Dass eines Mal klar ist: Sie ist diejenige, die mir ständig in den Ohren liegt, mit „Psychopathen“ und irgendwelchen Irren, die bei uns in die Wohnung einbrechen wollen. Ich bin der jenige, der ständig aufstehen, Türen abschließen soll und ihr kopfschüttelnd immer und immer und immer wieder versichern muss, dass sie ein wenig übertreibt. Ich mache es gerne und ich beteuere gerne scherzhaft; Sollte sie mal geklaut werden, wird sie spätestens nach 24 Stunden wieder vor meiner Tür gesetzt. Versprochen.
Es ist nicht unbedingt so, dass ich blindes Vertrauen in die Menschheit habe. Ab und zu wechsele ich sogar die Straßenseite, weil mir das Gesicht nicht gefallen mag. Aber welcher Psychopath quält sich in den vierten Stock hoch? Der ist doch fertig, noch bevor er die Tür geöffnet hat. Anders in Braunschweig. Damals war es nur der zweite Stock, aber ich machte mir ganz bestimmt andere Sorgen, als dass ausgerechnet in Braunschweig und in der netten Gegend in der wir wohnten, irgendwer auf die selten dämliche Idee kommen würde bei uns einzubrechen.
Und dann traf ich am Wochenende einen guten Freund, in unserer alten Stammkneipe. Ich freute mich sehr ihn wiederzusehen und auf den neuesten Klatsch und Tratsch. Bis er von unserem Nachmieter erzählte, ein gemeinsamer Freund, der gerade mal ein halbes Jahr nach seinem Einzug, wieder aus unserer alten Wohnung flüchtete.
Warum M. aus unserer alten Wohnung auszog? Darum (Erzählung locker aus dem Gedächtnis wiedergegeben):
„M., hast du das gehört?“ – „Was? Komm, lass mich schlafen…“ – „Nein, ehrlich. Da war was. Kannst du mal bitte schauen ?“ – „Es ist mitten in der Nacht. Bitte, ich will… Ok, fein.“
M. klettert aus dem Bett, öffnet die Schlafzimmertür, die fünf Jahre lang auch unsere Schlafzimmertür war, geht in den Flur und steht einem großen, dicken Mann gegenüber.
„Was zur Hölle machen SIE denn hier?!?“ schrie M. unseren ehemaligen Vermieter an. Dieser schaute etwas perplex, denn erwischt zu werden schien nicht zu seinem Plan zu gehören und so antwortete er einfach: „Ich wollte nur mal nach dem Rechten schauen. Das ist mein gutes Recht als Vermieter.“
Wie oft hat er sein „gutes Recht“ angewendet, als wir noch in der Wohnung lebten?
Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter, wenn ich darüber nachdenke, dass dieser Typ vielleicht in unserer Wohnung war, wenn wir schliefen. Oder wenn wir nicht da waren. Oder wenn wir vielleicht im Wohnzimmer gesessen haben. Da fiel der Kleinen auch promt ein Gespräch ein, das wir hatten, als der Vermieter die Wohnungsübergabe zwischen uns und dem Vormieter vollzog. Es gäbe einen dritten Schlüssel, meinte unser Vormieter, den der Vermieter ihm eigentlich schon länger geben wollte, aber nun uns überreichen kann. Wir sollten also nochmal nachfragen. Der Vermieter beteuerte den Verlust des Schlüssel.
Mir ist schlecht.