Music: On!
Als ein Kind der eher noch frühen 80er hatte ich das Glück, von diesen musikalisch, von David Hasselhoff und Opus mal abgesehen, weitestgehend verschont zu bleiben. Die musikalische Sozialisation setzte rückblickend wohl so richtig mit der ƒrzte-Reunion ein und erreichte dann ihren Höhepunkt in der nachgeholten Grunge-ƒra im Allgemeinen und Nirvana im Besonderen. Blöd für mich, daß damals, schon eine ganze Ecke nach Cobains Selbstmord, im Prinzip alle Messen gelesen waren. Es blieb das schleichende Gefühl, im langsamen Anrollen der Hip-Hop-Welle sowas wie ein wandelnder Anachronismus zu sein. Doch was soll ich mich beschweren: erstens fand ich damals Anti-Haltungen mega inspirierend und zweitens kam dann Ende der 90er die Rettung durch die Kapelle, die sich Credo nannte…
Das Human Clay Album war dabei so etwas wie ein Glas kaltes Wasser nach dem langen Marsch durch die Wüste und das Einlösen eines Versprechens, der Gipfel des Grunge im sogenannten Post-Grunge. Creed haben mich dabei von Anfang an an die Frühphase von Pearl Jam erinnert, bloß waren ihre Song- und Textstrukturen bereits viel differenzierter und ausgefeilter. Zieht man etwa Songs wie Even Flow oder den Gassenhauer Alive von Pearl Jams „Ten“ heran und stellt diesen Creeds With Arms Wide Open oder auch das weitaus hymnischere Higher entgegen, kommt man nicht umhin, bei letzteren die verblüffend komplexen Verwebungen in den Songs zu bewundern. Trotzdem schmeicheln sie sich auf verspielte Weise ins Ohr des Höhrers. Dadurch stellen sie sich den eher einfach gehaltenen Stücken von Vedder & Co. zwar nicht entgegen, sondern entwickeln den Sound vielmehr in letzter Konsequenz weiter.
Auch in Sachen Personal sind beide Bands eigentlich ganz gut miteinander zu vergleichen, da die jeweilige Aussendarstellung stark durch einen Frontmann geprägt wird. Doch auch hier verlässt Scott Stapp meiner Meinung nach das Feld eindeutig als Sieger. In ihm gehen Jesus und Herkules eine faszinierende Symbiose ein: Der erhabene und mitfühlende Blick, gepaart mit muskelgestählten Oberarmen. Denkt man zurück an Videoclips, wie etwa das bereits genannte With Arms Wide Open oder, noch anschaulicher, My Sacrifice, tritt das ganze Charisma dieses Mannes zutage. Stets scheint er im Kampf mit den Naturgewalten zu stehen, seien es Feuerbrünste oder ‹berschwemmungen. Allerdings verlieren diese im Angesicht der ausgefeilten Posen einen guten Teil ihrer apokalyptischen Schrecken. Stapp hat dabei scheinbar bereits vor beinahe zehn Jahren die zur Zeit grassierenden Klima- und Kriegsthematiken vorweggenommen, weshalb man ihn wohl zu Recht als den geistigen Vater der Proteste ansehen kann, die Vedder in den letzten Jahren vom Zaun gebrochen hat.
Creed haben sich 2004 ziemlich sang- und klanglos aufgelöst, doch die Lücke, die dadurch aufgerissen wurde, lässt sich in ihrem gesamten Ausmaß wahrscheinlich erst in einigen Jahren erfassen…
Ich hoffe, das war dick genug aufgetragen…









Sag mal, hast du ne Wette verloren oder was? Creed gehen ja wohl mal gar nicht und haben für mich alles mit Füßen getreten, was Grunge ausmacht. Allein schon dieses Bon-Jovi-Rumgepose des selbstverliebten Stapp hat so ziemlich alles konterkarriert, für was Nirvana stand. Ich bin sehr froh, dass es diese schreckliche Band nicht mehr gibt. Falls du sie aber tatsächlich toll fandest: Die Nachfolgeband heißt Alter Bridge und hat glaube ich alle Crees-Mannen an Board – außer dem ekligen Scott, der als erfolgloser Solo-Act durch die Lande tingelt. Da das Ganze dadurch auch weniger christlich-pathetisch ist, kann man sich Alter Bridge immerhin im Gegensatz zu Creed durchaus anhören. Soweit so gut, Grüße von der Geschmackspolizei ;-)