Jörg Haider ist tot

(Foto: dpa)
Es ist ein komisches Gefühl, was ich da in der Magengegend habe. Ganz bestimmt keine Freude, wie der wohlmöglich einzige Widerspruch der Evolutionstheorie empfinden würde, wenn jemand mit der falschen Religion, Hautfarbe oder Gesinnung ums Leben kommen würde.
Mein erster Gedanke: Was wäre, wenn es jemanden erwischt hätte, der sich für das genaue Gegenteil dessen eingesetzt hätte, wie Haider. Völkerverständigung, Annäherung und Toleranz? Die Horde der politisch inkorrekten Kretins wäre in Jubelgeschrei ausgebrochen.
Der zweite Gedanke: Warum breche ich eigentlich nicht in Jubelgeschrei aus? Ich bin kein guter Mensch, der alle Menschen liebt, egal welche Weltanschauung sie haben. Ich mache mir meine ganz eigenen Gedanken über die Meinungsfreiheit und ich würde keinem Nazi auf die Beine helfen, wenn er mit seinen vollen Einkaufstüten auf der Straße ausrutschen würde.
Aber Freude bei dem Tod eines solchen Menschen? Klar, man spricht oft davon, dass man Nazis und solche die es gerne wären, alles Übel dieser Welt wünscht. Aber wenn es passiert, hält man inne und denkt sich: Ja schon, aber würde nicht das Absinken in der Egalheit ausreichen? Das Verschwinden des Publikums, oder besser noch die Erkenntnis, dass sie vollkommen im Umrecht sind. Ja, das wäre es gewesen. Das wünsche ich Menschen wie Haider: Die wahre Erkenntnis, dass das was sie denken, so falsch ist und so gegen die Natur der Masse, dass sie zusammenbrechen und einfach nie wieder mit jemanden über ihre vollkommen nachweisbar falsche Meinung reden.
Aber nicht den Tod.



11. October 2008 um 14:39 Uhr
w sagt,
da hast du recht.
11. October 2008 um 15:09 Uhr
KWentin sagt,
interessant, das auch du dich hier dazu äußerst.. scheint ja echt hohe wellen zu schlagen.
grüße aus klagenfurt :ouw
11. October 2008 um 18:27 Uhr
Cookie sagt,
Heute morgen, als ich das im Radio gehört habe, habe ich mir ganz ähnliche Gedanken dazu gemacht. Es täte mehr weh, wäre er anders und anderer Gesinnung gewesen. Aber Freude, Genugtuung, Schadenfreude? Nein, trotzdem nicht. Es ist immer hart, wenn ein Mensch so plötzlich stirbt. Und es gibt immer jemanden, der um ihn trauert.
11. October 2008 um 21:28 Uhr
POLTISCH KORREKT sagt,
„Aber Freude bei dem Tod eines solchen Menschen? Klar, man spricht oft davon, dass man Nazis und solche die es gerne wären, alles Übel dieser Welt wünscht. Aber wenn es passiert, hält man inne und denkt sich: Ja schon, aber würde nicht das Absinken in der Egalheit ausreichen? Das Verschwinden des Publikums, oder besser noch die Erkenntnis, dass sie vollkommen im Umrecht sind. Ja, das wäre es gewesen. Das wünsche ich Menschen wie Haider: Die wahre Erkenntnis, dass das was sie denken, so falsch ist und so gegen die Natur der Masse, dass sie zusammenbrechen und einfach nie wieder mit jemanden über ihre vollkommen nachweisbar falsche Meinung reden.
Aber nicht den Tod.“
Das hast du sehr schön auf den Punkt gebracht.
11. October 2008 um 21:49 Uhr
Von rechts wegen hat es sich ausgehaidert « Buchstaeblich seltsam! sagt,
[…] Pantoffelpunk ist auch schon ganz wehmütig, das Perlenschwein winkt hinterher, Malcolm wünscht zwar niemandem etwas so Schlimmes, hätte Jörg Haider andererseits auch keinen Sechser im […]
11. October 2008 um 23:09 Uhr
Pat Bateman sagt,
irgendwie musste ich bei dem beitrag daran denken, daß es wahrscheinlich auch eine sorte mensch gibt, für die die bedeutungslosigkeit etwas „schlimmeres“ als der tod ist…
ein gedanke, völlig unabhängig von haider.
ansonsten stimme ich dir zu. anderen den tod wünschen würde bedeuten, sich mit leuten auf eine stufe zu stellen, die das nicht verdient haben…
12. October 2008 um 12:50 Uhr
b. sagt,
und förderst du nicht mit diesem Artikel, dass nicht-egal-sein dieser Person, das noch-eine-Weile-länger-im-Gedächtnis-bleiben? Warum?
13. October 2008 um 22:53 Uhr
kwentin sagt,
b.: „never again“… daran erinnern ist nichts schlechtes, sich kritisch damit befassen auch nicht. find ich.
15. October 2008 um 16:12 Uhr
Manuel sagt,
In den Nachrichten kam grade, dass er mit 142 km/h und 1,8 Promille ein riskantes Überholmanöver durchgeführt hat.
Auch wenn er Tot ist, kann man nur sagen, selbst Schuld.
16. October 2008 um 18:00 Uhr
solo61 sagt,
tja wie immer man sich hierzu äussert,so wird es als falsch angesehen.
aber gibt es für solche leute eine andere gerechtigkeit,als die,bei der sie ein urteil selbst vollstrecken,welches sie gerne gerne an anderen vollstrecken würden?