MD vs KD
Ich habe mal gehört, dass der männliche Körper ähnliche Reaktionen auf das wochenendliche Einkaufsarmageddon mit der holden Frau aufzeigt, wie ein Kampfjetflieger an der Front, mit hinter dem Rücken gefesselten Händen und geschlossenen Augen. ƒhnliche Analogien ließen sich mit in der Bahn einsteigenden Modedesignerinnen meiner FH anstellen.
Hübsch anzusehen, aber mit der psychischen Labilität eines rohen Eis, festgebunden auf Micky Rourkes Faust, sind sie der eigentliche Grund warum ich meinen iPod frisiert habe, um den Dezibelstand auf „747 beim Abheben“ zu tunen. Denn die Berliner Tram weist einen überraschend guten Umgang mit Akkustik auf. Irgendwie… trichterähnlich. Eine weniger schallschmutzerprobte Mitstudierende musste vor zwei Tagen auf schmerzhafte Weise lernen, warum man mich nicht umsonst Walk-Man – der Mann mit den eingewachsenen Kopfhörer nennt, als sie mit mir in die M67 einstieg und einer Gruppe Modedesignerinnern (und einer männlichen Modedesignerin) in die Fänge lief.
Der Witz war mit Sicherheit nicht witzig (wer versteht schon was in dem Filzmützenhalter der Näh-Elite vorgeht?) es reichte dennoch aus, um ein schallendes Gelächter der Stärke 6 auszulösen und im Umkreis von mehreren Metern Schulkinder zu Fall zu bringen. Was passierte ließ sich nicht mit dem aufgerüsteten iPod ignorieren:
Eine blonde Modedesignerin, engelsgleich und doof wie doof, riss zuerst stumm die Augen und Mund auf, spuckte dabei winzige Speichelfäden über die Fensterscheiben, Sitze, Renter und Ticketautomaten und drehte dabei ihren Kopf nach rechts und nach links. Möglicherweise um den Radius der Zuschauer zu erhöhen, die mitverfolgen sollten, dass sie den Witz gerissen hat. Ich hatte zuerst Angst, dass sie an einem Erstickungsanfall zugrunde gehen sollte, konnte die Hoffnung auf Mund-zu-Mund nach 2-3 Sekunden wieder aufgeben, als das Gelächter Geschrei anfing. Erst sie (dabei den Kopf leuchtturmartig nach links und rechts drehend, um das Kommando zu geben, dass jetzt gelacht wird), dann der Rest der Bagage – angefangen bei der kleinwüchsigen männlichen Modedesignerin in MC-Hammer-Gedächtnishosen, über die Häkelmuschi, dem Rollmops in Röhrenjeans, bis hin zu der rosanen Frotteefalle.
Meine mitfahrende Kommolitonen erwischte es kalt. Sie fiel promt vom Sitz und brach sich das Trommelfell. Ich hingegen wusste was mich erwartete, als ich die Nachwuchs-Lagerfelds (-er? -en?) in die Bahn einsteigen sah (zu erkennen an der Zigarette zwischen den ersten Zeige- und Ringfingerspitzen) und unterbrach unser Gespräch jäh, um mir die guten Kopfhörer in die Ohren zu jagen. Für die Zukunft sollte sie gelernt haben, dass die Investition in einen guten MP3-Player nicht nur einen Unterhaltungswert, sondern auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringt.
Und ich? Ich habe endlich meinen Nemesis gefunden, in Form von kniehohen Basketballstiefel, gehäkelten T-Shirts und kleinen Glitzersteinchen auf Basecaps mit Reißverschlussimitatnachbauten!

