Altmännerphantasien?

Ein Wort, welches mir in den letzten Tagen in so einigen Rezensionen über den Weg gelaufen ist. Behandelt wurde dabei stets der Film Elegy, ein Missvergnügen von einer Sneak. Ein Film, zäh wie Kaugummi und insgesamt so ziemlich das Französischste, was mir aus Hollywood seit langem über den Weg gelaufen ist.


Was das Ganze nun mit Altmännerphantasien zu tun hat? Nun, der Streifen basiert auf Das sterbende Tier von Philip Roth und damit dürfte das Problem bereits auf dem Tisch liegen. Ich frage mich, warum es in der modernen amerikanischen Literatur einen dermaßen starken Hang zur Problematisierung des männlichen Alterns gibt? Warum arbeiten sich Autoren wie Roth, oder auch Updike, immer wieder am Thema „Mann wird alt, philosophiert über seine nachlassenden körperlichen Fähigkeiten, insbesondere im sexuellen Bereich und fühlt sich dennoch zu weitaus jüngeren Frauen hingezogen usw. usf.“? Wieso immer wieder der gleiche Aufwasch? Updike hat es sogar geschafft, eine solche Figur in seinem Roman über einen jungen islamischen Selbstmordattentäter in den USA unterzubringen.

Das Lustige an Elegy ist nun, daß diese Phantasien (älterer Literaturprofessor beginnt Affäre mit ehemaliger Studentin… quelle surprise) von einer Frau (Isabel Coixet) verfilmt wurde. Welch Ironie… Eine Frau versucht die Welt mit den Augen eines der Alter Egos von Roth zu sehen (sie war anscheinend nach einem persönlichen Treffen der Meinung, der Romanstoff sei mehr oder weniger autobiographisch). Leider ist ihr dabei jedoch genau jene abhanden gekommen. Strotzt „Das sterbende Tier“ noch von Ironie und Zynismus (nur so bleibt eine solche Story überhaupt erträglich), bleibt „Elegy“ in dieser Hinsicht vollkommen belanglos. Die Figuren entwickeln keinen Tiefgang und auch wenn Ben Kingsley in großartiger Form aufspielt, so bleibt sein David Kepesh doch mehr oder weniger ausdruckslos und man fragt sich des öfteren, was diesen Menschen denn nun antreibt. Oder besser gesagt, was ihn denn nun wirklich hemmt? Seine Liebschaft, dargestellt von Penélope Cruz, trifft es noch schlechter. Atemberaubende Schönheit in Kombination mit einem sphinxhaften Schauspiel führt dazu, daß mir letztlich wahrscheinlich nur ihr halbnackter Auftritt in Erinnerung bleiben wird. Mehr gibt ihre Consuela einfach nicht her. Die einzige Ausnahme dürfte in der dramatischen Fotographieszene gegen Ende liegen…

Elegy, das Klagelied… was bleibt ist die Aussicht auf das eigene Altern und die Gewissheit, daß es mit David Kepesh / Philip Roth mal wieder eines der sterbenden Tiere auf die Leinwand geschafft hat. Ob das notwendig war, darüber darf gestritten werden.

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