Die Anderen & ich
Ein einziger Konflikt stand mir im Weg, bevor ich beschloss nach Berlin zu gehen: All diese düsteren Gestalten, die sich in zwielichtigen Ecken drücken und ab und zu ihre hässlichen Fratzen herausstecken, um mir, dem Normalbürger, die Fresse zu polieren. ‹berall um mich herum könnte ein potenzieller Psychopath auftauchen, der mich absticht, seine Faust Polka tanzen lässt, oder mich schlimmstenfalls noch dazu überredet mir bei Alice einen Telefon- und DSL-Anschluss zu bestellen.
Ich zog also mit einem bitteren Angstgefühl in diese große, böse Stadt und beobachtete sie alle. Ich tauchte in die Masse unter und versuchte meine beste Waffe zu perfektionieren: Die Unauffälligkeit. Lediglich gebremst von 1,92m Größe und einem ständig garstigen Gesichtsausdruck, funktionierte die Technik garnichtmal so schlecht. Und so traute ich mich schon nach wenigen Wochen mein debil brabbelndes Umfeld mithilfe meines MP3-Players auszuschalten. Nach einiger Zeit verlor ich soweit die Angst und döste sogar die paar Stationen von mir bis zur FH. Was konnte schon passieren? Die Berliner bellen, aber beißen? Das tun die anderen.
Und dann kam das Wochenende, an dem ich meinen partiellen Wurzeln einen Besuch abstattete. Braunschweig. Die tote Stadt an der Oker. Angeführt von einem ehemaligen NPD-Mann, überschattet von Milliarden 1Ä-Läden und Fressbuden, aber rückblickend betrachtet, bezeichnend durch die wohl gemütlichste Atmosphäre Norddeutschlands.
Nichts hatte sich in den letzten Monaten verändert. Warum auch? Wohin auch? Und so machte ich mich auf, um die üblichen verdächtigen Lokalitäten aufzusuchen, die diese Stadt anzubieten hat. Das Praktische: Jede dieser Lokalitäten sind in aller Kürze, auch zu Fuß, zu erreichen und so konnten wir nach dem „Merz“ noch einen kleinen Absacker in meiner Lieblingskneipe zu uns nehmen, als eine Gruppe… sagenwirmal… sozial und frisurig (Stichwort UNISEX) etwas vernachlässigte Unterschichtanwärter, unseren Weg kreuzten. Mitten durch.
„Hohohooo! Da muscht du aba uffpassen, mein Kleiner. Rempelsch die Leute einfach an, nein?“ ist tatsächlich das Letzte das man sagen sollte, wenn jemand dich anrempelt, dessen Eltern eine Blutlinie teilen. Und so hatte ich die erste Faust im Gesicht.
„Verdammtescheißenochmal! Was ist dein verfi…“ – Die nächste Faust gleich hinterher. Jetzt reichte es mir aber und ich trat einen Schritt nach vorn, um dem miesen Stricher mal zu zeigen wie man das richtig macht. Leider trat sein degenerierter, dafür aber erschreckend großgewachsener Freund zwischen uns und hielt mir seine gullideckelgroßen Hände auf die Brust. „Verpisst euch. Geht weiter und wir vergessen das jetzt.“ – „WAS? Alter, hast du nicht gese…“ – Weiter kam ich nicht, denn der Opfer von übermäßigem Haarspraygebrauch, gekoppelt mit der zu eng gestellten Truckerkappe, trat schon wieder zu. Als wäre ich ein wandelnder Sandsack, schlug und trat dieses Ding auf mich ein und kam nicht auf die Idee, dass ich mich wehren und ihn mit einem Schlag durch die halbe Stadt prügeln könnte. Warum auch? Immerhin versteckte er sich nach jedem Drechkick hinter seinem neandertaligen Freund.
Erst als ein Tritt gegen meinen Kopf ihn endgültig aus dem Gleichgewicht und damit zu Fall brachte und sogar zwei seiner „Kollegas“ sich das Kichern nicht verkneifen konnten, als ich ihn anbrüllte, dass er nun sehe was er davon hätte, ließ er von mir ab und nahm sich Freund U. vor. In der Zwischenzeit hatte ich einen recht guten ‹berblick über die Größe der Gruppe und die möglichen Konsequenzen gemacht, die uns bevorständen, wenn wir uns zu Wehr gsetzen würden. Mit einem Schlag wich die Wirkung der letzten Biere und ich ließ mich widerwillig von Freund U. wegziehen, während das Riesenbaby den hyperaktiven Mini-Bruce-Lee „unter Kontrolle“ brachte.
Sähen diese nutzlosen Verschwendungen von Steuergelder nicht alle gleich aus, wäre ich gern zur Polizei gegangen. So ist es ja nicht. Aber was hätte ich ihnen sagen sollen? „6-7 Jugendliche zwischen 18 und 20 Jahre. Hosen in die Socken gestopft, Fake-Iro, sonnenbankgebräunt und arg überfordert bei der Verwendung von Wörtern mit mehr als 3 Silben. Außerdem schlagen sie zu wie Pussis.“
Ja, meine Fresse – das trifft auf die halbe Braunschweiger Weststadt zu!








Ein Tritt gegen DEINEN Kopf?
Homie?
Alter, was machst Du für Sa… also, was lässt Du für Sachen mit Dir machen?
Und ich sach wieder:
KIEL – Nabel der Welt und die wirklich gemütlichste Atmosphäre Norddeutschlands! Hier gibt’s sowas nicht – Word.