Inzwischen gewöhne ich mich beinahe daran, dass ich vielleicht nur alle 4-5 Tage online gehen kann. Ich schaffe sogar mehr, als zu „Hoch-Zeiten“. Den Müll runterbringen, zum Beispiel. An die Sonne gehen und frische Luft schnappen. Ich schlafe mehr, esse mehr, gehe sogar abends öfter aus. Und wenn ich ein bis zweimal in der Woche in das Blog schaue, sehe ich eben… naja, keine Handvoll Einträge. Schade einerseits, man gewöhnt sich aber daran, andererseits.
Tatsächlich könnte ich jeden Tag bloggen, so ist es ja nicht. Denn gegenüber, nur 4 Stockwerke tiefer und 15 Meter weiter steht ein Internetcafé, das originellerweise nach einer Trilogie benannt wurde, das mit Computern und Keanu Reeves`ausdruckslosem Gesicht zu tun hat. Betrieben wird die Stube von niemand geringerem als einem Level 60 Nachtelf mit spezieller Fähigkeit zur Waffenschmiede. Böse Zungen behaupten, dass sich der Mann hinter dem Tresen die Beine amputieren ließ, um seinen Torso auf einem Bürostuhl mit Rollen zu tackern. Quasi ausredenfrei kann der Mann nun 24/7 hinter dem Tresen verbringen und die Kunden mit großen roten Augen verständnislos anschauen, wenn sie für eine halbe Stunde an den Rechner möchten.
Die roten Augen kommen nicht von irgendwoher. Tatsächlich habe ich den Mann noch nie blinzeln sehen. Wäre auch reine Zeitverschwendung, denn der Vollzeit-Warcrafter kann und will nichts verpassen, und so ließ er sich – in Anbetracht der Tatsache, dass innerhalb eines Augenblinzelns, ganze Welten untergehen können – noch die Lider abnehmen. Unterstützend zur Blinzellosigkeit kommt vielleicht noch hinzu, dass es kein Rauchverbot in seinem Internetcafé gibt. Und obwohl ich schon mehrmals in dem Café saß, habe ich noch nie jemanden rauchen sehen. Trotzdem muss man sich praktisch gegen den Qualm lehnen, um sich zu einem Rechner durchzuschlagen. Schon nach zwei Minuten ist der Nikotinbedarf einer mittelgroßen Kleinstadt gedeckt. Ich glaube, dass der beinlose Mann hinter dem Tresen Knöpfe drückt, die Klappen unter den Tischen öffnen, die wiederrum sehr sehr lange Rohre öffnen, die wiederrum mit der Kneipe „Zum Eck“ führen, die 400m bergab in der traurigen „Mühlenhofpassage“ ihr Dasein fristet.
Wie ich übrigens gerade der „Alice-Lounge“ entnehme, habe ich seit heute Internet.
NICHT!
(Scheiße, „Nicht-Witze“ klappen immernoch nicht, im Deutschen.)