MICH! Versteht ihr? Mich hat die Alte gerade verarscht!!! Ist das zu fassen?
Aber spulen wir gerade ein paar Tage zurück. Alice schickte mir einen höflichen Brief, der darauf hinwies, dass sie kein Geld von meinem Konto abbuchen können. Das Problem ist schnell entdeckt: Ich habe einen Zahlendreher in der Kontonummer. Kann ja mal passieren. Und es war wirklich keine Absicht, bevor einer von euch jetzt auf die Idee kommen sollte.
Ich nahm also die Gelegenheit beim Schopf und schrieb eine erboste Mail an den Kindergarten, der sich Service nennt. Keine Antwort. Tja, dann müssen sie eben auf ihr Geld warten, dachte ich mir und stellte die Nummer selbstverständlich nicht wieder richtig, denn: Man versicherte mir mehrmals unter Pfadfinderinnenehrenworten, dass man mir meine entstandenen Umstände durch eine Gutschrift entschädigen möchte. Immerhin musste ich monatelang über mein Handy telefonieren und war auf ein „Internetcafé“ angewiesen.
Nach Ablauf der Frist kam selbstverständlich eine weitere Mahnung, nur diesesmal mit 3Ä Aufschlag. Da platzte mir der Kragen und ich schrieb eine Mail, die sich gewaschen hatte (ehrlich, ich traue mich nicht einmal sie hier zu veröffentlichen!).
Keine Antwort.
Nun ist es bei mir so, dass ich ein relativ friedfertiger Mensch bin. Aber wenn ich mich dann doch aufrege, dann kann es in zwei Richtungen gehen:
1. Nach 5 Minuten ist Ruhe im Karton und ich kann wieder klar denken.
2. Alle 5 Minuten verdoppelt sich der Zorn, sofern man bei einer solchen Gefühlsregung von Verdopplung reden kann.
Und so traf es gestern eine arme Studentin, die das Pech hatte jemanden an der Leitung zu haben, der 14 beschissene Cent pro Minute ausgeben musste, um mit der Essenz an Inkompetenz darüber zu streiten, wie egal es mir wäre, dass das System gerade down ist und man nicht in meine Rechnung schauen könnte. Nachdem die Kleine mich mit der Bratpfanne bewusstlos schlug und dadurch die arme Aushilfskraft rettete, erlosch auch mein Zorn ein wenig. Ja nun, was kann denn dieses arme Würstchen denn dafür? Schlagartig merkte ich, dass alle 5 Minuten der Zorn abebbte und so nahm ich mir einen ganzen Tag Zeit, um mich zu beruhigen.
So traf ich auf sie. Unschuldige Stimme, mit einem leichten Zittern im unteren Bereich. Jedesmal, wenn ich meiner Joachim-Kerzel-Gedächtnis-Stimme neuen Schwung verlieh, konnte ich hören, wie die schmatzenden Geräusche ihrer angstschweißbedeckten Hände ihre Kollegen im Hintergrund aufhorchen ließ. So langsam verstummten die Stimmen und obwohl ich niemanden anschrie, keine Flüche ausstieß und weder Galle spuckte, noch Morddrohungen aussprach, merkte ich, wie man anfing mich zu respektieren. Ich schickte sie von einer Sackgasse in die nächste und jedesmal ließ ich sie mit der Frage zurück, wie sie mich nun wieder zufrieden machen möchte.
„Da kann ich… also… nein, es geht nicht. Moment, warten Sie! Ich gebe Ihnen die Telefonnummer der Zentrale, dort wird man Sie weiterleiten.“
Ich bedanke mich höflich und im Geiste verabschiede ich mich langsam von der Vorstellung ihre Leber zu verspeisen, während sie dabei zusieht. Ich wähle die Nummer und höre die zarte Stimme eines Tonbandes…
Ich bin wieder in der Servicezentrale gelandet!
NACHTRAG
Man muss nur wollen. Nach weiteren 30 Minuten in der Warteschleife traf ich auf einen jungen Mann, der mich mit fester Simme fragte, ob die Umstände inzwischen den Drang zu kündigen wecken.
„Kündigen? Ehrlich: Ich verspüre ganz andere Dränge gerade!“ – „Ich meine… würden Sie gerne den Umständen wegen kün-di-gen?!?“ – „Hä? Ouuhhh…. Ich verstehe…! Knick-knack! Ich meine: Ja. Ja, verdammt noch eins. Ich würde am liebsten kündigen!!!“ – „Oh, na dann kann ich Sie in diesem Fall nur an Frau *** weiterleiten, die für solche Fälle zuständig ist, wenn Sie wissen was ich meine! Hahahahaha!“ – „Hohohohohoho! Danke Mann.„
Soeben ist mir eine Gutschrift in hier lieber nicht zu erwähndenen Höhe erstattet worden.
Dass ich erst zum Schluss des Gesprächs erwähnte, dass ich das ganze Telefongespräch aufgezeichnet habe und die Dame noch zusätzlich nicht von der Idee begeistert war, dass ich es auf meinem Blog veröffentliche, ist sehr schade. Aber wenn der eine oder andere Leser in der Gegend ist, ist er gern auf ein Käffchen und ein aufgezeichnetes Alice-Gespräch eingeladen.