5:13

Der Fahrstuhl wird immer langsamer. Ich stelle den geklauten Arztkoffer ab und habe ein wenig Angst, dass der Fahrstuhl hält, eine Pause einlegt und abstürzt. Mein Plan einfach bei der nächsten Etage während der Fahrt auszusteigen muss nicht ausgeführt werden, da die Türen sich nun endlich öffnen (an der Zieletage). Ich kenne den Weg, biege rechts ab und gehe eine Treppe hoch, eine halbe Etage höher, um zum Ende des Gangs zu gehen. Zur Rechten und zur Linken spiegel ich mich in den Fenstern zu den Räumen, die sich auf dieser Etage verbinden. Mein Bart ist lang, Falten legen sich über die Stirn und mein kugelrunder Bauch ist in leicht abgeranzten Tweed eingewickelt. Ich bin kein Arzt, werde aber gleich meine alte Hand an jemanden anlegen, der es verdient hat. Den Koffer habe ich einem echten Arzt geklaut, unten im Empfang. Die letzte Tür auf der rechten Seite öffnet sich von allein und ich betrete das Zimmer.

Es ist ein halbes Zimmer, da eine Wand fehlt. Sie muss fehlen, denn ich sitze im Zuschauerraum und kann dem falschen Doktor zusehen, wie er langsam auf das Bett zu geht. Er weiß, dass er gleich sterben muss, unternimmt aber nichts, um sein Leben zu retten. Auch nicht um seinen Auftrag schneller durchzuführen. Er beugt sich über das Bett, als er durch die Tür kommt.

Mein Gesicht ist scharfkantig, das sehe ich vom Zuschauerraum aus. Mein Bart ist dunkel, wie meine Haare, die sich unter einer Melone (Hut, nicht Frucht) verstecken. Ich bewege mich wie sie sich in den Stummfilmen bewegt haben; ruckartig, schnell, zweidimensional. Als ich hinter den falschen Doktor trete, ziehe ich einen großkalibrigen Revolver, halte sie an seinen Kopf und drücke ab.

Als der Doktor zu Boden fällt, bin ich nicht mehr der Doktor und auch nicht der Mann mit der Waffe, sondern nur noch der Zuschauer in der Loge. Der Mann mit der Waffe bewegt seinen Kopf ruckartig zu mir, reißt die Augen auf und sagt, dass es Zeit war. Ich sehe nicht wie er sich umdreht. Er ist immerhin zweidimensional und bewegt sich zurück zur Tür, wie ein gebückter Hampelmann. Erst jetzt bemerke ich, dass alles langsam in Schwarz-Weiß fadet.

Ich reiße die Augen auf. 5:13 und ich muss auf Toilette. Ich hasse diese Zeit. Aufstehen, zur Toilette gehen, mit geschlossenen Augen das Geschäft erledigen, zurück ins Bett und wieder versuchen einzuschlafen. Vergebens natürlich. Als um 7:27 der Wecker klingelt (ich ertrage den Gedanken nicht den Wecker auf eine gerade Zahl zu stellen), habe ich meinen Daumen schon auf dem AUS-Knopf und gehe ängstlich zur Dusche.

Irgendwelche Traumdeuter unter euch?

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