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Sie und ich.

Nun wohne ich nicht mehr allein: Sie ist jung, dynamisch und in der Nacht einfach nicht zu stopppen – mein Hamster in schwarzweiß. Vermutlich können sich nur wenige an diese kurzlebigen Nagetiere erfreuen, für mich ist meine neue Mitbewohnerin ein wahres Geschenk, auch wenn ich dafür mit 6,60 Euro tief in die Tasche greifen musste…
Das Hamstermädchen ist sehr zutraulich, unglaublich neugierig (sie verfolgt jeden meiner Schritte und beobachtet mich, wenn ich am Computer sitze) und in der Nacht viel zu aktiv, so wie Hamster nun mal sind. Ihre größte Leidenschaft ist neben dem Schlafen, das Laufrad. Ich weiß nicht wohin sie möchte, aber sie hat es unglaublich eilig! Ihre kleinen knubbeligen Füßen tragen sie im Rad wie der Wind über die Weiden und das in beinahe regelmäßigen Intervallen. Ihre Trainingseinheiten beginnen um kurz nach Acht und dauern über viele Stunden an. Ich gönne ihr diesen Spaß, weil sie ja sonst nichts hat, doch das Ganze könnte etwas leiser von statten gehen. Ich bat das pelzige Bisschen etwas langsamer zu laufen, weil das Laufrad bei 1100 Umdrehungen einen imensen Krach erzeugt, aber bis jetzt zeigte sie keine Einsicht. Wir werden daran arbeiten müssen.

Bis dahin muss ich mir für sie einen Namen überlegen. Ihr spontaner Zuzug hat mich völlig überrumpelt, so dass ich mich bisher für keine Namensgebung entscheiden konnte.
Ich rufe alle Besucher von ESIB auf mir freundlicherweise Namensvorschläge zukommen zu lassen! Wie gesagt, handelt es sich bei ihr um ein Weibchen. Der Name sollte also dementsprechend feminin klingen. Etwas Eingängiges und Besonderes würde mir gut gefallen. ‹ber eine rege Teilnahme freue ich mich und Hamster natürlich auch! Die feierliche Taufe wird dann in Kürze hier öffentlich gemacht.

Aus Hamburg

Freitag
14.30 Feierabend
17.00 In Hamburg angekommen
17.15 Dennis begrüßt und wieder ins Auto, in die „Wäscherei“
19.00 Wieder bei Dennis. Kochen
20.30 in die Bahn, ab zu Dr. Katze & Co.

Freitag
18.00 in Hamburg angekommen. Sachen schnell aus dem Auto geschmissen, ab zur „Wäscherei“.
18.05 Beschließe noch mein Handy aufzuladen, das gerade sein Geist aufgegeben hat. Als ich es anstelle, fällt mir auf, dass mir meine PIN nicht einfällt. Scheiße, alle Nummern auf dem Handy. Dennis kriegt die Nummern trotzdem raus. Alle lachen. Nur ich nicht.
19.30 wieder zurück bei Dennis. Die Kleine und Dennis‘ Kleine gehen schonmal vor, um das Kochen vorzubereiten. Ich habe beschlossen noch schnell zum Friseur zu gehen.
19.50 Noch vier Nummern vor mir! Das geht ja fix!
20.30 Nur noch zwei Nummern…
21.00 Endlich auf dem Friseurstuhl. Von einem Punk den Kopf gestreichelt und massiert zu kriegen, ist…ungewöhnlich. Bitte Dennis doch bitte bei Dr. Katze & Co. anzurufen. Ich befürchte, es wird spät(er)…
21.30 Ab ins Auto, das Essen wartet
21.55 Alle sind fertig mit essen, Moritz muss zur Arbeit. Dennis und ich schlingen das Essen herunter.
22.30 Ab ins Auto, um schnell bei Dr. Katze & Co. anzukommen
22.50 Da steht ein riesig großer Affe vor mir, mit einem Tablett in der Hand, auf dem nicht so leckerer tschechischer Schnaps auf uns wartet!
23.00 Ich muss mich inzwischen schon 500 Mal für das zu spät kommen entschuldigt haben!
23.10 Zur Entschädigung, werfe ich mich in die Bresche und öffne mit Dennis das Paket mit dem TODESMAGNETEN (demnächst mehr und ausführlich…)

Samstag ist das Treffen mit Lu und ihrer besseren Hälfte. Außerdem warten noch Dr. Katze & Co., MC Winkel und Moritz an den Landungsbrücken. Alles funktioniert so weit nach Plan. Leider muss sich Moritz schon verabscheiden, kaum haben wir nach einer kurzen Fährenfahrt das Land erreicht.
Lu ist größer als ich gedacht habe. Sie hat eine tolle Lache. Später tauscht sie noch vegetarische Rezepte mit der Kleinen aus. Wie es aussieht, werde ich demnächst mit Roter Beete gestopft werden! Ihr M. ist sehr sehr nett. Beschließe ihn spontan zu mögen.
MC Winkel ist nicht viel größer als ich gedacht habe. Wir treffen ihn auf dem Parkplatz, auf dem er schon in Versuchung ist, auf dem eingeschränkten Halteverbot zu parken. Das erklärt einiges. Ein Pfundskerl, den man einfach nur gern haben kann!
Dr. Katze ist viel größer als ich gedacht habe! Das mit der Weltherrschaft kann er sich gleich abschminken. Dafür ist er viel zu lieb (‚tschuldige!). Noch auf der Rückfahrt schwärmt die Kleine von seiner sympathischen Art. Beschließe die Beiden nicht aus den Augen zu lassen, wenn wir wieder in Hamburg sein sollten.
Der Affe war noch weitaus größer als ich gedacht hatte! Wie Dr. Katze, ist der Affe auch sehr sympathisch, was auch daran liegen kann, dass er eine erschreckende ƒhnlichkeit, mit einem Freund aus Braunschweig hat. Sowas prägt ja gleich.
Moritz ist kleiner, als ich ihn in Erinnerung habe. Ich kenne ihn schon seit knapp zehn Jahren und wundere mich darüber, dass er zu schrumpfen scheint.

HH

Kreditkarte
Klamotten
Sonnenbrille
mp3 player
gesunde Aufbaukost
Shopping Liste
alles was Malcolm vergessen hat
viel Platz im Auto für Shopping Erfolgserlebnisse
beste Laune
Bettwäsche
Kulturtasche
Schönes für den Hinweg

Radio Gaga

„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Und das Radiohören 2005 ist ungefähr so, als tränke man einen mediokren Bordeaux, dem immerhin eine Stunde zum Lüften gegönnt wurde: Er schmeckt etwas besser als gewohnt, aber der Schädel am nächsten Morgen bleibt der gleiche.

Zu schade, um in der del.icio.us Liste zu verschwinden

‹berraschung!

„Hallo?“
„Hallo? Malcolm Bunge?“
„÷hm, ja…“
„Hi, ich habe deine Telefonnummer von J.G. und rufe an, weil er da eine kleine ‹berraschung für dich hat, die dir über mich zugeschickt werden soll, aber leider hat er deine Adresse nicht.“
„Hmmm… Das kann sein. Ich hab sie ihm bestimmt vor tausenden von Jahren gegeben. Oder nicht. Weiß nich‘.“
„Wenn du sie mir gibst, kann ich dir die ‹berraschung gerne zukommen lassen!“
„Nichts für ungut, aber wenn gerade im Bekanntenkreis eingebrochen wurde, wird man ein wenig paranoid, wenn jemand wildfremdes nach der Adresse fragt.“
„Echt jetzt? Eingebrochen?“
„Jupp…“
„Ja, nee… versteh… ich schon!“
Leichte Enttäuschung in der Stimme
„Ich ruf einfach den J.G. nochmal an und gebe die Adresse durch, dann kannst du dich bei ihm nochmal melden, oder er bei dir.“
„Ja, machen wir das so, dann melde ich mich nochmal.“
„ƒh, ja…“

——-

„J.G., moin! Sag mal… Hier hat gerade ein Typ angerufen, der eine ‹berraschung“ für mich haben will. Er sagt, die Nummer habe er von dir…“
Schmatzen, Geschirrgeklimper
„Ja, moin!“
Schmatzen, Stille
„Ach, genau, das war ein Kumpel von mir…“
Klimper
„…der ist Finanzberater und hat da ein paar Versicherungen am Start, die ziemlich interessant sind…“
An dieser Stelle folgt eine Beschreibung von Versicherungen, die danach klingt, als würde sie kein Gewinn machen wollen und wahrscheinlich höchstpersönlich vorbeikommen, wenn irgendwas passiert ist, um sich zu vergewissern, ob es dem Kunden gut geht.
„Ah, nää… Lass mal, du. Hab da meine eigene Finanzberaterin. Arbeitskollegin, die mich mit Versicherungen zugedeckt hat!“

Na, wenn das mal keine tolle „‹berraschung“ ist..?

HH

Drei Paar Socken + Totenkopfsocken
Vier T-Shirts
Ersatzhose (für den Fall, dass ich mir vor Aufregung einmache)
Digitalkamera
Navigationsgerät
Die Kleine
Pullover
Porno Sonnenbrille
„Grafiken“ für Moritz (Hä?)
Flasche Lokalplörre
Zahnbürste, Deo, Rasierzeug

Enrico und ich

Inspiriert von Petr Pivos Geschichte über seine innige Beziehung zu Schowi (Massive Töne), möchte ich kurz meine erste Begegnung mit einem berühmten Hip Hopper erzählen…

Italo RenoDas erste Mal, als ich einen echten Hip Hop Star kennenlernte, war dieser kein Hip Hop Star, sondern ein kleiner Junge, der gerade mein Nachbar wurde. Ich war frisch aus einer der englischen Siedlungen in Minden in die Saalestraße gezogen und hatte Angst vor meinen neuen Deutschen Nachbarn. Die Sprache klang, als würde man ein Stein durch einen Rasenmäher schmeißen, die Menschen schauten immer grimmig und sobald ich meinen Mund aufmachte, wurde ich ausgelacht.
Da saßen wir beide nun, Dominic und ich und spielten mit unseren He-Man Figuren „Tötet die Ameisen!“ vor unserer Haustür, als ein Schatten über uns kam. Ich blickte mich um und vier Kinder, die nicht viel jünger waren als ich, starrten uns an. Unfähig gegen die Sonne starrend ihre Blicke zu deuten, bot ich mit einem Nicken an sich zu uns zu gesellen und die tödliche Ameisenfront davon abzuhalten unser Haus zu bestürmen.

Wir verbrachten mehrere Sommer zusammen und wurden relativ gute Freunde. Tatsächlich lernte ich meine ersten deutschen Fluchworte von diesen Jungs. Einer dieser Jungen hieß Enrico, später unter Hip Hoppern als Mitglied von „Der Klan“ oder Italo Reno, bekannt. Mit der Zeit trennten sich unsere Wege und mehr als beiläufiges Grüßen oder Smalltalk an der Bushaltestelle war nicht drin. Irgendwann verlief sogar das im Sande. Rico sah ich gelegentlich auf irgendwelchen Veranstaltungen, wie er Mädchen mit seinen „Skillz“ beeindruckte und mehr als ein Kopfnicken war nicht mehr drin, wenn wir uns über den Weg liefen.

Als ich mit sechzehn meine erste richtige Freundin hatte, die auch noch zwei Jahre jünger war als ich, war ich die Lachnummer der Klasse, wenn nicht sogar der ganzen Schule. Sogar der sonstige Prügeljunge der Schule, pöbelte mich an, aber das war mir damals so dermaßen egal, denn ich musste nur ein paar Monate durchhalten, bis ich die Schule verließ. Und so kam es, dass ich auf die Kollegschule ging und zwischendurch meine damalige Freundin auf der Realschule in den Pausen besuchte. Eines Tages fiel mir einer der größten Verlierer der Schule auf, wie er sich an meine Freundin ranmachte, was mir so garnicht in den Sinn passte und so sammelte ich meinen ganzen Mut zusammen und riet ihm besser Abstand zu halten. Was dann passierte, ist schnell erzählt:
Eines Tages besuchte ich meine Freundin, als mir jemand auf die Schluter tippte. Ich drehte mich um und schon hatte ich einen Sitzen. Und noch einen. Und gerade als Maurice, eben dieser Verlierer, zum dritten Schlag ausholen wollte, packte ich ihn, hielt ihn im Schwitzkasten in Schach und während ich meinen Daumen hinter sein Kiefer bohrte (seine Zahnspange hielt mich tatsächlich davon ab ihn ins Gesicht zu schlagen!), wiederholte ich immer wieder den Rat besser aufzuhören und zu verschwinden.

Er verschwand tatsächlich und als mir in der nächsten Pause wieder jemand auf die Schulter tippte, ahnte ich nicht, was da auf mich zukam. Nämlich die Stirn des „Italo Renos“! „Die erste Kopfnuss vergisst man nie!“, dachte ich noch und schluckte Blut. Als Rico mir etliche demütigende Backpfeifen später riet mich von dem Schulhof zu entfernen, wäre ich auch beinahe darauf eingegangen, immerhin gehörte er zu „der Familie“. Eine Familie von sogenannten „Zigeunern“, die in Minden „Alter, iesch hol meine Kosengos!“ etablierten. Mit denen war wirklich nicht zu spaßen und so hielt ich mich zurück.

Nachdem die Demütigung von dem Pausengong beendet wurde, lief ich promt zur nächsten Telefonzelle und rief meinen guten Freund Bartosz an. Bartosz, wie man am Namen wohl erkennen wird, war Pole. Und auch mit den Polen, war nicht gut Kirschen essen. Ich gebe zu, dass ich in Panik war und nicht wirklich nachgedacht habe, als ich diesen Stein ins Rollen brachte, aber mit sechzehn ist man so… so… scheiße! Natürlich versprach er mir sich sofort darum zu kümmern und legte kurz danach auf.

Ich wartete wie verabredet, mit einem Freund, auf dem Parkplatz der Schule, als ein schrottreifer Opel um die Ecke kam. „Habt ihre ƒrger mit Bartek?“ sagte die tiefste Stimme, die ich in meinem kurzen Leben gehört hatte! „Neinnein! Wir hatten angerufen!“, stammelte ich, als der Pole ausstieg und uns grimmig anschaute. „Dann sagt ihm, ich komme gleich wieder. Ich muss noch einkaufen.“
So griff er auf sein Beifahrersitz, schnappte sich einen Prügel, ging zum Kofferraum und legte ihn mitsamt des Messers, das er aus einer Scheide an seiner Hüfte zog.

Das war dann der Moment, indem sogar ich zugeben musste, dass es jetzt doch ein wenig aus der Bahn läuft! Nach weiteren 10 Minuten kam endlich Freund Bartosz um die Ecke. „Und..? Hast du Maurice getroffen?“, begrüßte ich ihn. „Zweimal im Magen, einmal ins Gesicht. Normaaal!“. Oh ha.
Als die Schule kurze Zeit danach aus war, ging Bartosz, wie im Western, zum Haupteingang und wartete. Allein. Irgendwann tauchte Rico auf und sie unterhielten sich. Nach ein paar Minuten kam Bartosz auf mich zu und meinte, dass es nun erledigt sei. In Zukunft würde mich Rico in Ruhe lassen.

Wir nickten nun nicht mehr, wenn wir uns trafen. Wir ignorierten uns einfach.
Ein paar Jahre später sollte ein Hip Hopper aus Minden den Regionalstolz der hiesigen Jugend aufblühen lassen und Enrico mitsamt seines „Clans“ ein wenig auf der Welle mitreiten lassen. Curse (den ich auf einer Party kennenlernen durfte, die eine Klassenkameradin gab. Sehr sympathischer Mensch.).
Es folgte ein Gastauftritt von Enrico & Co. in einem seiner Videos und kurze Zeit später lernte man im Zug Menschen kennen, die fragten, ob wir Der Klan persönlich kennen, wenn man erwähnte aus welcher Stadt man kommt. Irgendwann hörte ich nichts mehr von ihnen, was ich auf mein Desinteresse am deutschen Hip Hop zuschiebe, bis ich eines Tages höre, dass Der Klan aufgelöst wurde und Rico nun mit einem sogenannten „Germany“ unterwegs ist.
So so.

Ob es sie „noch gibt“, weiß ich und interessiert mich nicht. Rico gab einen großartigen Spielkameraden, einen miesen Jugendlichen und wie ich das als Nicht-Hip-Hopper beurteilen kann, einen durchschnittlichen Rapper (was man bei den heutigen Verhältnissen beinahe als Kompliment bezeichnen kann) ab.
Ich glaube, wenn ich ihn das nächste Mal sehe (na, Weihnachten Musikbox, Minden?)… dann nicke ich einfach mal. Und sollte er zurücknicken, kann ich dieses Mal nur hoffen, dass genügend Abstand zwischen uns ist.

Zivildienstschmankerl – Malcolm vs. Kamp

Teil 3 von 3

Hier gibt es Teil 1, und hier gibt es Teil 2

Vollkommen entnervt schlage ich mir bei Grilli Willi den Magen voll, rauche eine halbe Schachtel zur Verdauung und warte auf meinen 16.00 Einsatz. Dafür müsste ich quer durch die Stadt fahren müssen. Also locker in 15 Minuten zu schaffen. 10, wenn ich die Ampel links liegen lasse.

15:48
Ohne Karte, mache ich mich an dem heißesten Tag des Jahres auf den Weg zu Frau Kamp, die mal ordentlich geschoren werden musste. Also der Rasen.
Es ist heiß. Verdammt heiß und selbst mit allen geöffneten Fenstern werde ich nicht erlöst. An der Ampel lachen Kinder mich aus, wie ich da in dem Seat Marbella sitze: Ellenbogen angewinkelt, Kopf unter dem Himmel gequetscht, leicht zur Seite geneigt, damit ich die Straße noch sehen kann und meine Knie sind beinahe auf gleiche Höhe, wie das obere Teil des Lenkrads. Erinnert sich jemand an die Simpsonsfolge, als Nelson diesen sehr großen Mann auslachte, der in einem sehr kleinen Auto vorbei fuhr, der Nelson wiederrum mit heruntergelassener Hose durch die Stadt scheuchte? Hätte ich aussteigen können, wäre es den Kindern mit den Wasserpistolen, die auf mich gerichtet waren, schlecht ergangen. Leider bin ich wegen der Hitze so angeschwollen, dass ein Aussteigen einfach unmöglich ist, also warte ich die Grünphase ab und fahre so schnell es geht, Richtung Frau Kamp. Zumindest da, wo ich annehme, dass sie dort wäre.

15:55
Ich bin der Meinung, dass ich sie so langsam umzingelt habe und frage endlich bei einer Tankstelle nach der Straße. Fehlanzeige. Ich frage, ob sie vielleicht eine Karte da hätten, damit ich nachschauen könnte. Ich nehme die Karte, suche nach der Straße – nichts. Nachdem ich mich etwas frisch gemacht habe (so weit man sich auf einer Tankstellen-Toilette frisch machen kann), stopfe ich mich wieder ins Auto und beschließe Fußgänger zu fragen.

16:09
Nach dem zehnten Fußgänger gebe ich auf und fahre rechts rans, um mir eine Zigarette anzuzünden. Ein Plan muss her.

16:25
Kann doch nicht so schwierig sein! Ich steige wieder ins Auto und fahre eine immer kleiner werdende Spirale um die Stelle, die ich als Straße anahm. Nach 5 weiteren Passanten habe ich die Schanue voll und fahre nachhause.

17:15
Ich liege im Garten und lasse die Sonne auf mein Bauch braten. Zum Schwimmen ist es zu warm. Als das Telefon klingelt, nehme ich es kaum war und drehe mich nochmal zur Seite. Ab und zu schlage ich entkräftet und genervt die Fliegen, Mücken und Eltern zur Seite, die mir allesamt das Blut aussaugen wollen.

18:32
Da war doch was… Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich etwas vergessen habe…

20:28
Verdammt, Malcolm! Denk nach! Irgendetwas hast du vergessen…

23:19
Ich glaube echt, ich habe etwas vergessen. Hm! Bier? Für mich? Heißen Dank! Wo waren wir..?

08:12
„Du kommst SOFORT ins Büro! Beweg deinen faulen Arsch unverzüglich hierhin, sonst schwör ich dir… du kriegst ein Disziplinarverfahren an den Hals!!!“
„‚uten ‚orgen… ‚er is…da?“
„Bunge, ich warne dich! Beweg dich!“

Als ich eine Stunde später mit hoch rotem Kopf vor der zwei Köpfe kleineren Chefin stehe, wird mir klar, dass ich wenigstens hätte anrufen können. Das hatte ich also vergessen. Und die Konsequenz? Meine cholerische Chefin, die kurz vor dem Infarkt steht, stellt sich auf Zehenspitzen vor mich und plustert sich auf. Nach einer halben Stunde werde ich entlassen und muss mir anhören, dass ich froh sein kann, wenn ich kein Disziplinarverfahren an den Hals bekomme. Zum Glück übertrifft die Cholerik höchstens ihre Inkompetenz und ich gehe sicheren Gewissens nachhause, dass sie nicht einmal weiß, wie man so etwas anleiert.

Nach drei Tagen telefoniere ich höchstpersönlich mit Frau Kamp, die zum Glück alles ein bisschen lockerer sicht. Wir lachen sogar zusammen über meine Chefin, die sich am Telefon tausendfach bei Frau Kamp entschuldigt hatte und so verabreden wir uns drei Tage später zu einer humanen Uhrzeit „zwischen 16.00 und 16.30, Herr Bunge? Ich freue mich!“

Als ich das Grundstück betrete, wird mir klar, dass Frau Kamp aussehen könnte wie Sharon Stone und mir würde diese Aufgabe trotzdem keinen Spaß machen. Tatsächlich sah sie eher aus wie Frau Schmidt, meine Grundschullehrerin, nur 10 Jahre jünger, was, wie jeder sich denken kann, garantiert keine Augenweide ist.

Sie führt mich ein bisschen durch das riesige Haus, zeigt mir den Garten und fragt alle paar Schritte, ob mir das wirklich nichts ausmachen würde, ihren Rasen zu mähen und ein wenig die Hecke zu schneiden. Wer schon so nett fragt, bekommt auch sicher kein „Sind Sie Geistesgestört? Welcher normale Mensch hat grasbewachsene mannshohe Hügel in seinem Garten?“, sondern mein charmantestes „Kein Ding, Frau Kamp!“

Wenn ich eins gelernt habe, an diesem Tag, dann gibt es mit Sicherheit eine goldene Regel, wenn man wohlhabend sein möchte: Man kauft sich niemals den neusten Rasenmäher und wenn, war das 20 Jahre her. Wie auch Grace∞, plagt mich eine ungeölte Gartenschere in der Größe einer Nagelschere und nach vier Stunden in der sengenden Sonne (Frau Kamp machte es sich auf der Terasse bequem und fragt alle 10 Minuten nach meinem Befinden) ist auch diese letzte Aufgabe bewältigt. Zum Dank nimmt mich Frau Kamp noch einmal kurz in ihre Arme, drückt mir mit einem verschwörerischen Blick 20 Mark in die Hand und winkt mir zu, als ich die Hofeinfahrt verlasse.

Der Grund warum ihre Straße bei niemandem bekannt und auf keiner Karte verzeichnet war, ist einfach nur, weil die Straße erst seit 6 Monaten als Neubaugebiet existierte. Natürlich erzählte die liebe Frau Kamp meiner Chefin, dass es nicht einfach ist die Straße zu finden, diese zog es aber vor mir die Beschreibung, die Frau Kamp ihr gab, nur bruchstückhaft zu übermitteln.

Wie ich meine restlichen Minusstunden dadurch aufholen musste, indem man mich eine Woche als Bodyguard eines kleinen Mädchens, unter Pilze fressenden Waldhütern und einer verzweifelten Lehrerin, auf eine Grundschule schickte, warum ich während des Zivildienstes an einem Wochenende Kommunist wurde, meinen Führerschein verlor, zwei weitere Male ein Disziplinarverfahren angedroht bekam, einem Sozialarbeiter juristische Nachhilfe gab (und dadurch beinahe die Fresse poliert bekam!) und mich letztendlich bei meiner Chefin revanchiert habe… das ist eine andere Geschichte..!

Psst… Weitersagen!

Die Welt ist ein Dorf und die Bloggosphäre, wäre wohl demnach „Bloggersdorf“. Und weil ich mit mehr oder weniger Erfolg versucht habe, die Blogger und ihre Webcams zusammenzukriegen, ist es Zeit ein neues Spielzeug an den Mann zu kriegen: Für all diejenigen, die mir Fotos geschickt haben, weil sie das mit den Cameraden etwas missverstanden hatten.

Check out our Frappr!

Gefunden und geklaut bei Spotleid

Zivildienstschmankerl – Malcolm vs. Schulz

Teil 2 von 3

Hier geht es zu Teil 1

Es ist ein schöner, sonniger Tag und all meine Freunde müssten gleich im Schwimmbad sein. In dem Seat Marbella wird es langsam warm und dass es eng ist, braucht man nicht zu erwähnen. Was für eine Lachnummer ich abgebe, mit den Knien unter dem Kinn und dem Kopf schräg gehalten, damit ich die Straße überblicken kann. Dass jeder andere nun einen neuen Polo fährt und ich ständig die alte Krücke kriege, gibt mir langsam zu denken.

Ich steige aus, als die Sonne auf dem Höhepunkt steht und suche den Schlüssel zu Schulzes Wohnung. Ich lasse mir Zeit in den dritten Stock zu gehen. Wer in einer Wohnung lebt, so schmutzig, dass sich nichtmal Hauswirtschaftlerinnen reintrauen, kann nicht verkehrt sein und vergibt mir meine kleine Verspätung von 10 Minuten. Zwei, drei Mal tief durchgeatmet, Schlüssel ins Schloss und drücken. Nichts passiert. Nochmal drücken, die Tür bewegt sich nur unmerklich. Ich stemme mein ganzes Gewicht gegen die Tür und sie öffnet sich soweit, dass ich mich durchquetschen kann.

Erinnert sich jemand an die Szene aus Sieben, als die Polizisten in diese übelst versiffte Wohnung kommen, mit den Wunderbäumen an der Decke. Diese fehlten zwar, die Wohnung stand dem des Mannes, der im Film über ein Jahr im Bett lag, in nichts nach. Ein Geruch schlägt mir entgegen, der für kurze Zeit Tränen in die Augen reibt.

„Herr Schulz?“
„Mpfgmmpff!!!“
„Herr Schulz, was machen Sie… Oh Scheiße!“

Ich drehe mich nach rechts und vor mir liegt ein Berg von Fleisch in Feinripp vor der Toilette. Ein halber Hoden hängt heraus und zwei glasige Augen starrten mich an. Ich trete einen Schritt zurück, als Schulz sich rührt.

„Pflaganpfall. Iff glauhe, iff happe einen Pfaganpfahh! Iff iege ie fon pfeid fei Pfunen. Bob fei ank, ass hie ba sind!“
Schlaganfall. Ich glaube, ich hatte einen Schlaganfall! Jetzt liege ich hier schon seit zwei Stunden! Gott sei Dank, dass Sie nun da sind!

So stehe ich vor dem lieben Herrn Schulz, der mich breit angrinst und nach einer Schwarzbrennerei stinkt. Langsam lehne ich mich an den Türrahmen zum Badezimmer, rutsche in die Hocke und verfalle in ein Lachen, in den auch promt Herr Schulz mit einfällt. Nach ein, zwei Minuten stehe ich auf, klopfe den Staub von der Hose ab und suche das Telefon, das unter einem Berg Wäsche liegt.

„Guten Tag, Klinikum Minden, was kann ich für Sie tun?“
„Hi, Malcolm Bunge. Folgendes…“

Ich schildere kurz die Situation und werde promt abgespeist.

„Haben Sie schon Ihre Zivildienststelle benachrichtigt?“
„Bittewas? Ich brauche einen Krankenwagen! Der Mann könnte wirklich gut einen Arzt gebrauchen!“
„Bitte benachrichtigen Sie Ihre Zivildienststelle.“
„Das glaub ich jetzt nicht! Schicken Sie nun einen Krankenwagen? Ach Scheiße!“

Ich knalle den Hörer auf und rufe sofort bei meiner Chefin an, der ich die Situation erkläre.

„Hast du einen Krankenwagen gerufen?“
„Natürlich hab ich einen Krankenwagen gerufen, aber ich glaube, die kommen nicht, weil ich euch erst Bescheid sagen soll!“
„Bist du bescheuert? Ruf einen Krankenwagen!!!“
„Oooohhh…“

Natürlich schicken sie 20 Minuten später einen Krankenwagen, aber bis heute weiß ich nicht, ob sie ihn auch ohne meinen Anruf bei den Paritätischen und den bestätigenden Anruf im Klinikum losgeschickt hätten.
Als die Tür klingelt, reiße ich sie auf, drücke den Summer und sehe die Rettungsmannschaft die Treppe hoch hecheln.

„Haben Sie angerufen?“
„Jupp.“
„So, wolln wa ma schaun… Herr Schulz, ich grüße Sie! Na, so sieht man sich wieder! Alles gut bei Ihnen?“
„Eht fo. Iff olle mur ma pingeln und wurde scharz vor Augen!“
Geht so. Ich wollte nur mal pinkeln und mir wurde schwarz vor Augen!
„Na, dann wolln wa ma. Jungs, alles gecheckt, auf die Matraze mit ihm!“

Der Arzt ist einer dieser Menschen, die einem gleich sympathisch sind. Einer dieser Typen, die man in einer Kneipe sieht und einen ganzen Abend lang zotige Witze reißt. Einer dieser Typen, der auch gerne mal verarscht und kein Problem damit hat auch mal einzustecken.

„Junge, kannst du meinen Koffer nehmen? Ich glaube, den schaffen wir gerade so zu dritt und da will ich nicht… Ne?“
„Kein Problem, Doc!“

Schnaufend nehmen die zwei Rettungssanitäter und der Arzt die Hürde aus dem zweiten Stock 150 Kilo Gestank bei 30∞ im Schatten (also Hausflur) in den Wagen zu schleppen. Nach der dritten Stufe, fordere ich meinen Glück heraus:

„Puh, Jungs… Mag mal einer die Tasche nehmen? Ist doch schwerer als sie aussieht!“
„Halt die Schnauze, so spaßig wie das aussieht, ist das nicht!“, blafft mich der Arzt an. Whups. Nichts da, mit Stunden langem Kneipenbesuchen!

Ab da sage ich garnichts mehr, unterschreibe wortlos den Wisch und gehe noch einmal in die Wohnung, um meine Chefin anzurufen. Wer weiß, ob ich mich nicht doch um das Putzen drücken kann. Ich nehme das Telefon mit ins Wohnzimmer und überlege es mir anders, es mir bequem zu machen. Leises Piepen der zwei verkommensten Wellensittiche, die man sich vorstellen kann, lassen mich kurz darüber nachdenken den Tierschützer zu mimen, lasse die beiden aber lieber doch im Käfig. Draußen hätten sie auch nicht viel länger, bei der Hitze.
Meine Chefin lässt mich, nicht ohne spüren zu lassen, dass sie es ungern tut, die Wohnung verlassen und so mache ich mich auf, eine etwas längere Mittagspause bei Grilli Willi einzuläuten. Bis 16.00 würden noch einige Currywürste über den Jordan gehen müssen..!

Und morgen: In der Stadt Straße die es nicht gibt…



Darf es am Ende etwas mehr Malcolm sein? www.fuenf-filmfreunde.dewww.kunstloses-brot.deeyesaiditbefore.tumblr.com