Ich möchte nur ein gottverdammtes 4GB USB-Stick für 22Ä abgreifen, der im neueröffneten Saturn angeboten wird. Die Menge, die sich um das Glücksrad vor dem Reisebüro zwängt hält mich davon ab und dabei war ich mir so sicher, dass ich um diese Uhrzeit der einzige sein würde, der sich in der frisch geöffneten Penisverlängerung unseres Oberbürgermeisters aufhalten würde. Weit gefehlt.
Man kann über die Jugend von heute sagen was man will: Sie wäre faul, perspektivlos, unhöflich und würden den Arsch vor zwölf Uhr mittags nicht hochkriegen, selbst wenn ihr Leben davon abhängen würde. Das hier ist eine Ausnahmesituation, denn trotz der sich anbietenden Osterferien-Ausschlafsituation, treibt sich um 7:30 die halbe Braunschweiger Weststadt in der heiligen Konsumhalle am Bohlweg. Aus jeder Ecke quäken die neuesten Bushido-Hits aus den Handys der Kleinen. Sie antworten mit „Alda, was is‘? Wo bisch‘du, ey?“ und legen ihren weißen Truckercap-Imitationsnachbauten auf der UNISEX-Frisur zurecht. Die Mädchen, in viel zu engen Jeans, fechten mit ihren Douglas-Ballons (am Stiel! Kann man sich nicht einmal zur Feier des Tages Helium leisten?) und dackeln den Jungs hinterher, die zielstrebig richtung Saturn, Konsolenabteilung wetzen.
Die Kleine begeistert sich gerade für ein Paar rote Schuhe in einem Laden, als es von der anderen Seite der Meile schrecklich zu Quiken anfängt. Aus Mangel einer Gewinnmeldeanlage, die mit viel Geheul und flackernden Lichtern den Hauptpreis (ein Kochbuch im Wert von vermutlich mehreren Euro), schreit eine übergewichtige Verkäuferin in einer Art „Schürze“ die verängstigte Gewinnerin an. Dabei zeigt sie mit ihrem Finger auf die arme Frau und brüllt „UIIIII-UIIIII-UIIIII-UIIIII-UIIIII!!! SHACKA-SHACKA-SHACKA!!!“ Mit Tränen in den Augen nimmt die Gewinnerin ihren Preis entgegen und die Schlange rückt um eine Person vor. Ganz hinten stellt sich ein älterer Herr an, der vermutlich nicht einmal weiß, an was für eine Schlange er ansteht, aber seinem abwesenden Gesichtsausdruck zu urteilen, ist ihm alles Recht, solange die Alliierten nicht wieder anfangen ihn unter Beschuss zu nehmen.
„ALDA! Guck diesch die Leudde an, ey!“ reißt es mich aus meinem wachkomatösen Zustand und ich beobachte ein paar kleinwüchsige Nachwuchs-Sidos dabei, wie sie wild um sich zeigen und über die Menge lachen, die um 7:45 in einer riesigen Einkaufshölle stehen. Ich möchte sie darauf hinweisen, dass sie auch zu diesen Leudden gehören, als mir bewusst wird, dass ich mich nicht davon freisprechen kann, meinen Wecker 15 Minuten früher gestellt zu haben, um noch eins dieser saugünstigen USB-Sticks bei Saturn zu ergattern.
Den Kopf schamvoll gesenkt trete ich den Rückzug an und verirre mich promt in dem Elektromarkt. Zum Glück läuft mir eine überambitionierte Einzelhandelsfachverkäuferin über den Weg, die mir euphorisch den Weg in das nächste Regal weist. Sie weicht mir nicht von der Seite und als ich endlich an der Kasse angekommen bin, kann ich sie nur mit einem Handkantenschlag ins Genick davon überzeugen, dass sie mir den Stick nicht bis ins Büro tragen muss. Wo buddelt Saturn diese Shopping-Zombies aus?
Fazit: Großkopfträger Hoffmann hat mit seinem neuen Spielplatz der Stadt Braunschweig insofern einen Gefallen getan, als dass man mittels Copy&Paste sämtliche Läden aus der Innenstadt in das neue Center an der 1Ä-Shop-Meile versetzt und damit eine Art überdachte Innenstadt erschaffen hat. Gute Arbeit. Braucht nur kein Mensch. Aber als Smallland für Rentner und halbwüchsige Nachwuchsgettorapper ist das Dingen top!
Fotos folgen, sobald ich die Kamera in dem Wust meines Schreibtisches wiederfinde!