Thekenschlampen, Teil 1

Die letzten zwei Tage habe ich resigniert.
Ich habe mir vorgenommen mir ein wenig Zeit mit dem „Bloggen“ des Freitags zu nehmen, um niemandem ernsthaft auf die Füße zu treten… auch wenn es einige verdient hätten.

Mein Freitag fing (wie jeder Freitag) um 8.00 an. Normaler Arbeitsalltag bis 16.00. Nichts auffälliges.
Nicht einmal die Langeweile, die aufkam, als ich direkt, nachdem ich mich kurz unter die Dusche geschmissen habe und zu dem nächsten Job fuhr, war der Rede wert. Ich stand eben einfach nur drei Stunden herum und ärgerte mich um die Zeit, die ich anderweitig hätte verbringen können. Wie… rumsitzen oder so.
Etwas stutzig wurde ich allerdings, als mein Thekenpartner mir immer mehr auf die Nerven ging:
„Ich bin Thekenchef.“
„Du bist was?“
„Thekenchef.“
„Von mir aus kannst du hier im Ballettkostüm hüpfen und ein Lied der Weather Girls singen!“
„Wie lange arbeitest du schon für C.?“
„3 Jahre.“
„Ok, ich 2. Wie alt bist du?“
„27.“
„Scheiße, das ist alt! Naja, ich hab Hotelfachmann gelernt. Ich bin Thekenchef.“
„Oh Mann…“

Gestraft mit dem Wissen, dass dieser Abend spätestens mit solchen Gespächen anstrengend wird, weinte ich bitterlich in mich hinein und betete um ein spontanes Wachkoma meinerseits. Kurze Zeit Später erschien die „Teamleiterin“, die einen von uns abziehen wollte, um ihre Theke zu unterstützen. Und dass ich es nicht sein würde, sollte jedem klar sein.

„…also einigt euch!“
„Ich nicht. Du weißt was passiert, wenn ich ein Tablett in der Hand halte!“, grinste ich sie an.
„Oh ja… Daran erinnere ich mich. Ich war dabei…“
„E. geht mit.“ beschloss ich einstimmig. Sein verzweifeltes Wehren gegen die bevorstehende Arbeit und die kläglichen Versuche alles daran zu setzen autoritär zu wirken („Irgendwann musst du es lernen!“ – „Sagt wer?“), weckte für den Bruchteil einer Sekunde Belustigung und Mitgefühl, welches gleich im Keim erstickt wurde, als er mich zum wiederholten Mal „Papa“ nannte. Klare Sache: Ich würde bleiben, er würde gehen. Und wenn ich ihn aus dem Fenster in den Innenhof werfen müsste.

Stunden vergingen und endlich kam ein wenig Arbeit auf. Als mir schließlich die Gläser ausgingen, beförderte sich mein gläsereinsammelnder Thekenpartner kurzfristig selbst zum Abwäscher, während er froh darum war den freundlichen kleinen Burschen rumzukommandieren, der für ein paar Kröten kleinere Hilfsarbeiten erledigen sollte (länger als 22.00 durfte er von Seite des Gesetzes garnicht draußen sein..!). Der Abend verlagerte sich schließlich direkt vor meiner Theke, was sich anfangs als relativ angenehm erwies, musste ich mir nun nicht mehr die Frauengeschichten des Spinners Thekenpartners anhören, der es inzwischen auf dieses pummelige kleine, stockbesoffene Mädchen abgesehen hatte, wie sie auf jeder Party zu finden ist. Marke: Jeder verzweifelte Typ darf mal ran.

Leider erwies sich der selbsternannte „Thekenchef“ als Niete, wenn es um das Abschätzen einer brenzligen Situation ging. Gerade als ein riesiger Haufen durstiger Gäste ihr Recht auf Freibier forderte, verschwand der „Thekenchef“ mit den Worten: „Wir haben kein Cola Light mehr. Ich hol mal was…“
„Das ist ein denkbar ungünstiger Augenblick!“, schrie ich ihm hinterher. Schulterzuckend verschwand er für knapp 10 Minuten und ließ mich mit der grimmigen, durstigen Meute allein. Meine Hände verschwammen zu Schemen, als ich blitzartig Bier, Cuba Libre und Gin Tonic im Eiltempo mixte. Irgendwann waren meine Kräfte, wie auch Gläser am Ende und so musste ich meine Gäste darauf vertrösten kurz zu der nächsten Theke zu gehen (keine 15 Meter entfernt).
„Machst du das heute zum ersten Mal?“, pöbelte mich ein Gast an. Mein Blick wanderte über die leere Theke, sowohl davor, als auch rechts und links neben mir in der Hoffnung, dass dieser Blick dem Gast vermittelte, dass mir weder Gläser noch Thekenpartner zur Verfügung stehen und ich ihn leider gerade nicht bedienen kann. Verständnislos starrte er mich an.
„Heute morgen bin ich aufgestanden und dachte, ich müsse etwas total verrücktes machen! Also beschloss ich mich hinter eine Theke zu stellen und freundlichen Menschen wie Ihnen leckeres Bier zu kredenzen! Ein geiles Gefühl! Sollten Sie auch mal ausprobieren…“, spielte ich auf die gute, alte „Machen Sie es doch selbst, wenn Sie der Meinung sind, Sie können es besser!“-Nummer an.
Kurze Pause. „Bäck tu se ruuts, sag ich immer, ne? Verstehste? He? Also das machen was man…“ – „Oh! Ja! Verstehe! Meine Fresse, war das ein Brüller! Damit sollten Sie unbedingt mal auftreten!“

Weiter bei Teil 2

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