17.1.2006 /
Alles in Allem / Malcolm
Das schlechte Gewissen kam Zeile für Zeile und war irgendwann beinahe so überwältigend, dass ich sie fast angerufen hätte. Nee, geht grad nicht, Akku alle und überhaupt finde ich das Aufladegerät nicht. Die Kleine und ich wollten doch gerade einen gemütlichen Abend machen und wenn ich anrufe dauert das Gespräch wieder länger als eine Stunde. Eine Stunde meines Lebens, das ich damit vebringen könnte mich nicht über sie aufzuregen. Eine Stunde in der ich nicht genervt werde, weil ich ständig „Ja, ich weiß, ich nerve“ hören muss, das aus einem schlechten Gewissen rührt, weil ich doch immer so genervt bin, wenn sie wieder ihre Sicht der Welt – gestützt von Informationen aus der TV – Hören und Sehen und dem Fernseher – zum Besten gibt.
In den letzten Monaten sind ihre Launen unerträglich geworden und wenn ich ihre Nummer wähle, weiß ich, dass ich es spätestens nach einer Minute bereuen werde, weil ich sie entweder anschweigen oder anschreien werde, Vorwürfe abschmetternd, die so absur sind, dass ich ihr am liebsten sagen möchte, dass sie sich erst wieder melden soll, wenn sie eine Therapie angefangen hat. Sage ich natürlich nicht, weil sie es nicht einmal verträgt, wenn ich anderer Meinung bin, bezüglich des Wetters. Selbst dann hagelt es Vorwürfe, ich würde ihr Leben schlecht machen und überhaupt und sowieso könne man sich nicht mit mir unterhalten.
Wegen der anderen Meinung, schätze ich.
Und da ist es wieder, ein „schlechtes Gewissen“-Schub, aber in einer anderen Farbe, weil ich nun beschlossen habe, neben dem „Lange nicht mehr angerufen“-schlechtem Gewissen noch ein „Ich werde da ganz bestimmt nicht noch einmal anrufen!“-schlechtes Gewissen zu plazieren.
Naja, eine SMS wird drin sein. Und vielleicht beantworte ich doch noch die Mail, die mit „Naja, ich will dich ja nicht nerven. Deine Nervensäge“ endete. Sie würde ja nur halb sovielen Menschen auf den Geist fallen, wenn sie nicht ständig…
…egal. SMS ist unterwegs.