Drucker aus der Hˆlle

Von allen Dingen, die mich zur Weißglut bringen, gehören Computer und ihre Peripheriegeräte zu den wohl leistungsstärksten Reizbarkeiten die ich kenne. Was sie so ausgesprochen bösartig machen, ist ihre Unlogik, mit der sie absichtlich versuchen mich an den Rand des Wahnsinns zu bringen. Und hier zeigt sich gleich die Mutter aller bösartigen Peripheriegeräte von ihrer schlimmsten Seite: Der Drucker.

Nicht ohne Grund arbeite ich im digitalen Bereich, sind Drucker doch die launischten Missgeburten der Neuzeit, die fernab von jeglicher Logik funktionieren und mich schickanieren, wo sie nur können. Jahaaaa, auch schlimmer als der Internet Explorer!
Deswegen bewundere ich Menschen, die im Print arbeiten können, um ihre verquerte Logik, die sie sich angeeignet haben müssen, denn anders kann ich mir den reibungslosen Ablauf mit dieser plastikgewordener Boshaftigkeit nicht erklären.

Ein Beispiel?
„Malcolm, kannst du Einladungen für Mutters Geburtstag machen?“ – „Eine Website?“ – „Nein, Einladungen, die verschickt werden.“ – „E-Mails?“ – „Nein, richtig mit der Post!“
Verdammt.

Ich bin es gewohnt, dass die Erstellung eines Printprodukts seinen eigenen, fragwürdigen Regeln unterliegt. Es fängt damit an, dass das Produkt am Bildschirm nicht so aussieht, wie das, was ich später in den Händen halten werde. Farbe, Form, Haptik. Alles anders. Ihgitt.

Ich überspringe das Problem der Rechtschreibfehler auf Seite 2, die erst richtig Spaß machen, ab einer Auflage von 500 Teilen und komme zurück zu den Einladungen, die ich dann doch versprach zu machen. Die Gestaltung verlief reibungsloser als sonst, was mich hätte stutzig machen müssen, aber ich habe auch nicht mit dem Drucker gerechnet, der im vorherigen Leben sicherlich ein Macintosh gewesen ist und damit prädisziniert seinen eigenen Willen zu haben. Die Einladung muss beidseitig gedruckt werden, was heißt, dass ich erst einmal rausfinden muss, wie ich das Papier wieder in den Drucker lege, damit die Rückseite richtig gedruckt wird. Es klappt auf Anhieb und die erste Einladung kann ich knicken. Im wahrsten Sinne: Nachdem ich an einer falschen Stelle gefalzt habe, muss ich zusehen, dass die anderen gut werden. Die erste Seite wird anstandlos gedruckt, ich drehe das Papier, lege es ins Fach und drucke.

Papierstau, bitte im Fach 2 auflösen und auf den OK-Knopf drücken.
Mach ich doch glatt!

Papierstau.
Was, schon wieder? Ich schaue nach und es staut sich nichts. Das Papier liegt nur bräsig in Fach 2 herum und rührt sich nicht. Also dreimal rumrütteln, Fach wieder reinschieben, OK-Taste drücken, fertig.

Papierstau.
Fick die Henne, was? Fach 2 auf, rüttel-rüttel-rüttel, Fach 2 wieder rein, OK-Taste drücken, fertig.

Papierstau.
Ja, leck mich am Arsch! Weißt du was du mit deinem Papierstau machen kannst? Ich breche jetzt den Druckauftrag ab, du mieses Stück Scheiße! Dann kannste mal sehen!

drucken

Ja.
Druckauftrag wird gelöscht.
Zwei Minuten später: Druckauftrag wird gelöscht.
Weitere zwei Minuten später: Druckauftrag wird ge… AAARRRGHHHHH! Der Druckauftrag löscht sich nicht!

Egal, in der Zwischenzeit kann ich das Papier ja ein bisschen glatt rubbeln. Vielleicht liegt es daran. Ich lege es wieder rein, während im Druckerfenster immernoch steht: Druckauftrag wird gel… Weiter reicht der Platz nicht, aber ich nehme einfach mal an, dass der Druckauftrag gelöscht wird. Fach 2 zu, OK-Taste drücken, fertig.

PAPIERSTAU IN FACH 2 – BITTE L÷SEN SIE DEN STAU UND DR‹CKEN ANSCHLIESSEN DIE OK-TASTE!
FICKEN!!!

Ich mache Schluss, entscheide mich dafür einen Profi ranzulassen und fahre morgen zu einer Druckerei. Sollen sie sich doch mit dem Scheiß auseinandersetzen.

Ich schreibe diesen Beitrag übrigens, während der Rechner heruntergefahren wird.
Interessant, oder..?

Ähnliche Beiträge: