Alice, die Telekom und ich (2)

08.01.2008

Montag, 7.1.2008 – Der zweite Techniker-Termin steht ins Haus. Whoopie-doo.

7:45 Wecker klingelt erbarmungslos. Nützt alles nichts, muss aufstehen, immerhin kommt der Techniker zwischen 8:00 und 16:00. Als unverbesserlicher Optimist rechne ich damit, dass er in exakt 15 Minuten vor der Tür steht und bereite Kaffee, Gebäck, frische Croissants, Koks und Nutten vor.

8:30 Puh! Was für ein Glück, der Techniker ist noch nicht da. Die selbstgeklöppelten Croissants sind gerade aus dem Backofen, der Tisch ist gedeckt und ich habe endlich mein Lobeslied auf den Techniker auswändig gelernt. Wobei „Lied“ ein bisschen untertrieben ist. Es ist ein Opus auf den fleißigen Handwerker, mit einer Viertelstunde Pause nach dem zweiten Akt, damit sich der gute Herr erfrischen und stärken kann.

9:15 Jetzt werde ich aber ein bisschen ungeduldig. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich ja doch die dressierten Eisbären einfliegen können!

10:00 Ja nun, bestimmt hat der Techniker heute viel zu tun und kommt erst nach dem Frühstück. Ich verputze die Croissants und schicke die Nutten runter zum Kiosk, um lecker Mittagsbier zu kaufen, falls der Telekom-Techniker doch erst später kommt.

10:30 Ich gehe zum ersten Mal runter, um die Klingel zu testen. Die Kleine betätigt ordnungsgemäß den Türsummer und ich stelle befriedigt fest, dass der Techniker uns nicht schon wieder eine Nachricht in dem Briefkasten hinterlassen hat, dass wir nicht anzutreffen waren.

11:20 Ich traue mich endlich mein Morgengeschäft zu verrichten. Hatte den ganzen Morgen Pipi in den Augen, weil ich Angst hatte, dass er genau dann klingelt, wenn ich auf dem Klo sitze. Und wenn die Kleine aus irgendwelchen Gründen die Tür nicht öffnet… Nicht auszudenken!

12:00 Jetzt haben die Nutten das ganze Koks weggeschnieft. Ich schicke sie nachhause. Wenn der Techniker noch weiter auf sich warten lässt, hat er eben Pech gehabt.

12:55 Die Kleine kriegt Atemnot: „Was wenn er schon wieder nicht kommt?“ – Ich bringe sie mit zwei, drei tüchtigen Schlägen ins Gesicht zur Vernunft. Er wird kommen. Das weiß ich.

13:40 „AAAAHHHH! Und wenn Alice nicht 7.1. gesagt hat, sondern… 10.1.?“ – Die Kleine schlägt fester zu als ich. Ich komme wieder zu mir. Nein, bin ganz sicher: 7.1., zwischen 8:00 und 16:00. Eben dann wenn alle arbeiten müssen, ist doch klar.

14:15 Ich gehe zum zweiten Mal runter. Sicher ist sicher. Klingel funktioniert, Summer ist zwar leise, aber hörbar. Briefkasten ist leer. Excellent! Beschließe so langsam ungeduldig und ungehalten zu werden.

15:35 Werde langsam aber sicher so richtig nervös. Spiele eine Runde Battlefield 2, um die Nerven zu beruhigen. Die Kleine traut sich nicht ins Schlafzimmer, weil meine Zornesröte langsam bedrohliche Züge annimmt. Halt, war das ein Klingeln? Nein, die Kleine hat mir einen Kakao in der Mikrowelle warm gemacht. Hachja…

16:01 Kein Klingeln. Falle in ein halbstündiges Wachkoma.

16:30 TOD! SCHANDE UND PEST ‹BER DICH UND DEINE NACHFAHREN, DU KLEINPIMMELIGE AUSGEBURT EINE REUDIGEN H‹NDIN! ICH WERDE DICH UND DEINE GANZE SIPPE AUSROTTEN, MIT MEINEN BLOSSEN HƒNDEN!!! – Oh, ist nur das Band. Ich soll die „2“ drücken, um Informationen zu meinem Vertrag zu erhalten. Gegebenenfalls wird dann eine Servicekraft sich mit mir auseinandersetzen. Ui, ein echter Mensch. Wie aufregend.

16:35 „Guten Tag, mein Name ist Gabr…“ – „Machen wir es kurz, denn: Ich telefoniere von meinem Handy und das ist scheißeteuer. Warum telefoniere ich von meinem Handy? Weil ich vor VIER MONATEN EINEN TELEFONANSCHLUSS BEI IHNEN BESTELLT HABE!!! Und jetzt hören Sie mir genau zu, denn ich erzähle das nur ein einziges Mal: Vor drei Wochen wollte ein degenerierter Telekom-Techniker hier aufschlagen, um das zu machen, was beschissene Telekom-Techniker eben tun. Er war nicht da und hat stattdessen einen Zettel in unserem Briefkasten hinterlassen, mit der Notiz, DASS WIR NICHT ANZUTREFFEN GEWESEN SIND! Können Sie sich das vorstellen? So, und kurz nachdem ich eine Kollegin von Ihnen zusammengefaltet habe, wurde mir ein neuer Termin zugesichert, der HEUTE WAR! Und war hier jemand? Ich frage Sie: WAR HIER JEMAND???“ – „ƒh, also…“ – „RICHTIG! NEIN!!! Ich habe die Schnauze gestrichen voll und mir ist es sowas von egal, dass Sie nun wirklich nichts dafür können, aber vielleicht spornt es Sie an, ein paar Fingerchen in Bewegung zu setzen, um mir bis spätestens Mittwoch einen verfickten Techniker vorbeizuschicken, der hier endlich mal SEINE ARBEIT MACHT!“ – „Aber… Aber, in unserem System steht, dass der Techniker da war und es angeschlossen ist.“ – „Sie verarschen mich. WOLLEN SIE MIR ETWA SAGEN, DASS ER DAS VON WOANDERS MACHEN KONNTE UND NICHT IN UNSERE WOHNUNG MUSSTE???“ – „Ja nun, wenn der Kasten erreichbar ist. Sie müssen ja nur zuhause sein, für den Fall, dass er nicht an den Kasten kommt.“ – „Der Kasten ist im Keller. Der Keller ist abgeschlossen. Nun frage ich Sie: Ist der Telekom-Techniker ein beschissener Ninja, oder wie will er in unseren Keller gekommen sein???“ – „Ich weiß es nicht, aber hier steht, dass die Leitung angeschlossen ist. Sie muss nur noch freigegeben werden.“ – „Achso, na dann… GEBEN SIE IHN FREI!!!“ – „Also, das geht nicht. Ich meine, das macht der Techniker. Das muss in unseren System eingetragen werden und dann… Also, das kann 1-2 Stunden dauern. Falls es nicht klappt, rufen Sie uns bitte nochmal an, damit wir einen neuen Termin ausmachen können.“ – „ICH SOLL WAS???

16:55 Mein Augenlid zuckt unaufhörlich. Nachbar Waldi Waldmeister hat mich in eine Decke eingewickelt und singt mir Kinderlieder vor, während die Kleine apathisch nach vorn und hinten schaukelt. Alle zwei Minuten heben wir den Hörer des Telefons ab. Kein Freizeichen.

Dienstag, 7:00 Immernoch kein Freizeichen. Ich glaube, ich rufe da gleich nochmal an.