Die 90er – Der Song
Oder: Wie ich beinahe nach nebenan gegangen wäre, um unserem Nachbarn die Fresse zu polieren.
Ich habe da eine Brüllerstory, die ich mich eigentlich nicht zu bloggen getraut habe. Zusammengefasst geht sie ungefähr so (Ich muss jetzt ausholen, sorry! Aber bitte bis zum Ende lesen – es lohnt sich!):
Vor ein paar Wochen haben die Kleine und ich einen Brief bekommen. Absender: Der Nachbar von nebenan, der sowieso schon immer ein bisschen seltsam war. So seltsam, dass ich mich im nachhinein wirklich schwer getan habe, darüber zu sprechen, aus Angst ergoogelt zu werden..
Der Brief handelte davon, dass die Kleine und ich zu laut fernsehen. Das lassen wir einmal dahingestellt, denn obwohl wir niemals lauter als Zimmerlautstärke schauen, sind wir uns nie sicher gewesen, was man davon nebenan hören kann.
Unser Nachbar wäre aber nicht unser Nachbar, wenn er nicht auch die eine oder andere prima Idee gehabt hätte, um das Problem zu lösen:
Wir könnten uns ein Fernseher fürs Schlafzimmer kaufen und ab 22:00 das Zimmer wechseln.
Wir könnten mehr lesen.
Wir könnten das Wohn- mit dem Schlafzimmer tauschen, so wie unsere Vormieterin dies getan hatte (Die übrigens bis zum Jahre 1989 hier wohnte. Woher weiß er in welches Zimmer sie… SCHEISSE, wurde eigentlich das Schloss unserer Haustür ausgewechselt?!?).
Allesamt Vorschläge, die er uns nochmals machte, als wir ihn schwer verstört darum baten mit uns zu sprechen. Er schlug vor ein Käffchen bei Kaisers (ja, dem Supermarkt!) zu uns zu nehmen. Wir pochten auf unseren Heimvorteil und luden ihn in den Ort des Geschehens ein. Da saß er nun, mit einem Zettel in der Hand, auf der Notizen zu unserem Treffen zu lesen sei. Wie zum Beispiel die Notiz: „Die Deutschen schauen durchschnittlich anderthalb Stunden pro Tag fern. Sie schauen bis zu sechszehn Stunden.“
Stimmt nicht, aber egal.
Zu den oben genannten Vorschlägen reihten sich noch sagenhafte Ideen dazu, wie zum Beispiel: „Wechseln Sie doch öfter den Raum. Das mache ich auch oft. Sie glauben garnicht wie angenehm das sein kann.“, „Lesen Sie öfters ein Buch. Ihre Nachbarn von gegenüber tun dies auch gern und oft.“, „Unterhalten Sie sich doch öfter. Aber bitte nicht im Wohnzimmer – ich kann Sie hören.“
Auf das Argument, dass wir die Zimmer nicht miteinander tauschen könnten, weil wir immer das Wohnzimmer anheizen müssen, reagierte er mit einem „Ach, die 10 Euro im Monat!“, was er nicht einmal zurücknahm, als ich lautstark die Augenbrauen und Luft hochzog! Zum Glück hielt mich die Kleine mit ihrem Killerblick davon ab ihm ein paar zehneuroscheingroße Schleifpapierfetzen in den Arsch zu schieben und kräftig zu rühren. Anschließend sagte er: „Also, ich bin jetzt schon ein bisschen überrascht, dass Sie nicht merken wollen, dass Sie mich stören. Ich schalte immer das Radio laut ein und trage es in das an Ihr Wohnzimmer angrenzende Zimmer, und daraufhin machen Sie immer leiser.“
Soso. Aha. Wir haben ihn eigentlich noch nicht gehört.
Zu guter letzt schalteten wir den Fernseher ein, um ihm zu beweisen, dass wir wirklich nicht laut schauen würden. Er ließ sich nicht davon beirren, dass man nichts vom Programm verstand, sobald jemand einatmete und starrte auf das Bild, als hätte jemand Zwerge in einen Kasten gesperrt. Als er doch ein Wort herausbrachte, war es nur: „Mir wäre es dennoch lieber, wenn Sie den Fernseher ausschalten würden.“
Selbst unser Entgegenkommen den Fernseher mit dem Sofa zu tauschen wurde nicht gewürdigt, also schlug die Kleine vor, dass ich jetzt mal in seine Wohnung gehen und mir anhören könnte, was es gegen die momentane Lautstärke zu sagen gäbe. Unser Nachbar regte sich urplötzlich wieder und bewegte seinen Blick endlich von unserem Fernseher weg, denn so richtig lebendiges Leben, welches größer als ein Meerschweinchen ist („Ich bewahre meine Meerschweine in der Mitte der Küche, in der Mitte der Wohnung auf, weil Meerschweine sehr laut sein können und ich Rücksicht auf Sie nehmen möchte.“) hat seit ca 30 Jahren seine Türschwelle nicht überschritten.
So machte ich mich auf, in die Wohnung, die vor mir noch kein Nachbar zu Gesicht bekommen hatte, anzuschauen. Ich rechnete mit dem Schlimmsten und wurde nicht enttäuscht. Wir wussten, dass der Herr ein Künstler ist, aber was sich dort auf expressionistische Art entfaltete, verschlug mir beinahe den Atem. Nun gut, ich will ihm wirklich sein Können nicht absprechen, aber verstört haben mich die Bilder dann doch (Stichwort: Trill Verpackung auf Speed).
Wir betraten das Zimmer, das an unser Wohnzimmer grenzt und er schaltete das Licht an. Eine höllisch laut summende Glühbirne erhellte noch die letzten Bilder und ich schaute den Nachbarn an, darauf achtend die Angst aus meinem Blick und meiner Stimme zu bannen.
„Sind Sie sicher, dass Sie unseren Fernseher hören?“
„Ja. Ich höre, wie Sie Horrorfilme schauen und am Wochenende sehen Sie gerne Cartoons.“
Verdammt. Erwischt.
„Nun hört man aber gerade nichts. Wunderbar, dann würde ich sagen, dass wir ab 22:00 diese Lautstärke nehmen und niemand ist eingeschränkt!“
„Mir wäre es trotzdem lieber, wenn Sie den Fernseher ausschalten würden.“
„Und mir wäre es lieber, wenn meine Frau mich nicht ständig zum Abwaschen verdonnern würde, aber Sie wissen ja wie das ist.
Achso. Nein. Vielleicht doch nicht.“
Der letzte Witz, der die Stimmung wieder auflockern wollte, ging auch noch daneben und ich versuchte beschwichtigend mit Höflichkeiten das Nachbarschaftsverhältnis aufrechtzuerhalten, auch oder gerade weil mir immer öfter der Name „Hannibal Lector“ in den Sinn kam.
Seit diesem Tag schauen die Kleine und ich sehr selten Fern. Wir haben ein wenig Angst, zugegeben.
Die Idee im Wohnzimmer lautstark youporn.com aufzudrehen und mich bei dem Nachbarn für die großartige Idee Wohn- mit Schlafzimmer zu tauschen („Seitdem läuft das wie geschmiert, wissen Sie? Achso, nicht. Stimmt ja…“) birgt einen gewissen Reiz, allerdings traue ich mich nicht, seitdem immer öfters auch tagsüber sein Radio zu hören ist.
Zumindest glaube ich es.
Ich bin nicht ganz sicher.
Gestern Abend war ich es, allerdings und so wäre ich beinahe in Boxershorts zu unserem Nachbarn gegangen, um ihm gehörig die Meinung zu geigen, denn der Fernseher war wirklich beinahe auf stumm, wurde aber von der Kleinen abgehalten, die auf ihren Stiefbruder hinwies (Anwalt.).
Das Gebrabbel und unmelodische Geseiere war beinahe so laut wie der Fernseher und irgendwann reichte es mir. Ich ging zu Bett und schwor mir heute darüber zu schreiben. Mir doch egal was Hannibal davon hält.
Womit ich allerdings nicht gerechnet hätte: Der Nachbar von nebenan war unschuldig! Der „Krach“ kam nämlich nicht von nebenan, sondern…
…von unten!
Ich wohne nämlich nicht nur mit seltsamen Soziopathen in einem Haus, sondern auch mit seltsamen Bloggern, die mitten in der Nacht kreativ werden und ein Lied schreiben. Und das geht wiederrum so:
Die 90s – Der Song from Nilz Bokelberg on Vimeo.
Disco, Disco! Good, good!









Haha, sehr gute geschichte. :D