Base
SCHEISSE!
Rückblende:
Das Handy klingelt zum wiederholten Mal unter einem blinkenden „Nummer unterdrückt“. Wahrscheinlich wird wieder niemand am andere Ende sein, also hebe ich ab und schweige wie mein Gegenüber. Ich schweige, er schweigt, ich schweige, er schweigt… Nach einer halben Minute beschließe ich aufzulegen, als eine quäkende „Guten Tag, eplus, spreche ich mit Malcolm Bunge?“ meinen Daumen in die Handygrundposition zurückfahren lässt.
„Hallo?“
„Hallo?“
„Hallo!“
„Herr Bunge, hallo!“ (Hello hellooo! You say goodbye and I say hello…)
„Ja bitte?“
„Mein Name ist Frbllbfssll von eplus. Ich rufe an, um Ihnen ein einmaliges Angebot zu machen…“
Oh nein!
In genau diesem Moment zieht mein gesamtes Leben an mir vorbei. Die Stellen an denen ich an „einmalige Angebote“ nicht vorbei konnte, treten besonders hervor: Biberschutzverein, Deutscher Videobund, Katholische Kirche (wobei ich da noch nicht sprechen konnte, also bin ich entschuldigt!), Payback…
Meine Brust zieht sich krampfhaft zusammen und bevor ich mich versehen kann, halte ich Stift und Papier in der Hand und rechne mit Herrn Frbllbfssll meine letzten Handy Rechnungen durch und vergleiche sie mit dem sensationellen Angebot, das er mir unterbreitet: K O S T E N L O S telefonieren mit anderen eplusigen Menschen und ins Festnetz. SMS kostenlos an andere eplus-Opfer schicken und überhaupt zahle ich nur 25 Cent pro Minute, wenn ich mit anderen Netzen telefoniere! Scheiß die Wand an, wie konnte ich bis jetzt überhaupt ohne dieses Angebot leben?
Ich bin unentschlossen. Die Kleine ist nicht da und ich hasse sie dafür. Ich werde gleich bestimmt eine ziemlich dumme Entscheidung treffen und sie wird mit Sicherheit nicht dafür sorgen, dass es die Richtige ist. Ich schaukel vor und zurück, zerkaue mein Stift und lege mich langsam aber sicher in die Embryonalstellung.
„Herr Bunge?“
„Ich bin doch so risikounfreudig und meine Freundin ist nicht da! Wie können Sie nur, Sie Unmensch!!!“
„ƒhm… Also leider kann ich dieses Angebot nur jetzt unterbreiten, weil nur 2% der eplus Kunden die Chance haben…“
„Ich weiß nicht…“
„Passen Sie auf. Ich mache jetzt eine riesen Ausnahme, nur für sie…“, fehlt nur noch, dass er mir sagt, dass er dafür sein Job verlieren könnte. „Ich gebe Ihnen noch ein Handy dazu.“
„Ein Handy? Was für eins?“
„Siemens A65. Ein totaler Buisnesshandy.“
„Ach!“
„Wir können es nochmal durchrechnen, wenn Sie wollen…“
In meinem Ohr piept es. Jemand versucht mich anzurufen. Kann jetzt nicht. Muss zuhören. Tolles Angebot. Einmaliges Angebot. Sensationelles Angebot! Das Telefon klingelt und Herr Frbllbfssll rechnet noch. Seine liebliche Quäkstimme flüstert mir liebkosende Zahlen ins Ohr, die allesamt verlockender klingen, wie meine momentane desaströse Handysituation. Ich lasse es klingeln und bemerke, dass er sich doch bitte nicht stören lassen soll – der AB klärt das schon!
Er hat es geschafft.
Ich bin weichgeklopft.
Die Worte, die sich für die nächsten 1 1/2 Jahre einbrennen werden (jajaja, das Angebot gilt ab Mai für ein Jahr, kann aber jetzt schon… Blaaa….), die Worte, die Herr Frbllbfssll seit nunmehr 25 Minuten hören will, verlassen meinen Mund:
„Okichbindabei!“
Nach Klärung der Formalitäten lege ich auf und reibe mir den Bauch. Ich blicke auf mein Handy. „1 Anruf in Abwesenheit“: Die Kleine. Oooohhhh…
Das Handy ist übrigens recht hässlich… Jemand Interesse?
Selbstverständlich will ich einen fairen Preis dafür geboten haben, also Arnold, denk nicht mal daran!!!
NACHTRAG
Fischotter. Keine Biber, das waren Fischotter, die ich durch meinen 3-tägigen Aufenthalt in Hankensbüttels Fischotterschutzverein geschützt hatte…









Nur allgemein zu diesen Anrufen, wo man nichts hört: Das passiert mir in letzter Zeit auch ständig, hab mit ein paar Freunden geredet, die meinten, das wären irgendwelche Spacken im Ausland, ergo man zahlt, wenn man abnimmt. Sollte ja rauszukriegen sein, wenn du nen Einzelverbindungsnachweis hast.