Eine Zumutung

„Das Helle da, mit den Körnern… Ja, nee, links… rechts… nein, das andere Rechts! Tiefer, wieder links. Achso, ist Weißbrot? Macht nichts, nehme ich auch.“
Die Bäckerin lässt das Brot beinahe fallen, als der Laden von einem kleinen Beben erschüttert wird.
„Gehört Ihnen das Fahrrad? Da sind Sie aber rasant abgestiegen, nech?“
Ich blicke mich um und starre in den Bauchnabel von Moby Dick auf zwei Beinen.
„Jupp, Rein in den Bäcker, Brot kaufen, raus aus dem Bäcker, aufs Fahrrad aufsteigen und ab nachhause. Alles in unter zehn Sekunden!“
„Na, da kann aber doch keiner vorbei!“
Ich trete zwei Schritte zur Seite, um nach draußen zu sehen und schaue sie fragend an.
„Na kommense mal, da sind doch gut zwei Meter Platz zwischen Fahrrad und Eingang! Hier, schauen Sie mal!“
Während die Bäckerin mein Weißbrot schneidet laufe ich raus und tänzel zwischen Fahrrad und Eingang. Meine Laune ist seit Tagen auf dem Höchstpunkt und das lasse ich mir von Godzilla in Birkenstock nicht versauen! Als ich sehe, dass sie gar nicht schaut, gehe ich wieder in die Bäckerei und hake die Sache ab.
„Das ist kein Platz, das ist eine Zumutung!“
„Eine Zumutung? Nein, Die Situation in Georgien ist eine Zumutung. Ananas auf Pizza ist eine Zumutung, das da ist so viel Platz, dass auch große Menschen hier rein kommen können! Ja, auch Sie!“
Sie hebt ihre fleischigen Augenbrauen und bestellt ein Blech Pflaumenstreusel.

Als ich zahle, drehe ich mich um und will gerade gehen, als ich noch ihre in den Frauenbart murmelnde Bassstimme vernehmen kann: „Eine Zumutung ist das! Eine Zumutung!“

Da hat sie’s mir aber gegeben! Du meine Fresse!

Ähnliche Beiträge: