Schwimmbadgeschichten

Oder: Wie ich die gesamte Südstadt lahm legte

Zu den Takten eines Sommerhits des vorletzten Jahres bewegen sich die Fettreserven um die Oberarme, während die Hausfrauen und Mütter der umliegenden Vorstädte ihre massigen Oberschenkel auf- und niederschlagen. Ein nicht weniger dicklicher Trainer steht am Beckenrand und dirrigiert mit einem Schaumstoffschlauch die Bewegungen vor. Ungelenk hüpft er nun auf und nieder und die Hausfrauen versuchen hechelnd hinterherzukommen, als wir gerade die Schwimmhalle betreten. Sonst nur in 500Ä Montur zum Nordic-Walking verabredet, schön dick eingepackt, was verglichen mit diesen Badeanzügen, eine viel zu kleine Leggings und ein Fleece-Pulli nun einmal ist, sind mir die Frauen schon damals auf die Nerven gegangen, als ich noch mit dem Auto zur Agentur fahren musste. Mit kleinen, schnellen Schritten kämpften sie gegen die Zentrifugalkraft des Hüftspecks und quälten sich Meter um Meter vorwärts, während eine aus der Gruppe grundsätzlich so beleibt war, dass sie auf der Straße gehen musste, um nicht ständig gegen ihre Leidensgenossinnen zu stoßen und somit genau mir in den Weg stellte. Und da meinem Auto mehr Schaden zugefügt worden wäre, als ihr, ging ich beherzt in die Eisen und versteckte mich hinter mein Lenkrad, aus Angst einem spontanen Hungeranfall ihrerseits zum Opfer zu fallen und gefressen zu werden.

Da hüpften sie nun im eiskalten Schwimmbad um ihr Leben und ich zog meine erste Runde seit Jahren. Die Musik gab ihr Bestes mir das zu versauen, was ich mir vorgenommen hatte: wenigstens 4 Bahnen – 100 Meter. Das muss ja nun drin sein. Zehn Minuten und drei Bahnen später gab ich auf nd versuchte zu ertrinken, was die Kleine und G. nicht zuließen und mich in den „Whirlpool“ verbannten, der aus einem kümmerlichen Strahl bestand, um den sich zwei deutlich ungefickte Hausfrauen stritten.

In der folgenden Woche wechselten wir das Schwimmbad und fanden uns in einem hellen Etablissment wieder, mit freundlicher Dame am Empfang, 50 Meter Bahn zur linken und 25 Meter Bahn zur Rechten. Die Mädels waren so begeistert, dass G. sich spontan eine 50,- Karte zulegte und beschloss hier einzuziehen. Ich war noch skeptisch, ob das eine so gute Idee war mitzugehen, aber wenn man in ein Alter kommt, indem die ƒlteren im Freundeskreis darüber berichten, dass die Fettreserven nicht einmal weggehen, wenn sie dreimal in der Woche Rad fahren und „hätte ich in deinem Alter schon mit dem Sport angefangen, würde ich nicht…“ daher trauern. Diese Woche nahm ich mir wenigstens vor eine halbe Stunde mitzuhalten und dabei weniger als zehn Pausen zwischendurch zu nehmen. Ich schaffte zwanzig Minuten, dafür nur mit einer großen Pause und hechelte stolz am Beckenrand.

In der Woche darauf schaffte ich eine halbe Stunde und das Mal darauf eine dreiviertel Stunde. Mein Ehrgeiz war geweckt und ich zur Schwimmmaschine geworden. Gestern nun sollte die 45-Minuten-Grenze wenigstens darum gebrochen werden, dass ich nicht alle 10 Bahnen eine Verschnaufpause gönnte. Die Mädchen verzogen sich in ihre Kabine und unverwunderlicherweise verirrte ich mich in den Hallen der Schwimmhalle und befand mich in der Sammelumkleidekabine wieder. Meinem persönlichen Albtraum. Das hat nichts mit Homophobie zu tun, ich bin einfach nur krankhaft verklemmt und niemand darf meinen Pullermann zu sehen kriegen, außer der Kleinen. Die Kabine war leer, also riss ich mich zusammen, die Klamotten vom Leib und die Schranktür auf, um alles hineinzuwerfen. Gerade als ich die neue Badeshorts über das zweite Bein ziehen wollte, hörte ich das Geräusch der sich öffnenenden Tür. Panikhaftzog und zerrte ich an der Hose, aber das Innenfutter hing am großen Zeh fest. Um das Gleichgewicht zu halten, musste ich also hüpfen, um meine Nacktheit zu verdecken, die Hose hochzerren. Der Anblick den ich geboten haben musste, als der Badermeister die Kabine betrat musste erscheckend ausgesehen haben: Hose auf Halbmast, krampfhaftes ziehen, das Hüpfen wirkte sich negativ auf ein gutes Bild meines Gemächts und damit meiner Würde wieder und dass ich auch noch auf dem Nassen Boden ausrutschte.

Bitte lassen wir das.

Verstört sah mich der Bademeister an und ging rückwärts wieder raus. Ich hatte mich inzwischen gefangen und beeilte mich in die Duschkabinen, wo ER auf mich wartete. ER war um die zwei Meter groß und mit dem Gemächt eines mittelgroßen Ponys ausgestattet, den er gerade wohlig einseifte, als ich die Sammelduschen betrat. „Gnnnn!“ konnte ich mir nicht verkneifen und versteckte verschwand hinter der Dusche für Verklemmte mit umschließenden Wänden für den Blickschutzliebhaber. Kurz horchte ich auf, ob Ponypenis mir folgte und drückte den roten Knopf, um mich kurz nass zu machen.

BATZ!!!

Dunkelheit. Der Ponypenis quikte kurz auf, ich quikte kurz auf „Ich war’s nicht!“, die Dusche quikte kurz auf und bespritzte mich mit eiskaltem Wasser, woraufhin ich wieder quikte. Fluchtartig verließ ich den nassen Darkroom und wetzte die Treppe hoch, in die rettende Halle. Dunkelheit. Leider nicht vollkommene Dunkelheit, denn zur Linken öffnete sich die Damendusche und enorm fette Oberschenkel strahlten mir im strahlensten Weiß entgegen und bevor die dazugehörige Frau sich bücken konnte, um ihre Brüste einzusammeln, quikte ich erneut, drehte mich um und stand vor einer Herde quikenden Ex-Nordic-Walkerinnen im Wasser, die von einem Trainer den Befehl zugebellt bekamen weiterzustrampeln während der Bademeister kopflos von einem Beckenrand zum anderen lief, immer darauf bedacht die fettesten Hausfrauen mit der Taschenlampe zu beleuchten.

Die Kleine und G. sagten dass das doch garnicht ginge und überhaupt sei das bloß Zufall gewesen. Ja, genau. In jüste dem Moment, wenn ich den Duschknopf betätige, springt nurmalso eine Sicherung raus. „Du hast eben den TODESDAUMEN!“, schlug die Kleine vor. Mein schlechtes Gewissen ließ mich zum Bademeister treiben, dem ich gleich beichtete, was ich mit meinem TODESDAUMEN angestellt hatte. „Glauben Sie das wirklich? Von hier bis Melverode ist der Strom weg. Die ganze Südstadt ist ohne Strom!“
Aufregung machte sich breit. Was ich mit diesem neuen Talent alles anstellen könnte! Garnicht auszumalen welch Macht sich hinter dem TODESDAUMEN verbarg und als das Licht anging wollte ich nur die Runde bis zum Beckenrand schwimmen, um mein Talent erneut zu testen, als der Bademeister mir schon zurief mich bloß von den Duschen fernzuhalten.

Am Sonntag bin ich wieder in der Halle…

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