BILD drehen

Ja, es mag albern klingen und psyeudorevolutionär, aber irgendwie werde ich diese Gewohnheit nicht mehr los.
Wo immer ich auch hingehe, starrt mich in riesigen Lettern eine miese Schlagzeile nach der nächsten an und das nicht erst seit dieser Papst-Geschichte. Es ist nicht so, dass es nervt, es fügt mir beinahe körperliche Schmerzen zu, wenn ich von Killermilchschnitten™ lese, die auf riesige Meteoriten auf die Erde zureiten und drohen sie zu zerstören. Im Artikel darunter liest man vermutlich, dass „Grinsi-Klinsi“ Schuld daran ist, oder wer auch immer gegen das Bein der größten Boulevardzeitung Deutschlands gepinkelt hat. Ich weiß es nicht. Ich lese es nicht. Das tun andere Tag für Tag, wofür ich meine Bewunderung nochmals aussprechen muss.

Und wenn ich da im Lidl vor der Kasse stehe und lese, dass ein Pfadfinder seinen Arm beim Tauziehen verloren hat, dann kann ich mich nicht wegdrehen. Ich drehe den Pfadfinder weg. Es passiert automatisch, ich drehe die Zeitung um und schaue mir lieber die Titten des Seite 1 Mädchens an, anstelle des verzapften Mülls, den irgendein grenzdebiles Arschloch verzapft hat. Und ich merke, dass ich nicht allein damit stehe! Gerade letzte Woche drehte ich die Zeitung um und hinter mir fing der Vater zweier entzückenden Mädchen, die am Wagen klammerten, laut vorzulesen was das Seite 1 Mädchen demnächst unanständiges tun wird. Mama war natürlich nicht entzückt, aber seien wir mal ehrlich: Wer die BILD kauft ist doch sowieso nicht grundsätzlich an den Schlagzeilen interessiert. Titten will er sehen! Möpse die ihn von Seite 1 anspringen! Ja, Mordsmelonen müssen es sein, seid doch mal ehrlich, ihr Handwerker und Maurer da draußen!

Vielleicht sollte ich das Drehen lassen. Wer weiß, ob die Auflage dadurch nicht doch wieder steigt…

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