2006
Ich halte es nicht so mit Jahresrückblicken. Nicht weil ich ein Indiezukunftschauer und kein Vergangenheitsbewältiger bin, sondern schlicht und einfach, weil ich mich nicht an soviele Dinge erinnern kann. Oder ich packe Dinge aus 2005 – 1994 in das jetztige Jahr, ohne es zu merken. Mein Gedächtnis ist dermaßen schlecht, dass ich die Kleine oft nach dem Weg fragen muss, wenn ich nach dem Aufstehen die Morgenlatte vom Schlafzimmer ins Bad trage. Das war schon immer so, deswegen mache ich mir keine Sorgen, dass ich so langsam debil werde. Meine Mutter wundert sich inzwischen auch nicht mehr, dass ich sie nach ihrem Namen frage, wenn ich zu Besuch bin und sie mir ein Teller mit Essen in die Hand drückt.
Aber wozu hat man ein Blog?
St. Burnster sieht es wohl ähnlich und hat wunderbar sein Jahr Revue passieren lassen und es beängstigt mich/macht mich beinahe stolz, dass ich mich öfter an viele seiner Erlebnisse erinnern kann, als an Ereignisse in meinem Jahr! Vielleicht sollte ich mein eigenes Blog zwischen den Feiertagen lesen, um zu wissen wann wie wo was passiert ist. Wobei ich zu meinem Bedauern feststellen muss, dass das Geschreibsel in letzter Zeit vielen Videos und Kurzeinträgen gewichen ist. Gelobe Besserung.
Ich bin mir sicher, dass es dieses Jahr einige gute, viele peinliche und unzählige schlechte Dinge passiert sind. Ich habe versucht mein Leben aufzuräumen, das Chaos zur Seite zu schaffen (wenn auch nicht mit dem gewünschten Erfolg). Ich habe dumme Dinge getan. Ich habe viel Spaß mit Freunden gehabt, oh ja! Ich habe viele Filme gesehen. Ich habe sicherlich auch viele Dinge schleifen lassen. Ich habe den Chromosomenkampf gewonnen. Ich habe den Chromosomenkampf verloren. Ich glaube dieses Jahr habe ich eine Brille und leichte Schwerhörigkeit auf hohe Frequenzen diagnostiziert bekommen. Ich habe nicht soviel Sonne gesehen wie letztes Jahr, dafür aber auch weniger Regen. Ich habe mich dieses Jahr kaum verletzt und wenn ich so recht überlege, war ich dieses Jahr nicht einen Tag krankgeschrieben! Das riecht nach Bonus beim Chef!
Von wegen…
Ich habe mit dem Rauchen aufgehört. Ich spare fleißig für irgendwas Großes, was ich noch nicht sehen kann. Ich kann mich an die Telefonnummer erinnern, die wir damals in der Saalestraße hatten: 23183. Wahnsinn.
Aber ansonsten ist dieses Jahr ein weiteres verschwommenes, schwarzes Loch wie die anderen Jahre zuvor, aus denen ab und zu tolle und schlimme Dinge herausstechen, wie Gummibärchen und Stacheldraht aus einem Essig-Sahnekuchen. Alles in Allem the same procedure as every year.
Scheiße…
Andere Menschen haben auch so ein Siebgedächtnis und weil sie gerne mit Leidensgenossen teilen, die sich auch nicht so gut an das Jahr 2006 erinnern können, haben sie Fotos gemacht. Aber erinnert euch selbst.
Ich möchte mich bei einigen Leuten bedanken, die dieses Jahr die volle Packung Auskotzerei meinerseits erhalten haben und trotzdem nicht davon gelaufen sind. Bei Freunden die ich seit Jahren kenne. Unbekannten die sich in mein Leben eingeschlichen haben und nun nicht mehr wegzudenken sind. Typen mit denen ich bis lange nach Sonnenaufgang gefeiert habe. Weltverschwörungstheoretikerpunks die mit mir jederzeit eine Bombe hochgehen lassen würden. Menschen mit denen ich nie einer Meinung war und sein werde, aber mit denen ich den Spaß am Diskutieren wieder entdeckt habe. Sogar meiner Familie, die zwar sagenwirmal „speziell“ ist, aber mich immer aufnehmen würden. Bei denjenigen die esib lesen und dazu beitragen, dass ich mir Gedanken mache. Bei rund einem dreckigen Dutzend Bloggern, die mich inspiriert haben (ich nenne lieber keine Namen). Bei Hosteurope, meinem Anbieter, dass sie endlich das Problem des ständigen Absturzes gelöst haben.
Und vor allen möchte ich mich bei meiner Kleinen bedanken, die viel mit mir auszuhalten hatte und hoffentlich noch lange die Kraft hat mit mir den Chromosomenkampf auszufechten!
I love thee.
So, genügend Rührseligkeit.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass das nächste Jahr ein paar besondere Abenteuer für mich bereit hält..!


Kennt ihr Ichmenschen? Das sind vorzugsweise die Personen, die man nicht wirklich kennt, aber auch nie kennenlernen möchte. Bereits in der Grundschule erlernte ich den Unterschied zwischen „Ichmenschen“ und „Wirmenschen“. Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau, aber der Lehrerin war es sehr wichtig, dass wir dazwischen unterscheiden konnten.

