Hurricane 2006 – so war es wirklich (2)
Ein offener Brief an die Hurricaneler
Liebes Hurricane,
bisher habe ich kaum ein Hurricane verpasst. Nur zweimal musste ich mich ausklinken, aus Gründen, die eigentlich nichts zur Sache tun. Ich war immer glücklich mit dir, weil wir beide soviel Spaß miteinander hatten, auch wenn du immer anstrengend warst. Ich habe dich immer als mein Ausgleichssport angesehen, nahm ich mindestens anderthalb Kilo pro Festival ab und das trotz erhöhtem Bierkonsums!

Dieses Jahr hast du mich aber sehr enttäuscht. Ich sehe seit Jahren davon ab, dass du Gäste mit Motto-T-Shirts („Bier formte diesen wunderschönen Körper) und Bierhelmträger einlädst. Alles kein Problem. Dass du dieses Jahr eine Leinwand aufgestellt hast, damit man die WM-‹bertragung sehen kann, konnte ich sogar gut nachvollziehen, auch wenn ich nie auf eine Band verzichtet hätte, um mir ein Spiel anzuschauen. Oder ein übergroßeses Carrera-Rennen (wozu nochmal am Sonntag die Formel-1 ‹betragung?). Als du dann Nada Surf nach knapp 3 Lieder von der Bühne schicktest, obwohl die Zuschauer dich ausbuhten, nur um die zweite Halbzeit zu zeigen, das ist für mich das Letzte! Ich weiß, liebes Hurricane, dass es oft schwierig ist zu glauben, dass es Menschen gibt, die auf ein Musikfestival gehen, um Musik zu hören, aber du musst mir jetzt einfach glauben: Wir wollten lieber Nada Surf sehen, als ein schon entschiedenes Fußballspiel!
Derbe daneben gegriffen hast du aber mal so richtig bei deinen Securities, die sich aufführten, als wären wir eine lästige Plage. Klar, es war warm und so, aber ist das ein Grund, ein Haufen schießwütige Vollidioten auf uns zu lassen? Ein kleines Beispiel: Auf deiner Internetseite hast du uns versprochen, dass wir Nutella-Gläser aufs Campinggelände nehmen dürfen, aber als wir sicherheitshalber wegen der extra-scharfen Tomatensoße fragten, war der grimmige Security überlastet. Schließlich durften wir das Glas später mit reinnehmen. Leider hatten wir nicht viel davon, denn als unserem Nachbarn ein ähnliches Gefäß lautstark entnommen wurde, versteckten wir es im Zelt, aus Angst ebenso angepflaumt zu werden.
Am Tag darauf wurden auf einmal Hammer eingesammelt. Ja, auch unser Gummihammer wurde mitgenommen, da es ja eine eindeutige Gefahrenquelle darstellte. Als wir widersprachen, bekamen wir nur ein „Wenn du willst, kann ich auch dein Bändchen abschneiden“ von der deutlich unqualifizierten 1Ä-Kraft im neonfarbenden Dress zu hören. Weiter ging die Diskussion ungefähr so:
„Und wenn wir es gleich zum Auto bringen?“
„Nein. Wir bringen es jetzt zum Eingang. Dort kannst du es dir später abholen. Sollte es nicht dabei sein, nimmst du dir halt einen anderen.“
Ein Glück, dass Samstag „Hammer-Tag“ war, denn was hätte unser Feuerstuhl-Tobi gemacht, wenn die Wochenendhooligans seinen Metallklappspaten entwendet hätte? Oder den Tisch? Oder die Heringe aus dem Zelten? Gar nicht auszumalen, was sie gemacht hätten, wenn sie uns die Frauen mitgenommen hätten, die wir als Wurfgeschosse verwenden könnten („Wir bringen sie jetzt zum Eingang. Dort kannst du sie dir später abholen. Sollte sie nicht dabei sein, nimmst du dir halt eine andere.“).
Aber auch bissige Hunde können mal einen schlechten Tag haben. Als eines Mittags in unser Zelt eingebrochen wurde und einer von uns den hungrigen Dieb zur Rede stellte, wurde der gute J. in den Würgegriff genommen. Nur mithilfe von J.2 konnte der gute J. befreit werden. Als die Securities mit Verspätung eintraf, was erwartete unseren „Gast“? Drücken wir es mal so aus: Fürs Crowdsurfen wollte man uns die Bänder nehmen. Fürs Widersprechen ebenfalls. Was bekam der volltrunkene Einbrecher? Eine Verwarnung!
Sponsoren sind was Tolles. Die geben Geld, damit wir tolle Bands sehen können. Und da jeder weiß, dass Sponsoren geldgeile Blutsauger sind, muss es sich ja lohnen, wenn sie Sponsoren sind. Da läuft also auf der Hauptbühne, zwischen den Bands, die dort auftreten, Werbung für den einen oder anderen Sponsor. Und damit auch jeder mitkriegt was für ein funkysexycooles Unternehmen die Telekom ist, wird die Werbung dermaßen laut gespielt, dass in der anliegenden Zeltbühne keine Zeit für kleine Pausen zwischen den Songs gelassen wird, damit man nicht dieses „Sail awaaaayyy!“ von Beck’s die Stimmung zerstört.
Und jetzt mal unter uns… Dass ich als BASE-Kunde trotz vollem Ausschlag im Handy niemanden erreichen konnte und damit als Telekomfremder Handynutzer nicht der Einzige war, das lag doch an unauffällig positionierten Störsender oder wasweißich was man als internationales Unternehmen unternimmt, um Festivalbesucher dazu zu drängen in das pinke Zelt zu stürmen, mit 100Ä-Scheinen um sich wedelnd nach dem teuersten Handytarif zu verlangen!
Ja, die Telekomiker waren doch auch für die SMS-Newsletter zuständig, die uns Festivalbesucher auf dem Laufenden halten sollte, oder? Kinder, habt ihr eigentlich auch nur eins dieser Kurznachrichten erhalten? Ich zitiere:
Für alle, die es noch nicht wissen Deutschland hat 2:0 gewonnen. Das Programm auf der Bluestage geht nun normal weiter. Viel Spaß beim Feiern!
Ach nee, falsche SMS (Scheiße, das werde ich euch nie verzeihen!).
Heute nachmittag nicht verpassen: Bandname und Uhrzeit einfügen! Hol dir Größter Hit der Band einfügen als Ringtone – sende Hitname einfügen (poly) oder Hitname2 einfügen (real) an die 2222.
Kein Wort davon, dass Eagles of Death Metal schon um 14.30 spielen. Kein Wort, dass Nada Surf als Halbzeitfüller auftreten. Keine verdammte Sturmwarnung!!!
Sehen wir von all diesen Kleinigkeiten ab, bleibt nur noch eine Frage offen: Wer hatte diese dämliche Idee die Bühnen so hinzustellen, wie sie standen? Warum nennt ihr eine Hauptbühne Hauptbühne, wenn der Sound so schlecht ist, dass rechts und links neben der Bühne sämtliche Höhen und Tiefen fehlen? Man hatte also nur die Wahl: Guter Sound/schlechte Sicht (außer man steht mitten drin und ist 3 Meter groß – mit jedem Meter näher an die Bühne, bitte 20cm abziehen) oder Mieser Sound/Gute Sicht (wenn man über 2 Meter groß ist und sich mit einer Bühnenhälfte zufrieden gibt).
Dies sind nur einzelne Beispiele eines Festivals, wie ich ihn schlechter organisiert selten erlebt habe. Ausgefallene und verschobene Bands kriegt man nur mit, wenn man schon vor Ort ist, unfreundliche Bedienstete (bis auf die Toilettenjungs – ihr wart spitze!), Informationsmangel, mieser Sound… Mal sehen was die Leser noch in den Kommentaren hinterlassen!
Das könnt ihr besser!
NACHTRAG
Wie es aussieht, stehe ich nicht allein mit der Meinung, dass das diesjährige Hurricane eins der chaotischten und willkürlichsten der letzten Jahre war. Nächstes Mal bitte mehr auf die Fans eingehen und nicht auf die Sponsoren.








Hm.
Auf welchem Zeltplatz wart ihr denn?
Wir waren auf C6 im Rasen, fernab des Staubes und haben von übermütigen Securities nichts mitbekommen.
Im Gegenteil, selbst die Securities auf dem Festivalgelände waren äußerst nett und organisierten uns einen Behälter Wasser aus dem Backstagebereich.
Von wütenden Securities hab ich schon mehrfach gelesen heut, bemerkt aber nichts.
Die Fussballübertragung war so wie es mitbekommen habe, aus Sichereitsgründen notwendig da die Menge vor der Großleinwand schon einige Gegenüberliegende Zelte zertrampelt hatte und die Menge dann zur Blue STage umgeleitet worden. Ein weig unflexibel und schade ist es schon, denn Nada Surf wäre schön gewesen.
Sms habe ich keine bekommen, allerdings hatte ich auch selten Netz, was o2 dann allerdings irgendwann gerade gebogen hat.
Fürs Stagediving gab es, so wie ich mitbekommen habe, auch keine gelbe Karten, allerdings haben die Ordner bei ‚The Hives‘ einen arg randalierenden und betrunken Pöbel unsanft von vorne bis hinten durch die Masse geschleift.
Schade war der teilweise schlechte Sound, aber alles in allem eigentlich recht angenehm das diesjährige Hurricane.
Und vor dem Unwetter habe ich mich glücklicherweise rechtzeitig mit dem zug verdrückt, pbwohl ichs chon ne träne wegen gnarls barkley und muse in den augen hatte. nun nicht mehr ;)
aber laut polizei ist eine unwetterwarnung für rotenburg auch erst um 22.10 rausgegeben worden und am tag, gibg es auch rum, dass es den abend wohl verregnen würde.
nun ja, mal warten ob der rest heil zurückgekommen ist.