Arcor & ich (1)


Ich bin nicht wütend genug. Habe ich gerade letztens festgestellt, als mir auffiel, wieviele Youtube-Videos ich in letzter Zeit veröffentliche und wie selten ich schreibe. Ich schiebe es auf einen Wutdefizit, ausgelöst durch übermäßige Zufriedenheit, die noch von der Hochzeit ausgehen könnte (oh, die Bilder muss ich noch…).


Alice hatte es drauf. Sie konnte mich so richtig wütend machen und wenn mir jemand begegnete, der mein Blog liest, kam er immer wieder auf die letzten Alice Artikel zu sprechen, die ihm so gut gefielen. Aber Alice nervte irgendwann nur noch und so entschied ich mich zu Arcor zu wechseln, weil ich bisher nie etwas negatives über Arcor gehört hatte und das Angebot zu der Zeit einfach gut klang. Arcor war aber auch schnell, das kann ich euch sagen! Sie waren so schnell und so freundlich, dass mir die Tatsache egal war, dass ich bisher nicht einen einzigen Tag hatte, ohne, dass ich alle zwei Minuten vor einer stillstehenden Sanduhr saß, die mir verkündete, dass die Verbindung gerade wieder einmal abgebrochen.

Seit ca zwei Wochen ist das HabArcorlieb-Kontingent aufgebraucht und ich hasse sie leidenschaftlicher, als ich Alice je hätte hassen können. Ich habe bisher nicht davon erzählt, weil ich Angst hatte, dass man mich auslacht. Mich, den Blockwart von Alice.

Alice ist stellenweise im Servicebereich an Unfreundlichkeit kaum zu überbieten. Sie ist langsam, verspricht etwas ohne es einzuhalten und weiß oft nicht was sie tut. Aber das Wort Kompetenz schreibt sich bei Arcor mit I.
Und G.
Und N und O und R und A und N und Z.

Das erste Mal rief ich nach einer Woche an und flötete ins Telefon, dass es hier ständig zu Verbindungsabbrüchen kommt, obwohl alles darauf hinweist, dass das Internet da ist (zum Beispiel der Vollausschlag des W-Lan-Symbols). Man versprach mir ein neues Modem zu schicken und so geschah es auch, gewohnt schnell, wie ich es eben von Arcor kannte. Fröhlich wie Bambi auf LSD schloss ich das neue Gerät an und siehe da: Immernoch Probleme.

„Es funktioniert immernoch nicht. Was machen wir da?“
„Herr Bunge, Sie Lieblingskunde und gutaussehender Hengst – natürlich schicken wir auf unsere Kosten einen Techniker raus!“

Wenige Stunden später rief ein mürrischer Mann an. Der Techniker stellte gleich zwei Dinge klar:
„Ich komme Montag um 12:00 Uhr vorbei.“ und „Sollte sich allerdings herausstellen, dass der Fehler auf Ihrer Seite liegt, müssen Sie natürlich bezahlen. 10€/10 Minuten.“

Drohte er mir etwa? Ich traute mich natürlich nicht zu widersprechen und nahm mir Montag nichts vor, um ja vor Ort zu sein, aus Angst er würde mir einen verwesendes Oppossum in den Briefkasten stecken, wenn ich nicht da bin.

Pünktlich wie kein Handwerker stand da ein Techniker vor meiner Tür, sicherlich nicht der, mit dem ich gesprochen hatte, freundlich und lächelnd trat er herein und verströmte den Duft einer Wiese an einem lauen Sommermorgen. Um das Bild abzurunden hatte er sogar extra Tau rausgeschwitzt, der von seiner klatschmohnroten Stirn perlte.

Wortlos schloss er seinen Rechner an, schüttelte den Kopf, schraubte an der Telefonbuchse herum (jetzt stand mir der Schweiß auf der Stirn! Was wenn es wirklich an mir liegt?) und wunderte sich, dass wir zwei haben, aber keine „zentrale“ (?). Nach beinahe anderthalb Stunden gab er entnervt auf, nachdem er eine geheime spezielle, nicht die Nummer zu verratende Telefontechnikergeheimnotrufzentrale anrief, die ebenfalls ratlos auf ihre Tastaturen hämmerten.

„Keine Ahnung was hier los ist. Tschüss.“

Ja, wunderbar! Das heißt, dass es wenigstens nicht an mir liegt und ich die 90€ Kosten, die er verursacht hat, nicht zu bezahlen habe, aber: Ich habe immernoch nur alle zwei Minuten für ca 30 bis 90 Sekunden Internet. Also wieder bei der Hotline angerufen (Nummer kann ich inzwischen auswändig)…

Pssst, weitersagen:

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