Im Märchenwald (Staffel 1, Folge 1)

Im Märchenwald

Meine Antwort muss nicht lange warten, liebe Ninifaye. Deine Geschichte hat weder Hand, noch Fuß, noch sonst irgendwelche Gliedmaßen, auf die man sich beziehen könnte. Aber ich helfe dir gerne weiter, wenn du wissen möchtest, was es in Wirklichkeit mit diesen beiden Herrschaften auf sich hat..!

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Kurz vor Ende des Krieges wurde sie auf ihren geheimsten, gefährlichsten Auftrag geschickt: Den bösen Adolf Hitler endgültig unter die Erde schicken. Victoria Worthington (ich nehme aufgrund deiner Beschreibungen an, dass sie so hieß) schlüpfte in ihr heißestes Dress und zog noch einen Instant-Fallschirm hinter sich her (die guten, die man in Wasser auflösen kann, um einen voll funktionsfähigen Fallschirm zu erhalten), als sie in das Flugzeug stieg, das sie über Berlin abwerfen sollte. ein letztes Mal zog sie Eyeliner und Lippenstift nach, als sie dann dem Piloten das internationale Zeichen für „GO“ gab: Daumen nach oben und breites Grinsen.

Zwei stunden später. Victoria warf den Instant-Schirm in ein Glas Wasser, nahm Anlauf und sprang aus dem Flugzeug. Mit 80m/Sekunde raste sie auf die Erde zu, als sie urplötzlich von einem Messerschmidt überholt wurde, der ihr den Weg nach unten abzuschneiden drohte. In letzter Sekunde wich der Nazipilot aus und Victoria entkam einem grausamen Tod in den wirbelnden Fängen des Propellors. Die Erleichterung ließ auf sich warten, als sie merkte wie ihr Instantschirm aus dem Glas Wasser flutschte, noch bevor es die vorgesehenen Sicherheitschecks durchlaufen war (Erdbeergeschmack, rötliche Färbung) und sich hinter ihr verabschiedete. Dem Tod geweiht blieben ihr nur noch Sekunden bis ihr Körper wie Wackelpudding im Mixer gleichen würde.
Das Geräusch des Messerschmidts weckte sie aus ihren ‹berlegungen. Sie drehte sich so weit sie konnte und bemerkte wie das Flugzeug schon auf fünf Meter angenähert hatte, Abstand langsam reduzierend. Gerade als der Pilot auf gleicher Höhe war, öffnete sich das Fenster und ein kantiges Nazi-Kinn streckte sich aus der Kabine. Im schlechten Englisch fragte Fritz Eisenstein, ob er der Dame behilflich sein konnte, immerhin sähe es nach Regen aus und eine Dame sollte bei so einem windigen Wetter nicht draußen herumfliegen. Victoria versuchte ihre Erleichterung zu verbergen, indem sie mit den Armen flatterte und dem Piloten
versicherte, dass alles soweit seine Richtigkeit hätte. Wenn er aber darauf bestehen würde, würde sie ihn ein stückweit begleiten. Und so stieg Victoria in den Messerschmidt, gerade rechtzeitig, um nicht als Kirschgrütze auf dem Reichstag zu enden.

Im Flugzeug herrschte Stille, als Victoria auf dem hinteren Sitz Platz nahm. Fritz setzte einen Kaffee auf, holte ein Streuselkuchen aus dem Ofen und reichte Victoria Zucker und Milch. In genau diesem Moment verliebte sich Victoria in Fritz und Fritz in Victoria. Sie flogen noch so lange über Nazideutschland, bis der Krieg vorüber war, um dann in der Nähe von Gießen ein kleines Häuschen zu kaufen und ein Buchladen zu eröffnen. Leider erkrankte Fritz an partieller Amnesie, eine Krankheit, die er sich in einem Tropenurlaub zuzog, als er von der graubeinigen geringelten Vogelnatter gebissen wurde. Seitdem hat er den Zahlencode für das Sicherheitssystem vergessen und kommt nicht mehr in den Bücherladen. Da beide aber von dem Geld abhängig sind, hat Fritz einfach genau neben dem Bücherladen einen Kiosk eröffnet, in dem er Magazine und Krams verkauft. Jahre gingen ins Land, bis sie von einem Wunderheiler, der Mithilfe von Hypnose sich auf partielle Amnesie spezialisiert hatte und dank gewisser Schlüsselreize die Erinnerungen der Probanten wieder in das Gedächtnis zurückholen kann.

Die Technik ist simpel, wie auch in 98% der Verfahren wirksam: Ein Schlüsselsatz muss einmal am Tag gesagt werden, um die Erinnerungen wachzukitzeln. In diesem Fall wohl: Did you bring something to read, my dear?“ Leider gehört Fritz zu den restlichen 2% und antwortet mit „I forgot my book.“, was soviel bedeutet wie: „Ich habe den Code vergessen/ich erinnere mich noch immer nicht“ um Fritz nicht unnötig zu stressen, beruhigt sie ihn mit „Should I bring some of these magazines?“, um ihm liebevoll mitzuteilen, dass ein Kiosk ja auch was schönes ist…

ja, ich denke ungefähr so war das.

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So und nun liebe Leser: Welche Geschichte könnte wahr gewesen sein und welche Geschichte ist nicht einmal ein Märchen wert! Stimmt hier oder in Ninifayes Kommentaren ab. Unter allen Teilnehmern wird ein Date mit Ninifaye verlost.

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