bekommen, dass ihr Diplom sehr gut war. Saubere Arbeit!
Irgendwann schaffen wir es schließlich ins Auto zu steigen und zu fahren. Die Kleine sitzt wie paralysiert auf dem Beifahrerplatz und auch ich kann es mir nicht nehmen lassen, mich überschwänglich zu freuen. Auch weil sie den schriftlichen Teil ihres Diploms wohl bestanden hat!
Die Kassette ist zuende und das Radio springt an. Dennis‘ Stimme ist zu hören, wie er einen Superhit nach dem nächsten ankündigt. Normalerweise versuche ich die großen Norddeutschen Sender zu umgehen, aber heute mache ich eine Ausnahme, weil meine Laune, mit jedem Kilometer richtung Braunschweig, besser wird!
Nach zehn Minuten kündigt Dennis einen Smashhit an, der erst mitte August in den Läden stehen wird und ein Jingle macht uns nochmals darauf Aufmerksam, dass der Sender, den wir gerade hören, immer zuerst die neuen Superhits spielt, noch bevor sie irgendwo anders zu hören sind. Das Lied fängt an, ich verdrehe die Augen, drehe das Tape um und fahre der Nacht entgegen, während die Sonne in meinem Rücken langsam untergeht.