Jeden Tag fahre ich zwei Mal an dem Blumenaden vorbei und jedes Mal der Gedanke, ob ich nicht eine Blume für die Kleine kaufen sollte („Alle Frauen lieben Blumen!“).
Heute fahre ich an dem Laden vorbei und denke daran eine Blume für eine Fremde zu kaufen.
Ein Mann bindet gerade drei rosa Blumen an dem Zaun. Gute Idee. Meine Idee.
In dem Laden, der nun kein Laden mehr ist, stehen Bauarbeiter, die sich das Elend anschauen. Sie schauen ein wenig angespannt aus, was man ihnen auch nicht verdenken kann, da vor wenigen Stunden eine Frau genau an dieser Stelle ihr Leben verlor, als ein LKW in den Laden krachte. Der Fahrer wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, eine 77-jährige starb, eine Polizistin und eine Passantin erlitten einen Schock.
Irgendwie überflutet mich eine Welle Gänsehaut, als ich ein paar Meter weiter an einem Laden zum Stehen komme, der ebenfalls Blumen verkauft. Blume kaufen, zurückradeln, Blume an Bauzaun vor dem Laden hängen?
Ich weiß nicht.
Ich kannte sie doch garnicht.
Warum kümmert es mich trotzdem?
Ob sich die Verwandten der alten frau freuen, wenn sie die Blumen an dem „Tatort“ sehen?
Warum muss ich erst darüber nachdenken?
…
Als ich aus der Bäckerei komme, stehen da zwei Jugendliche. Sie sind außer Atem.
„Frank, wenn ich es dir doch sage, wir müssen eine Straße weiter!“
„In welchem Laden war es denn nun?“
„Richtung Theater.“
„Ob man noch was sieht?“
„Ihr seit so erbärmlich“, fauche ich sie an und fahre weiter. Ich erliege beinahe der Versuchung mir ihre Gesichter anzuschauen, nachdem ich ihnen das gesagt habe, lasse es aber doch bleiben. Die Blöße gebe ich mir heute nicht mehr…
‹berall auf der Welt verrecken unzählige Menschen unter schlimmen Bedingungen und meistens lässt es mich kalt. Direkt auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle kommt eine einzige alte Frau auf tragische Art ums Leben und ich zittere.