Such A Surge und ich

Such A Surge Der Höhepunkt meiner Radiolaufbahn fand mitte der 90er statt, als ich beim Lokalradio in Minden unter einem arbeitslosen Choleriker in unregelmäßigen Abständen Sendungen zusammenschnitt, die sich kein Mensch anhörte und ab und zu meine Stimme hergab, für klitzekleine „Reportagen“, die kein Mensch interessierte. Als ich eines Tages „Die Schröders“ interviewte, dachte ich, dass das nun der Anfang einer Karriere wäre, die mit der von John Peel locker mithalten könnte. Weit gefehlt. Es folgten ein paar wenige Interviews mit semi-erfolgreichen Bands, die kein Mensch (zu Recht) kannte, bis ich eines Tages aufgab und The Dennis dabei zusah, wie er weiter die Karriereleiter aufstieg (Darf ich jetzt vielleicht schreiben wo du arbeitest? Die Meisten wissen es doch eh..!). Ab und zu verschaffte er mir später noch Treffen mit der einen oder anderen englischsprachigen Band (aus übersetzungstechnischen Gründen), wie z.B. Pennywise, die 1999 zusammen u.a. mit großartigen Bands wie Suicidal Tendencies, Less Than Jake und eben auch Such A Surge auftraten.

Das Interview war großartig! Kurz bevor wir in den Bus gelassen wurden, plusterte sich ein Wichtigtuer der Star-Betreuung noch einmal richtig auf und versprach mir und The Dennis uns höchstpersönlich aus dem Bus zu holen, wenn wir länger als eine viertel Stunde bleiben würden. Die Herren von Pennywise erwarteten uns schon sehnsüchtig und promt waren die fünfzehn Minuten vorbei. Als wir gerade aufstehen wollten, fragte Fletcher wo wir denn so schnell hinwollten. Wir erzählten von dem Idioten der Starbetreuung, woraufhin Fletcher einen kleinen Prügel unter dem Tisch hervorholte und „Let him come…“ murmelte.

Aber hier geht es nicht um mich und Pennywise, ich wollte von meiner längst verblühten Jugend und Such A Surge erzählen, anlässlich ihrer Abschiedstournee, die (natürlich) in Braunschweig den Abschluss findet (dazu gleich mehr).
Nachdem wir aus dem Pennywise-Bus stiegen, verdrückten wir zur Verdauung noch ein paar Bierchen, als mir aufeinmal ein mir irgendwie unbekannter Typ auf die Pelle rückte, mit Videokamera vor dem Auge und Bier in der Hand, bereit mit mir anzustoßen. Kurz gebechert, war er auch wieder verschwunden und da stand ich nun, mit meinem miesen Gesichtergedächtnis, als mir meine Leute auf die Sprünge halfen:
„Hier, das war doch… Ey hörma‘ – das war der Typ von Such A Surge!“

Wohnt man in Braunschweig, läuft man zwangsläufig ab und an dem einen oder anderen von Such A Surge über den Weg und die Aufregung, wie es 1999 der Fall war, dass ich mir fast in die Hose gepullert hatte, weil ich mit Olli Schneider geprostet habe, ist einem „Cool, da ist ja noch einer..!“ bis hin zu „÷hmm…“ gewichen.

Das letzte Mal, als ich bewusst eine Such A Surge CD gehört habe, muss inzwischen an die 5 Jahre her sein. Nichts desto trotz werde ich es mir nicht nehmen lassen, ihnen die Ehre zu erweisen, wenn sie am Donnerstag dem 23.02. im Jolly Joker auftreten. Trug ich doch mein heißgeliebtes T-Shirt, das ich an eben jenem Tag kaufte, als Olli Schneider und ich zusammen soffen anstießen, als ich zum ersten Mal mit der Kleinen einen trinken gegangen bin. Das T-Shirt existiert noch heute und hat einen kleinen Ehrenplatz bekommen.

Und allen „÷öööööhhh… Such A Surge sind doch voll scheiße uncool…“-Rufe zum Trotz – Ich freu mich!

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