Ich muss ungefähr fünf oder sechs gewesen sein, als ich an Claire und Victoria vorbei ging, um mal zu „struseln“ (wie die Kleine immer zu sagen pflegt). Es gibt ja nicht viele Erlebnisse an die ich mich erinnern kann, die mich ein Leben lang so geprägt haben, aber in diesem Moment…
Ich habe viele Gewohnheiten aus der Kindheit in das Erwachsenenalter mit hinüber genommen, aber ich kann mich nur an den Anfang dieser Einen erinnern und das war eben als ich an Victoria und Claire vorbeiging. Victoria war eine Zicke. Ein richtig kleines, upgefucktes Biest, das jedem Kind spüren ließ, dass ihr Vater in der Army ranghöher war, als der Durchschnitt. Und Claire war das kleine Hündchen, das ständig versuchte Aufmerksamkeit zu erhaschen und Victoria zu beeindrucken (erstaunlich, dass ich mich daran erinnern kann, habe ich doch Schwierigkeiten mich an das letzte Wochenende zu erinnern!). An diesem Tag, in diesem Moment versuchte sich Victoria damit zu beeindrucken, dass sie ihre Finger knacken lassen konnte.
Also wenn Victoria es nicht war – ich war beeindruckt! Den ganzen Tag zog und zog ich an meine Finger, aber es tat sich nichts. Ich war kurz davor es aufzugeben, als ich das Geräusch hörte, das mein Umfeld in den kommenden Jahren in den Wahnsinn treiben würde: KLCK
Mein Mittelfinger knackte, als hätte ich ihn aus der Fassung gerissen.
In den folgenden Jahren perfektionierte ich das Knacken der Finger. Inzwischen knacken sie schon, wenn ich sie ein wenig strecke. Ungeachtet der Gicht-Unkenrufe, die durch das Knacken der Knöchel entstehen soll, ging diese Angewohntheit in Knochen und Knorpel über. Inzwischen knacken nicht nur die Finger. Meine Zehen knacken bei jedem Schritt, sobald es kühler wird. Mein rechter Ellenbogen knackt, sobald ich ihn ein paar Minuten angewinkelt habe. Meine Knie knacken ständig und wenn ich morgens aufwache und mich strecke, knackt es an der Wirbelsäule von ganz unten bis zum Genick hoch.
Eine lästige Angewohnheit, inzwischen. Und da ich es schlechter aufgeben kann, als RTL ihre Casting-Shows, habe ich beinahe Verständnis für meine mir gegenüber sitzende Designerin. Auch sie lässt alles knacken, nur viel extremer und öfter. Alle zwei bis drei Minuten höre ich ihre Finger. Kurz danach legt sie ihren Kopf so ruckartig zur rechten und dann zur linken Seite, dass ihr Nacken gefährlich knackt. Danach knackt irgendetwas anderes, das ich nicht hinter dem Monitor sehen kann… sehen will. Es ist schrecklich. Nicht einmal das Geräusch, sondern vielmehr diese Zuckungen, die sie dabei vollführt.
Anfangs dachte ich ja noch, dass sie einfach einen Tick hat, mit diesen Zuckungen des Kopfes. Später hörte ich das Knacken, als ich mal meine Kopfhörer absetzte. Fassungslos saß ich da und versuchte sie aus dem Augenwinkel zu beobachten und tatsächlich: Alle 3-5 Minuten zuckte sie rechts, links, rechts und ließ es knacken. Und dann die anderen Geräusche, die sie zwischendurch machte: Pfeifen, mit der Zunge schnalzen, summen, Luft durch die zusammengepressten Lippen pressen.
Ein Potpourri an akustischen Seltsamkeiten offenbarte sich mir.
Seitdem habe ich das Gefühl, dass meine Kopfhörer nicht mehr die nötige Schallisolierung geben. Das Knacken bricht durch die härtesten Gitarren!
Da ich selber die eine oder andere seltsame Angewohnheit habe (dazu ein anderes Mal), traue ich mich nicht jemand anderes auf seine Nervigkeit anzusprechen. Ich ertrage es stillschweigend (zumindest so weit wie ein Blogger das Wort „stillschweigend“ auslegt) und hoffe auf bessere Zeiten. Zum Beispiel wenn ihr der Kopf bei einer der Genick-Knack-Aktionen abfällt. Es ist ja nicht so, dass ich es ihr wünsche. Also nicht so wirklich wirklich. Sie ist bestimmt nett und so, aber bei dem Barte meiner Vorfahren: ES MACHT MICH FERTIG!
Da.
Schon wieder.
Finger, Knie, Genick, Genick, Genick, Finger, Finger, Genick.
Ich antworte damit, dass ich meinen Arm eine halbe Stunde so angewinkelt habe, wie es noch gerade möglich war die Mouse zu bedienen und… KNICK-KNACK-KRRK-KLCK-SNNKT: Ellenbogen, Finger, Schulterblätter zusammenpressen und auseinander, Kopf drehen, Augen irre aufreißen und zum Abschluss die Beine ausgestreckt, um den Knien mal etwas Gutes zu tun. KRRRKK!!!
…
Juckt sie kein Stück.
Scheiße.