Futur II…

Die Sache mit der Blueray-Tanztempel-Thek hat es mal wieder gezeigt. Es gibt in der Sprache eine Tempus-Form, die man zwar im Alltag im Prinzip nie benutzt, die aber nichtsdestotrotz etwas Faszinierendes und vielleicht auch Unheimliches an sich hat. Immerhin leben wir doch zumeist in der Gegenwart, betrachten das Vergangene als vollzogen und das Zukünftige als im Nebel verborgen. Da mag die Vorstellung von der vollendeten Zukunft mitunter recht verstörend wirken. Gießt sie doch die Endlichkeit der Dinge in Worte…

Aber ich muß es gestehen, ich habe normalerweise kein gesteigertes Interesse an Lyrik. Doch normalerweise heißt nicht immer und deshalb beende ich an dieser Stelle die Gedanken zum Futur II und überlasse anderen, begabteren Sprachjongleuren die Bühne und das Wort…


Futurum Exactum

Die letzte Zeit
die ich lernte
als Kind
war die Vorzukunft

Ich weiß noch
ich verstand nicht
wieso hieß sie
Zukunft

Sogar die Vorvergangenheit
klang nicht halb so
vergangen

Die Vorzukunft
hörte sich immer passiv an
auch die Tätigkeitsform
wie eine Form des Erleidens

Ich hatte Angst vor ihr
denn ich konnte sie nicht verstehen
Ich sagte sie mir vor
um mich an sie zu gewöhnen

Ich sagte laut
ohne mich sicher zu fühlen
Ich werde gelebt haben
Ich werde gegangen sein.

Erich Fried

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