23.8.2005 /
Alles in Allem / Malcolm
Wie gestern das Spiel Braunschweig-Dortmund gelaufen ist, könnt ihr hier, hier und hier nachlesen. So weit, so uninteressant.
Ich war live vor Ort, als die Zapfanlage die ersten 50 Liter Bier in Form von Schaum rausgab, während zig Gäste ungeduldig auf ihr Bier wartete das Licht im Stadion für etliche Minuten ausfiel, sodass das Spiel unterbrochen werden musste ein betrunker Gast beinahe die neue Mini-Theke zerstörte, als er sich daran fest hielt hunderte Fans gröhlend durchs Zelt stampften Braunschweig den Erstligisten in den Arsch kickte!
Seit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga hat sich einiges an meiner Zweitarbeitsstelle getan. Als ich das neue „Vip“-Zelt betrat, glaubte ich meinen Augen kaum zu trauen, waren anstelle der einen Theke mit einer Bierstation, Softdrink-,Wein- und Sektausgabe insgesamt vier kleinere Theken mit eben diesen Funktionen im ganzen Zelt verteilt. ‹berall hingen flache Bildschirme an den Wänden, die das Spiel übertragen sollten, teure Tische und Stühle zeugten von Stil und sogar der Biersponsor wechselte von der Lokalplörre zu Krombacher! Die endlich vorzeigbare Lokalität bot aber das Größte nicht etwa für sein very important Gast, sondern… für mich!
Endlich eine unisex-Umkleidekabine in der „Lagerhalle“, die zur Rechten mit Getränkekisten und zur Linken mit weiblichen Servicekräften in Unterwäsche gefüllt war, als ich gerade eintrat! Auf die Gefahr hin eine dicke Rüge der Kleinen einzufangen, aber urplötzlich schossen mir Bilder von Pyjamaparties und Kissenschlachten durch den Kopf und sollte der Abend noch so stressig werden – ich klammerte an dieses Bild und lächelte!
Neben der VIPrigeren Verzeltung konnten zwar nicht unbedingt very important Persons gesehen werden, dafür hatten, bis auf eine einzige Ausnahme, alle Gäste in unserem Bierkreis, ein Alkohollevel, der weder peinlich, noch schmerzhaft war, was den Abend vergleichsweise entspannt machte. Einzig eine Dame, die jetzt unbedingt angesprochen werden muss, fiel unangenehm auf, als sie diese VIP-Geschichte etwas missverstand und der Meinung war, nicht nur uns Servicekräfte lautstark darauf Aufmerksam zu machen, dass die drei minütige Abwesenheit ihrer Majestät, außerhalb der Schlange (wahrscheinlich um sich wiederholt zu schminken, was zum Ende hin dermaßen skurril aussah), nicht gleich bedeutet, dass sie sich nicht wieder nach vorn stellen darf. Auf den Hinweis, dass erst einmal andere Gäste an der Reihe sind, quälte sie mich so lange mit ihrem Gemaule, dass ich schließlich nachgab und mir und den Gästen den Gefallen tat ihr von der Sekttheke ein Prossecco zu holen, den sie promt mit ihrem gruseligen Lippenstift bis hin zur Unterkante beschmierte.
Die selbe Dame fragte auch allen Ernstes, ob sie ihre Zigarette in unserem Waschbecken entsorgen dürfe. Auf mein entsetztes „Nein, natürlich nicht!“, aschte sie dann eben einfach nur rein und suchte sich eben am Nachbartisch ein Aschenbecher zum Ausdrücken der dünnsten Zigarette, die ich je gesehen hatte.
Und für alle, die ebenso wenig sportbegeistert sind wie ich, fasse ich die wichtigsten Details des letzten Abends zusammen:
Herr Glogowski (Ex-Bürgermeister von Braunschweig) hielt eine Rede, die nicht wirklich jeden interessierte (die Blicke hafteten mehr an den Fernseher, als auf dem alten Mann mit Eintracht Braunschweig Schal am Mikro).
Der Stromausfall im Stadion bewirkte, dass die Fans fluchtartig ins Zelt stürmten, um schnell noch ein Bierchen zu zischen.
Menschen, die in einer kleinen Stadt leben, die gerne eine große Stadt wäre, freuen sich überirdisch über den Sieg gegen eine große Stadt, die jetzt von allen ausgelacht wird.
Krombacher lässt sich schwerer zapfen, als Braunschweigs Lokalplörre.
Unisex-Umkleidekabinen sind cool!