Do it like Bukowski. PART 2
Montag. 6:57 Uhr
Es ist ruhig hier. Die Sonne scheint, trotzdem ist mir kalt.
Ich steh seit ein paar Minuten vor der Firma G&C Lüftungssysteme. Hier soll ich also diese Woche den Gärtner mimen.
Kleine verschmutzte Fenster, schmucklose Fassaden, große Tore. Hier ist nichts Ansehbares für ƒstheten. Hier ist alles zweckmäßig, kein Schnörkel, kein Wohlfühlen. Nur arbeiten bitte.
Danke.
Nichts weißt darauf hin, dass diese Halle hier, die Firma G&C ist. Das einzige was mir dann doch versichert hier richtig(falsch) zu sein, ist ein Stück Papier, welches in einer A4-Klarsichthülle steckt die neben der Klingel der einzigen normalen Tür hängt. Dort steht:
ÑLieber Postbote,
Zustellungen bitte im Büro (1. Stock) abgeben.ì
In meinem Kopf formt sich ein Bild, von einer dicken und mies gelaunten Büroangestellten, die sich jeden Morgen von neuem darüber aufregt, das der Ñfaule Sack von einem Postboten, doch bitte mal die zwei Stufen gehen könnte. Immer muss SIE (fühlt sich ja sonst keiner für Zuständig) die Korrespondenz von der Eingangstreppe klauben.ì
Ich steh vor der Einfahrt zum Hof der Firma, es ist noch keiner da. Nach ein paar weiteren Minuten höre ich leises Technobassgestampfe das näher kommt. Es biegt ein tiefergelegter Golf III mit ca. 70 km/h um die Ecke zur Auffahrt. Ich springe zur Seite um nicht als Kühlerfigur auf dieser airgebrushten Haube mit Lufthutze zu enden. Der Wagen saust auf Ñ245íer Tiefbett Pellen, alter!ì und seinen schwarz getönten Fenstern an mir vorbei zum Parkplatz der Mitarbeiter.
Diese Szene wiederholt sich noch dreimal, wobei sich nur die Fabrikate der Protagonisten ändern.
So also sieht es vor Afterhourclubs aus! ñ denke ich, als ein Mercedes 190íer an mir vorbeifährt und parkt. Der Fahrer steigt aus. Dies ist wohl der Werksmeister, bei dem ich mich melden sollte, denn dieser kommt auf mich zu. Ich setzte mein ich-tu-alles-was-sie-mir-sagen-ich-bin-nicht-blöd Lächeln auf. Die Worte: ÑTjaÖdann sind sie also der Student?!ì, lässt kurzzeitig mein Lächeln ersterben, denn dies klingt hier in diesem Industriegebiet eher wie eine Beleidigung, als eine reine Feststellung.
Für einen Augenblick erwarte ich wirklich, dass sich hinter mir übelgelaunte und grobschlächtige Arbeiter in Blaumänner und Graukitteln aufstellen, während sie sich mit ihren schweren Metallwerkzeugen eindeutig in die derben Hände schlagen.
Ich nicke nur, denn ich bin völlig eingeschüchtert. Der Mann geht Richtung Halle und sagt dabei: ÑSie können im Pausenraum warten. Ich komme dann gleich mit dem Werkzeug.ì.
Er öffnet das riesige Rolltor und verschwindet in der Halle. In der Halle riecht es nach Schmieröl und Staub. Es werden Generatoren und andere Maschinen angeschaltet und bald ist es nur noch laut.
Da ich nicht weiß, wo der Pausenraum ist, gehe ich quer durch die ganze Halle. Ich könnte ja auch einen der Arbeiter danach fragen, aber wenn ich an einem vorbei gehe werde ich nicht eines Blickes gewürdigt. Beschäftigt. Alle. Ich noch nicht, aber dies wird sich wohl gleich ändern, denn der Meister kommt mir jetzt mit einer Schubkarre entgegen. ÑSo hier. Kommen íse mal mit.ì Wir gehen wieder nach draußen auf den Hof und zeigt mir meine Aufgaben. Hecke schneiden, Unkraut zwischen den Gehwegsplatten jäten und natürlich Ñalles pickobelli wieder auffegen!ì und ÑWehe die Hecke wird nicht akkurat zu den Gehwegsplatten gerade geschnitten! Ich komm nachher mit der Wasserwaage zum kontrollieren.ì Dies ist kein Scherz, denn er guckt ziemlich ernst dabei.
Als ich fragen möchte, womit ich denn bitte die zwei Meter hohe Hecke schneiden soll, kommt ein Lehrling und drückt mir eine alte, verrostete Heckenschere in die Hand.
Ich werde bleich. Das sieht dann wohl auch der Meister und bietet mir an die Schere vorher noch ein wenig zu ölen.
Ich weiß nicht wie ich diesem Tag überstehen soll, geschweige denn die ganze Woche. Mit dieser Heckenschere werde ich mindestens einen Monat brauchen um die wild wuchernde Hecke zu stutzen. Aber ich will nicht schon aufgeben, bevor ich überhaupt angefangen habe.
Also fange ich an. Es geht. Aber nur für vier Stunden, danach habe ich 5 dicke Blutblasen an den Handinnenflächen. Ich habe mal gerade 3 Meter der Hecke geschafft.
Es geht nicht.
Auf dem Weg zum Meister überlege ich mir wie ich ihm schön melodramatisch diese mistige Heckenschere vor die sicherheitsbeschuhten Füße schmeiße und ihm sagen werde, – Das dies ja wohl eine Komplettverarsche ist und sie sich doch bitte einen anderen Dummen suchen sollen. Dieser hier hat jedenfalls genug.
Aber ich gehe dann doch lieber erst ins Büro der Firma um meine Lohnsteuerkarte gleich wieder abzuholen. Dort höre ich nur wie ich der Büroangestellten erzähle, ich hätte einen Anruf meiner Familie erhalten. Meiner Mutter würde es nicht gut gehen und ich müsse dringend nach Hause und könne leider nicht weiter arbeiten. Die weiß natürlich was los ist und gibt mir naserümpfend meine Unterlagen zurück und weg bin ich.
Ich brauche fast den ganzen Tag um mich einigermaßen von diesem Tag, von dieser Schmach zu erholen. Morgen werd ich noch mal bei der Jobvermittlung anrufen.
Und eins weiß ich, wenn das Wort leichte Gartenarbeit fällt, werde ich sofort auflegen!









Oh man, beileid und viel glück füra nächste Mal ;)