Fiestaphobia
20.2.2005 / Alles in Allem / Malcolm
Das Geklimper, das Flaschen erzeugen, wenn man sie gegeneinander stößt, weckt mich auf. Es ist 10.13 und ich habe noch nicht einmal 4 Stunden geschlafen. Das Geräusch wird in meinem Kopf lokalisiert und promt stelle ich mir vor, den Therapeuten ebenfalls in Rechnung zu stellen, nebst der Schuhreinigung.
Ich arbeite in meinem Zweitjob nicht weil ich das Geld sonderlich doll bräuchte. Klar, 100-200Ä im Monat mehr zu haben ist ganz nett, wenn man sich z.B. den Luxus von Filterzigaretten leisten möchte, anstelle dieser ekelhaften Tabakfäden, die das Drehen mit sich zieht.
Ich arbeite bei Team @ Event, weil es mein Hobby ist Menschen eine Freude zu bereiten und mich zum totalen Vollarsch zu machen. Und während des Winterschlafs des Eintracht Braunschweigs, suche ich mir etwas anderes, als ein „VIP-Zelt“.
Alljährlich feiert die CrËme de la CrËme von Braunschweig in wechselnder ÷rtlichkeit derdiedas Fiestaphobia. Dieses Jahr übrigens in eins der zahllosen Einkaufspassagen, die Braunschweig zu bieten hat. Sogar ich war von der Lokalität überrascht, wo doch nun wirklich alles passieren kann, wenn 14 bis 40-jährige betrunkene Menschen aufeinander treffen, um zu eher semi-erträglicher Musik die Tanz-Sau rauszulassen. Zwischen H&M und Tchibo feierten etliche hundert Menschen bis zur vollständigen Gesichtslähmung („Hast du mir gerade auf mein Schuh gespuckt?“ _ „Forry! Ih follte nur mal Prooooffft fagen! Höhöhööö…“) die Demokratie und Frieden auf Erden.
Einsammler, so hätte ich es eigentlich wissen müssen, sind so ziemlich der Abschaum auf jeder Party. Wie sonst müsste sich erklären lassen, dass wir zwischen den Füßen dieser unfassbar besoffenen Horde Teenies kriechen mussten, um Pfandflaschen aufzusammeln. Warum habe ich zugesagt, mich Stunde um Stunde durch eine einzige Menschenmasse zu quetschen, um 8 Cent aufzuheben, in eine Kiste zu packen und mich anschubsen, anspucken und angraben zu lassen?
„Angraben zu lassen..“? Wird der gemeine Schlamperich verwundert eine Augenbraue hochziehen. „Was soll bitteschön daran schlimm sein?“
Dazu möchte ich gern Marcus eine Frage stellen:
Woher stammt die Redewendung „Immer auf die kleinen, dicken…“?
Nein, ich sage es euch. Tatsächlich stammt „Immer auf die kleinen, dicken“ von „Immer nur die kleinen, dicken“ ab und ist daher abzuleiten, dass auf jeder Party, auf der ich arbeite/trinke/nur blöd stehe, mit Sicherheit der kleinste, dickste und dümmste Bindeglied zwischen dem Homo Sapiens und einem Eimer Scheiße die abrasierten Augenbrauen hoch- und runterzieht und mir dadurch ihre Willigkeit zur Paarung offenbart.
„Hiiiiiii… Hier hab ich noch eine Flasche für dich!“
„Hmm, danke.“
„Moment, ich muss nur noch austrinken!“
„Gut, dann komm ich gleich wieder.“
„Hey, warte mal. Schau…“
Mein
lieber
Scholly…
Es gibt Dinge in meinem Leben, die ich erlebt oder gesehen haben muss, um in Frieden zu ruhen, aber ganz bestimmt nicht, wie ein 1,45m/75kg Trollweibchen Fellatio mit einer Bierflasche betreibt und mich dabei lüstern anzwinkert!
Mit jeder Stunde wuchs meine Aggression. Meine Schuhe stanken nach Bier, meine Hose stank nach Bier, meine Hände stanken nach Bier. Einzig meine Haare stanken nach Qualm, weil jemand eine Zigarette nach mir warf. Vielen Dank, Pavianficker.
Auch auf die 50 Cent Trinkgeld, die man mir zusteckte, hätte ich verzichten können, weil ich einer Vierergruppe Kampflesben ein paar Bier an Tisch gebracht habe. Natürlich erst nach einer ausreichenden Diskussion, dass ich 1. nicht dafür zuständig bin und 2. ganz sicher nicht mit den 10 Euro abhauen würde, die sie mir unter Knurren und Zähnefletschen auf das Tablett legten. Jaja, behaltet mich ruhig im Auge! Auch wenn diese 10 Euro sicherlich mein Lebensabend abgesichert hätten – ich hau nicht ab, mit eurem Geld. Ich besorg euer Bier!
Gegen 4.00 ging das Licht an und widerwillig verließen die letzten Gäste die Einkaufspassage. Verstohlen warf ich ein Blick auf meine Jacke, dachte kurz darüber nach sie mir überzuwerfen und mich unsanft ebenfalls rausschmeißen zu lassen, da fiel mir aber der Blick der Kleinen auf, die ebenfalls an diesem Abend zu leiden hatte. Fein, man soll mir ja nicht nachsagen lassen, ich würde die Kleine im Stich lassen, wenn es hart auf hart kommt!
Ich sammelte mit ihr die restlichen Bierflaschen ein und machte mich auf, zum Gehen. Wenn da nicht ein winzig kleiner Haken gewesen wäre… Die Passage sollte noch einer groben Reinigung unterzogen werden.
Man stelle sich unseren Gesichtsausdruck vor, als wir spontan freiwillig dazu berufen wurden, die Plastikbecher von ca 2000 Gästen auf 400-500 Meter Einkaufspassage (auf zwei Stockwerke) aufzusammeln.
Equipment: Vier Paar Einwegplastikhandschuhe Marke Haarfärbschutz, eine Rolle Mülltüten (wurde später wenigstens auf eine Zweite aufgestockt), drei Besen, ein Kehrblech.
An dieser Stelle überlasse ich meine Gedankengänge, den weiteren Ablauf des Abends Morgens und den abschließenden Sonntag, indem wir uns noch befinden, eurer Phantasie und lege mich wieder auf’s Sofa.
Memo an mich: Muss darüber nachdenken nach einer solchen Aktion Klamottenreinigung, Spätzuschlag und Gefahren- und Ekelzulage auf die Rechnung zu schreiben.










