„…Sag mal, wo bist du eigentlich gerade?“
„Auf dem Weg nachhause. Ich war bis gerade eben in der Agentur. Warum?“
„Du bist nicht krank?“
„Dennis, Schätzchen… Wann werde ICH bitte krank?“
Spruch der Marke: Maul zu weit aufgerissen und das hab ich nun davon.
Früher, also ganz früher, also noch bis vor einem Jahr hat mich so ein Festival kein Stück mitgenommen. Ich lachte dem miesen Wetter ins Gesicht und plante schon das nächste Konzert/Festival/wasweißich. Dieses Jahr gab mir mein Körper einen Tag Zeit, um mich auf das Armageddon der tödlichen Männergrippe vorzubereiten und es kam wie es kommen sollte.
Noch am Mittwoch verspürte ich den Drang den Arbeitstag eher auf der Toilette, neben einem Haufen vollgeschnauften Toilettenpapier, zu erleiden, als am Rechner. Ich hätte locker nachhause gehen können! Die Arbeitskollegen waren angenervt von meinem Gehuste und Geschnupfe und niemand hätte es mir übel genommen, wenn da nicht die Gefahr aus der Chefetage gedroht hätte, die gern mit einem kleinen Sprücheseitenhieb in die Wunde geklopft hätte. Sowas wie: „Naaaa? Ist wohl doch nichts mehr für dich, so ein Festival, hm?“ oder „Tja, ich sagte doch, dass es ganz beschissenes Wetter wird!“.
Es gibt gewisse Genugtuungen, die ich ihnen einfach nicht gönne, also hielt ich tapfer durch. Auf ein empörtes „Der steckt uns noch alle an!“ meiner Arbeitskollegin und das daraus resultierende, cheffige „Was, bist du doch krank?“ konnte ich mit einem Abwinken und „Nä, alles in Butter! Hab mich nur verschluckt!“ die Situation retten…glaube ich…
Am nächsten Tag wachte ich in einer Schweißlache so groß wie halb Braunschweig auf und hustete schleimige Blutklumpen, die aussahen wie Papst Ratze (Merken: Unbedingt bei ebay verticken) auf die Bettdecke. Die Kleine diskutierte gerade mit einem Exorzisten, ob ein Weihwassereinlauf tatsächlich von Nöten wäre, als ich meinen Kopf um 180∞ zu ihnen drehte und lächelnd abwinkte.
„Hey, keine Sorge! Das ist nichts. Nur ein bisschen Raucherhusten. Das geht vorbei!“
Das Fieberdingensbummens, das ich mir partout nicht rektal einführen wollte, sagte aber etwas anderes, also blieb ich lieber liegen. Dem Tod näher, als dem Leben.
Im Fiebertraum spielte sich ab, wer auf meiner Beerdigung eine Rede halten würde. Ich hoffte natürlich, dass der große MC Winkel eine kleine Rapeinlage zum Besten geben würde, Marcus würde ein paar zotige Witze reißen, um die Stimmung zu lockern und Piranh@se würde selbstverständlich die passende Pressemitteilung der BILD, mit den BILDbloggern zerreißen, neu ordnen und verständlich erklären.
Jäh wurde mein Fiebertraum durch die erschreckende Erkenntnis gestört, dass ich ja noch jemandem Bescheid sagen müsste, dass ich nicht zur Arbeit kommen werde. Also sprach ich meinem Chef auf die Mailbox und rief kurz danach noch einmal unsere liebe Backofficetante an, um auf Nummer sicher zu gehen. Sie erinnerte mich selbstverständlich daran, noch einen Gelben Schein zu holen, was mich vor der nächsten Problematik stellte: Wie komme ich jetzt zum Arzt?
Die Kleine war auf Nachtschicht und ich fieberte in unserer Schlafcrackhöhle auf knapp 38,8∞ vor mich hin. Nachdem ich mich mehrfach erkundigt hatte, ob es möglich wäre auch am nächsten Tag zum Arzt zu gehen und jedesmal positive Resonanz bekam, rief ich krächzend an, um mir einen Termin zu holen.
„Geht nicht. Müssen heute herkommen. Gegen 16.30 haben wir einen Termin.“
„Ich…kann…nicht!“
„Wenn Sie nicht mit 40∞ Fieber im Bett liegen, kann ich da leider nichts machen!“
„Verdammt. Das ist jetzt aber echt knapp!“
Also rief ich die Kleine an, was ich jetzt machen solle. Eigene Entscheidungen zu treffen, fallen mir ja im normalen Leben schon schwer, aber fiebrig wie ich war, stellte schon die Entscheidung „Pinkeln oder liegen bleiben“ eine ungeheuere Herausforderung dar!
„Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, schrie sie mir ins Ohr. „Wer will denn die Verantwortung übernehmen, wenn du einen Unfall baust?“
„Grblllblllhff…“, simmte ich ihr zu.
„Ich ruf da jetzt an…“
Für einen Bruchteil einer Sekunde wurde mir schlagartig klar und deutlich bewusst, dass heute eine gewisse Arzthelferin höchstwahrscheinlich unter Tränen ihren Job kündigen und ins Ausland auswandern würde. War mir egal. Was legt sie sich auch mit der Kleinen an?
Fünf Minuten später wurde bestätigt, dass ich am nächsen Tag um 9.00Uhr einen Termin haben würde. Erleichtert degenerierte ich weiter vor mich hin.
Gegen 12.00 wachte ich in einer noch größeren Schweißlache auf, wischte den Kliderschrank, Teppich und Fenster notdürftig trocken und kroch ins Wohnzimmer, um mir Wasser zuzuführen und mit halbem Ohr Nachrichten im Fernseher zuzuhören. Leider fand ich die Fernbedienung nicht und klebte an RTL fest, was mich dermaßen in einen Schockzustand versetzte, dass ich noch wochenlang davon zehren werde. Habt ihr auch nur die blasseste Ahnung wie scheiße das Fernseherprogramm um die Mittagszeit ist?
So begann meine DVD-Odyssee, bestehend aus Filmen, die ich zwingend schauen, aber nie jemand zum gemeinsamen Angucken bewegen konnte.
Angefangen bei Traffic über The Insider bis hin zu Trouble ohne Paddel (Großartig: Matthew Lillard und Seth Green!), harrte ich bis zum frühen Abend aus, um dann in einen tiefen traumlosen Schlaf zu versinken.
Kurz noch mit der Kleinen an der Arbeit geschnackt, zog es mich dann ins Bett, um dann weitere 4 Stunden, mit kleinen Unterbrechungen ins traumlose Delirium zu fallen.
Am nächsten Tag ging alles ganz schnell: Die Kleine holte mich ab, ich torkelte zum Arzt rein, er hustete, ich hustete, er antwortete mit einem lauten Husten, das ich mit einem leichten Räuspern, mit abschließendem Röcheln bekräftigte. Wir einigten uns darauf aus dem Weg zu gehen und er verschrieb mir Schleimlösendes Ekelzeuch, das ich selbst mit zwei Liter Wasser nicht annährend erträglich verdünnen konnte!
Auch hier wieder: Wie grausig ist das Vormittagsprogramm? Werden die Zuhausebleiber mit Absicht dumm gehalten?
Wenigstens war die Kleine noch gütig genug mir ein par DVDs zu holen, die mich bis zum nächsten Tag beschäftigen sollten, da sie sich am Abend aus dem Staub machen wollte (auf mein Befehl hin, wohlgemerkt!), um geschmeidig auf meine Gesundheit einen trinken zu gehen:
The Aviator (ui!), Harold & Kumar (Ich musste so lachen: „Did Doogie Howser just steal my fucking car?“ – „Yes… I think he did“), Team America (war ja ganz nett, ne?) und Cellular (Jasoooooon!!!).
Mein langmonatiges DVD-Defizit wieder ein wenig geschmälert, komme ich so langsam wieder zu Bewusstsein. Nun sitze ich hier auf dem Balkon und klopfe auf das Laptop ein und freue mich…ich freue mich…oh, wie ich mich freue, nach zwei endlosen Tagen endlich wieder sitzen zu können! Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und irgendwo, nicht weit von hier, prügeln Punks auf Nazis ein.
Alles wird gut…