Der Sauger saugt gut, vor allem Ihr Geld weg!

Es war einmal ein gutaussehender, braungebräunter Staubsaugerhandelsvertreter, der es sich zur Aufgabe gemacht hat ahnungslosen, gutgläubigen, potenziellen Kunden das Geld aus der Tasche zu saugen. Im Hause Lux überreichte man ihm das handgemachte Weidenkörbchen mit den vielen attraktiven „brauch-ich-nicht-unbedingt-kostet-aber-trotzdem-schweine-viel-geld“-Angeboten, nähte ihn in einen scheinbar gut sitzenden Nadelstreifenanzug hinein und schickte ihn in die weite Welt hinaus.


In seinem Weidenkörbchen befand sich eine Liste mit bereits besuchten Kunden und wer schon mal 1100 Euro für einen Staubsauger ausgegeben hat, der macht bestimmt noch mehr locker. So spazierte der kleine Walter mit seinem großen Weidenkörbchen und den vielen attraktiven „brauch-ich-nicht-unbedingt-kostet-aber-trotzdem-schweine-viel-geld“-Angeboten durch den dicht bewachsenen Wald der ahnungslosen, gutgläubigen, potenziellen Kunden, bis er unterwegs auf eine dunkle, unheimliche Gestalt stieß:
„Wo willst du denn hin, mein kleiner, gutaussehender, braungebräunter Staubsaugerhandelsvertreter?“ fragte ein hinterlistig dreinschauender Luchs, dessen Schnurrhaare wie Antennen aus dem Katzentier herauswuchsen. Die Pinselohren spitz aufgestellt, nahmen jede noch so leiseste Regung seines Gegenübers wahr.

„Ich will zur Großmutter, um ihren Staubsauger zu warten (das sagen wir immer so) und ihr die neuen, attraktiven „brauch-ich-nicht-unbedingt-kostet-aber-trotzdem-schweine-viel-geld“-Angebote näherbringen.“
„Na dann viel Erfolg, mein Lieber, aber komm mir ja nicht vom rechten Weg ab.“
Walter ging weiter seines Weges bis er zum Haus der Bunges kam. Von drinnen erhörte er bereits das aufgeregte Bellen eines jungen Hundes, das ihm riet von nun an keine schnellen Bewegungen zu machen. Er setze sich das freundliche Staubsaugerhandelsvertreterlächeln auf und betrat unter ebenso freundlichem Einlass die Höhle des Löwen, ungeachtet dessen, dass die ahnungslosen, gutgläubigen, potenziellen Kunden dieses Mal dazugelernt haben.
Wie im Workshop für Staubsaugerhandelsvertreter gelernt, führte Walter sein Staubsaugerwartungsprogramm durch und gab immer wieder ein achtvolles Stöhnen von sich. „Die Filter müssen mal gewechselt werden, die sehen gar nicht gut aus.“ So ein Supersauger hat natürlich gleich 2 Filter, damit sich das Warten auch wirklich lohnt!

Walter wollte daraufhin plangemäß die Ersatzteile des Geräts überprüfen und stellte währenddessen überrascht fest, dass Familie Bunge noch keinen neuen Supersaugerarm besaß, ein völlig neuartiger Aufsatz, der noch viel mehr Staub aus dem Teppich herauszieht, so emsig wie eine Mücke das Blut aus seinen Opfern saugt. Die Situation glich mehr und mehr einer Verkaufsveranstaltung und die Familie ahnte hier bereits, dass der kleine Walter mehr als nur die Wartung des Saugers im Schilde führte. Der Staubsaugervertreter ließ sich von seinem Vorhaben dennoch nicht abbringen und setze sein Programm fort: „Also ohne diesen neuen Aufsatz geht gar nichts! Vor allem, wo sie doch einen Hund haben, der immer und überall Haare verliert.“
Walter ersetzte den alten Saugeraufsatz durch den neuen Supersaugeraufsatz, nahm vorsichtig einen hauseigenen Staubsaugerbeutel aus seinem Weidenkörbchen und setze diesen ebenso vorsichtig in die Maschine, als hätte er soeben eine Bombe installiert.

Noch bevor der Sohn der Familie Bunge das Sprengstoffsondereinsatzkommando rufen konnte, war Walter bereits fleißig am saugen, als hätte er sein Lebenlang nichts anderes gemacht. Drei Mal kreuz und drei Mal quer, um die Kunden daraufhin von der enormen Saugkraft zu überzeugen. Der Nadelstreifenanzug sah sich bereits als Verkäufer des Monats, als er den Staubsaugerbeutel flux entnahm und auf dem soeben gereinigten Teppich entleerte. Nach kräftigem Ausklopfen des Beutels kamen ca. 300 g feinster Hausstaub zum vorschein, wie man ihn sonst nur in uralten leerstehenden Häusern entdeckt. Die wenigen Hundehaare dazwischen sollten Familie Bunge davon überzeugen, dass dieser Staub direkt aus dem Teppich extraihiert wurde und dazu sicher noch einige gefährliche Keime und Krankheiten. Dumm nur, dass die Frau des Hauses schon beim Einsetzen des Beutels 299 g feinsten Hausstaub im Staubsaugerbeutel erspähen konnte…

Um die Geschichte hier etwas abzukürzen, Walter gelang es nicht den neuen Supersaugerarm für nur attraktive 20 Euro monatlich, in nur 48 Monatsraten an den Mann zu bringen. Ihm gelang es ebenso wenig die Familie vom Kauf neuer Staubsaugerfilter zu überzeugen, die „nur“ 70 Euro kosten sollten. Der kleine Walter und sein Weidenkörbchen gingen leer aus und so verließ er das Haus unter Ausstoß unhöflicher Bemerkungen, die man niemanden an dem Kopf werfen sollte.
Auf seinem Heimweg wurde der unhöfliche Staubsaugerhandelsvertreter von einem hinterlistig dreinschauenden Luchs gefressen. Wäre er mal nicht vom rechten Weg abgekommen.

Und wenn der teure Staubsauger irgendwann mal seinen Geist aufgibt, kauft sich die Familie einen günstigen und nicht unbedingt schlechteren Ersatz. Hätte ich sie damals einfach nicht alleine gelassen…

Ähnliche Beiträge: