Do it like Bukowski. PART 1
Semesterferien! Erstmal ausspannen vom ganzen Studiumsstress.
Warum eigentlich jetzt Studiumsstress? Egal. Ausspannen halt.
Nach einer Woche hab ich jedenfalls die Schnauze voll vom Ausspannen. Einzige Alternative ist dann wohl arbeiten. Denk ich. Aber Denken war nie meine hervorstechenste Seite. Sollte ich mich öfters dran erinnern, klappt aber nicht, hängt ja nun wieder mit dem denken irgendwie zusammen.
Freitag früh zur Jobvermittlung ins Arbeitsamt.
Auf der Suche zum richtigen Zimmer guck ich die ganze Zeit nur auf den Amtsboden um diese ganzen armen Hartz IV Empfänger nicht sehen zu müssen. So früh am Morgen kommt das zu hart und außerdem erinnert es einen nur unnütz daran, dass man nach dem Studium auch hier sitzen wird, wenn man diesen ganzen Wirtschaftsweisen Glauben schenkt, aber denen wird sowieso zu viel geschenkt.
Im Warteraum meiner Sachbearbeiterin (G-K) sitzen gerade mal zwei andere Studenten. Entweder haben die Eltern wieder genug auf der Hohen Kante um ihren Sprösslingen dieses anstrengende gejobbe zu ersparen oder ich bin viel zu spät dran mit dem Job besorgen. Jedenfalls stellt sich raus, dass die beiden anderen im Warteraum ein Pärchen sind und sie sich nur die Autoschlüssel für den Wagen der Mutter abholen, um sich ihr gemeinsames Abschnittstudiumleben bei IKEA neu einzurichten. Hi hi und freu freu ziehen die Doofies ab. Die beiden denken jetzt wohl das es zum Glück IKEA gibt, sonst müssten sie sich vielleicht wohl noch selber Gedanken über ihre Einrichtung machen, aber so ist es doch viel einfacher.
Jetzt bittet mich die A-Amtsfrau rein, najaÖReinbitten ist hier ein wenig hochgegriffen, denn sie lässt einfach nur die Tür zum Büro auf.
- Guten Tag ñ Vorgefertigte Fragen werden mir amtsfröhlig entgegen geworfen.
Wer? Ich! Warum? Arbeit! Wann? Jetzt! Studiengang? Grafikdesign.
ÑDesign?…Aha!ì Dabei mustert sie mich mit einem zweifelnden Blick, als würde ich so gar nicht ihrem Bild eines Designers entsprechen. Diesem Blick würde ich gerne entgegnen mit – JaÖich dachte mir mal heute früh, ich lasse mal den Koks und die Models vom gestrigen Shooting zu Hause und gehe mal was richtiges arbeiten ñ lasse es dann aber doch.
ÑHmmmÖalso in diesem Bereich hab ich nichts für sie.ì
ÑIst okÖich mach auch gerne was anderes.ì
ÑJa dann, gucken wir mal.ì Sie nimmt einen Zettel und guck die Angebote durch. Die Liste reicht von Maueraufstemmen bis Kabel ziehen, was sie mir wohl alles nicht zutraut, denn zum Schluss sagt sie: ÑJaÖalles nicht so das richtige für sie, was? Aber hier, Gartenarbeiten?ì
Gartenarbeit ist ok. Ich nicke eifrig, will eigentlich nur noch raus aus diesem Zimmer, dieser Situation.
Einen Anruf später bin ich also Gärtner für eine Woche bei der Firma G&C Lüftungssysteme im aachener Industriegebiet.
Super! Eine Woche an der frischen Luft, Braun werden und auch noch Kohle dafür.
Kann ja nicht so schlimm werden. Oder?









Benjamin v. Stuckrad-Barre. Im Avant-Pop-Reader Mesopotamia zu seinem Schicksal als Studentenjobber. Dachte zuerst an Copy-Paste, liest sich genauso.