Photokina Impressionen (2)

Da stehe ich also, als einziger Hobbyfotograf unter tausenden Vollprofis, die man, um die Sache leichter zu überschauen, grob in 5 Vollprofi-Gruppen unterteilen kann.
1 – Die Analysten) Man tritt immer zu zweit auf. Gerne auch mehr. Jedes Bild, und sei es noch so bedeutungslos, ist eine Ansammlung unzählicher Facetten, die den Blick in noch unzähligere (?) Universen führen. Was? Dieses Bild soll nur ein Foto von einem Haufen Zeugs sein, das die Studentin jeden Tag konsumiert und bei sich trägt? Mitnichten, mein kleiner hobbyfotografischer Freund! Beachte doch einmal die Linienführung der Gegenstände. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Alles spiegelt die blanke Verzweiflung der jungen Frau, die Zeit einzufangen und uns in beinahe expressionistisch (aber doch kindlich) anmutendem Kontext zusammenzuführen.
2 – Der mit dem Überblick) Kaum länger als eine 250stel Sekunde dauert es und der Vollprofi hat alles überblickt. Er stellt sich mitten in dem Gang, hat seinen Besucherausweis deutlich sichtbar an einem neonorangefarbendem Necklace hängen und saugt die Informationen auf, schneller als das menschliche Auge Informationen unter normalen Umständen aufzusaugen imstande wäre. Es wird nicht geredet, nur konsumiert, um anschließend zu notieren (!) was man gesehen hat. Die Mimik verrät keine Emotionen und wenn der Spuk nicht genauso schnell vorbei wäre, wie er angefangen, bzw. an unseren Stand getreten war, hätte man annehmen können, dass die zweite Gruppe der Vollprofis überhaupt nicht existiert. Quasi der Yeti unter den Fotoprofis.
3) Ein Auge verkümmert, das Andere als Bedienobjekt für die Spiegelreflex (Canon? Willst du mich beleidigen?!?). Der Vollprofi aus dem dritten Lager ist so ziemlich der Ernstzunehmenste, wenn nicht wenigstens optisch am schnellsten zu erfassenste Foto-Vollprofi. Jedes Bild wird nur durch den Sucher angeschaut, bei der digitalen Front später wenigstens noch einmal auf dem 3 Zoll Display. Es wird keine Zeit verschwendet, denn ähnlich wie die zweite Gattung, muss alles schnell konsumiert, inhaliert, zelebriert werden. Wenigstens umspielt den Lippen ein leichtes Lächeln, wenn auch nur im Falle von entblößten Brüsten, vor der Linse (entweder in 2D auf Fotos der Gewinner von Axel-Springer-Foto-Magazine-Wettbewerbe, gerne auch auch live und in 3D).
4) Mutti hat keine Zeit. Mutti muss die Nikon-Tüte mit Tinnef vollkriegen, sonst wird Mutti sauer.
In Ihrer Freizeit führt sie einen Laden für kreativen Bastelbedarf, aber ihre eigentliche Passion ist die Fotografie. Blumen haben es ihr angetan und manchmal, wenn sie ein ganz verrückter Tag plagt, wird der Hund wie ein Mensch angezogen und vor der Karibik-Fototapete gestellt.
Von ihrem Rucksack baumelt ein kleines Stofftier, das sich im Ryhtmus der schnellen Schritte hin und her schwingt, als hätte es sich aus Angst vor dem eben gekauften Winney the Puh-FotoAlbum verstecken wollen, an einem wandelnden Baum aufgehängt.
5) Japaner.
Ich mag es ein Exot zu sein. So habe ich nicht das Gefühl jemanden auf den Sack zu gehen.
Und nächstes Mal: Ein Überblick – gruselig und doch informativ!









Schlimmer als der Vollprofi ist eigentlich nur der „Leica-Onanist“. Der ist in 90% der Fälle nämlich mitnichten ein Profi, sondern eine männliche Mutti. Zwar ohne Bastelladen, dafür aber mit viel Geld.