Richard Dawkins – Gotteswahn (inkl. Auszüge)
Eigentlich wollte ich schon länger über Richard Dawkins – Gotteswahn schreiben, dem erste Buch, welches ich gleich zweimal hintereinander gelesen habe. Am Montag mit einem lauten Aufseufzen die letzte Seite gelesen und am Mittwoch gleich wieder angefangen.
Der Blogbeitrag sollte nicht allzulang werden, da ich zwar glaube, dass Deutschlands schönsten und schlauesten Blogleser ihre Bildung durch Lesen gewonnen haben, aber am Bildschirm vermutlich nicht länger als ein halbes Dutzend Absätze aushält. Zumindest geht es mir so. Andererseits kann man so ein Buch und so ein Thema nicht in einer handvoll Absätze abwatschen, also wartete ich.
Bis ich von dem neunjährigen Mädchen hörte, das exkommuniziert wurde, weil es abgetrieben hat. Die Ärzte und Mutter natürlich gleich mit. Wenn man schon dabei ist, kann man ja alles in einem Abwasch erledigen. (Link)
Die katholische Kirche, die zunächst mit einer Strafanzeige wegen Mordes gegen die Mutter des Mädchens gedroht hatte, erklärte die Exkommunizierung aller Beteiligten. Nach dem Kirchenrecht sei dies in jedem Fall automatische Folge einer Abtreibung.
Von dem Stiefvater vergewaltigt und geschwängert zu werden ist wahrscheinlich das Schlimmste, das man sich für so ein Mädchen vorstellen kann. Dass die Kirche nichts besseres zu tun hat, als sie rauszuwerfen, weil sie unter anderem aus gesundheitlichen Gründe die Zwillinge abtrieb, ist ein Zeichen dafür wie krank die Kirche tatsächlich ist. Und jeder einzelne, der diese Kirche in Schutz nimmt oder nicht wenigstens bei dem nächsten Messebesuch seinen örtlichen Weihrauchdealer fragt wie man als gläubiger Christ etwas zu der Exkommunikation der Verantwortlichen beitragen kann, sollte sich darüber im klaren sein, dass er/sie ein wandelnder Beweis für die Nichtexistenz eines Gottes ist.
Aber fangen wir ersteinmal mit einem Zitat aus einer Stehgreifrede, die Douglas Adams in Cambridge kurz vor seinem Tod hielt:
(…) Im Grunde heißt das Folgendes: „Wir haben hier eine Idee oder Vorstellung über die man nichts Abträgliches äußern darf; das darf man einfach nicht. Warum nicht? Darum!“ Wenn jemand eine Partei wählt, mit der man nicht einverstanden ist, darf man so viel darüber streiten, wie man will; jeder wird ein Argument für oder wider haben, aber keiner ist deswegen gekränkt. Wenn jemand meint, die Steuern sollten erhöht oder gesenkt werden, dann steht es jedem frei, sich darüber zu streiten; wenn aber andererseits jemand sagt: „Ich darf am Samstag kein Licht anknipsen“, dann sagt man: „Gut, ich respektiere das.“ (…)
Damit soll erst einmal geklärt sein, dass ich mir das Recht herausnehme sowohl die Kirche, als auch Gläubige zu kritisieren, so wie ich mir dasselbe Recht herausnehme kleine Mädchen zu kritisieren, die bei Bill Kaulitz Anblick kreischend in Ohnmacht fallen, oder an dem Verstand von Menschen zu zweifeln, die der Meinung sind, dass Radiohead nicht die beste Band aller Zeiten sind. Und damit sind wir an dem Punkt, dass ich mir auch gerne, in einem geregelten Maße, Kritik anhöre. Es darf sogar spitz, zynisch und humorvoll zugehen. Ich bin niemandem böse, denn ich nehme mir nicht heraus mit allem Recht zu haben, sondern eine Meinung.
Meinungen können nun argumentativ gestärkt werden, oder dank der Erfindung des Wortes „Fanboy“ absolut haltlos sein. Dass sich ein Fanboy nicht zu wundern braucht, dass man über ihn lacht, braucht man an dieser Stelle nicht zu erwähnen, denke ich. Bei den Filmfreunden musste ich mir genug anhören, seitdem Transformers im Kino lief und Wolverine: Origins bevorsteht.
Aber Fan von etwas zu sein, ist ungefährlich.
Religion dagegen nicht.
Ich werde ein paar Stellen aus Dawkins Gotteswahn zitieren, um jemanden zu Wort zu lassen, der meine Gedanken, die ich schon seit Jahren hege, aber nie beschreiben konnte, in die richtigen Sätze packt. Dawkins selbst zitiert aus unzähligen Büchern, weswegen ich der Einfachheit halber einfach den Namen vor den Zitaten schreibe, sollte fremdzitiert werden.
Danach könnt ihr euch gerne in den Kommentaren die Schädel einschlagen.
Bertrand Russel: Viele strenggläubige Menschen reden so, als wäre es die Aufgabe der Skeptiker, überkommene Dogmen zu widerlegen, und nicht die der Dogmatiker, sie zu beweisen. Das ist natürlich ein Fehler. Würde ich die Ansicht äußern, dass eine Teekanne aus Porzellan zwischen Erde und Mars auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreist, so könnte niemand diese Behauptung widerlegen, vorausgesetzt, ich füge ausdrücklich hinzu, die Teekanne sei so klein, dass man sie selbst mit unseren stärksten Teleskopen nicht sehen könne. Würde ich dann behaupten, weil man meine Behauptung nicht widerlegen könne ,sei es eine unerträgliche Überheblichkeit der menschlichen Vernunft, daran zu zweifeln, so würde man mit Recht sagen, dass ich Unsinn rede. Würde die Existenz einer solchen Teekanne aber in antiken Büchern bestätigt, jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und den Schulkindern eingetrichtert, so würde jedes Zögern, an ihre Existenz zu glauben, zu einem Kennzeichen von Exzentrik, und der Zweifler würde in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit von Psychiatern erregen, in einer früheren Zeit dagegen die Inquisitoren.
Wenn Gott allwissend ist, muss er bereits wissen, wie er mit seiner Allmacht eingreifen und den Lauf der Geschichte verändern wird. Das bedeutet aber, dass er es sich mit dem Eingriff nicht mehr anders überlegen kann, und demnach ist er nicht allmächtig.
(Mein Lieblingsteil, der die Nichtexistenz Gottes plausibel beweist, ohne Gegenbeweise zuzulassen. Zumindest keine, die mir einfallen, so sehr ich mich auch anstrenge!)
Douglas Gasking
1. Die Erschaffung der Welt ist die größte vorstellbare Errungenschaft.
2. Der Wert einer Errungenschaft ist das Produkt (a) ihrer inneren Qualität und (b) der Fähigkeiten ihres Schöpfers.
3. Je größer die Unfähigkeit (oder Behinderung) des Schöpfers ist, desto eindrucksvoller ist die Errungenschaft.
4. Die größte Behinderung für einen Schöpfer würde darin bestehen, wenn er nicht existiert.
5. Wenn wir also annehmen, dass das Universum das Produkt eines existierenden Schöpfers ist, können wir uns ein noch größeres Wesen vorstellen, nämlich eines, das alles erschaffen hat, obwohl es nicht existiert.
6. Ein existierender Gott wäre also nicht so groß, dass man sich nicht noch etwas Größeres vorstellen könnte, denn ein viel leistungsfähigerer und unglaublicherer Schöpfer wäre ein Gott, den es nicht gibt.
Also:
7. Gott existiert nicht.
Sollte jemand, der die Bibel wörtlich nimmt, sich nicht darüber wundern, dass Matthäus die Abstammung des Joseph von König David über 28 Zwischengenerationen zurückverfolgt, während es bei Lukas 41 sind. Und was noch schlimmer ist: Bei den Namen in den beiden Listen gibt es so gut wie keine Übereinstimmungen!
(Kleine Frage meinerseits: Wer die Bibel nicht 100% wörtlich nimmt, darf mir gerne in den Kommentaren erklären nach welchen Kriterien man die Stellen auswählt, die wörtlich zu nehmen sind und welche nicht. Dazu passt hervorragend das nächste Zitat.)
Das Fegefeuer ist nicht zu verwechseln mit der Vorhölle, in die Babys wandern, wenn sie ungetauft sterben. Aber was ist mit den abgetriebenen Föten? Mit Blastocysten? Erst kürzlich hat Papst Benedikt XVI. mit dem üblichen überheblichen Selbstbewusstsein die Vorhölle abgeschafft. Heißt das, dass alle Babys, die seit Jahrhunderten dort geschmort haben, nun plötzlich in den Himmel fliegen? Oder bleiben sie dort, und nur die neu Hinzugekommenen entgehen der Vorhölle? Oder hatten frühere Päpste trotz ihrer Unfehlbarkeit unrecht? Solcherart sind die Dinge, die wir „respektieren“ sollen.
(…) Blaise Pascal machte eine Rechnung auf: So unwahrscheinlich es auch sein mag, dass Gott existiert, noch größer ist die Asymmetrie im Hinblick auf die Strafe, wenn man das Falsche vermutet hat. Man sollte lieber an Gott glauben, denn wenn man recht hat, wird einem die ewige Gnade zuteil, und wenn man unrecht hat, ist es ohnehin egal. (…)
Ich kann mich entschließen in die Kirche zu gehen und das Glaubensbekenntnis zu sprechen, und ich kann mich entscheiden, auf einem Stapel Bibeln zu schwören, von deren Inhalt ich jedes Wort glaube. Aber das alles führt nicht dazu, dass ich wirklich glaube, obwohl ich eigentlich ungläubig bin. Pascals Wette kann höchstens ein Argument dafür sein, dass man so tut, als glaubte man an Gott. Dann ist aber der Gott, an den zu glauben man vorgibt, besser nicht von der allwissenden Sorte, denn sonst durchschaut er die Täuschung.
Warum heißt es, Gott sei die Erklärung für irgendetwas? Er ist es nicht – er ist die Unfähigkeit zu erklären, ein Schulterzucken, ein „Ich weiß nicht“, gekleidet in Spiritualität und Rituale. Wenn wir irgendetwas auf Gott schieben, heißt das in der Regel, dass wir keine Ahnung haben, und deshalb berufen wir uns auf irgendeine unerreichbare, unerklärliche Himmelsfee. Fragt man dann, woher dieser Gott kommt, erhält man aller Wahrscheinlichkeit nach eine unbestimmte, pseudiphilosophische Antwort, es habe ihn immer gegeben oder er stehe außerhalb der Natur. Womit natürlich nichts erklärt ist.
(Als Gegenargument würde ich zu dem letzten Absatz aber mindestens ein „In der Wissenschaft ist aber auch nicht alles erklärt!“, was sich aber mit einer Frage beantworten lässt: Woher bekommen denn Gläubige ihre Erkenntnisse. Aus welcher nachvollziehbaren Forschung kann erklärt werden was es mit ihrem Gott auf sich hat. Woher kommen Beweise? Was sind denn Beweise? Bitte. Danke. Weitermachen.)
Denn, wie George Bernhard Shaw es formulierte, „die Tatsache, dass ein gläubiger Mensch glücklicher ist, als ein Skeptiker, trägt zur Sache nicht mehr bei, als die Tatsache, dass ein betrunkener Mensch glücklicher ist, als ein nüchterner.
Und hier noch ein Link zu einer amüsanten Seite, die zig „Beweise“ für Gottes Existenz aufführen, aus denen diejenigen unter euch, die tatsächlich an einen Gott glauben, schöpfen dürfen.
Letztendlich bleibt mir nur eine Frage zu fragen: Wer hat recht und wenn ja, warum?
Während einer mir schwülstig ein „Du magst ja nicht an Gott glauben, aber er glaubt an dich!“ (scheiße, ein Herpesbläschen!) an die Stirn ballert, schwört der Nächste, dass ich in der Hölle schmoren werde und mir dort jedes Schamhaar ausgerissen und wieder reingedrückt wird.
Gerade der brutale Gott und seine Jünger sind ja sehr schnell dabei, wenn es darum geht Ungläubige mit Höchststrafen zu verfluchen. Ich habe mal vor einiger Zeit im Rahmen eines Aufrufs des sehr geehrten Herrn Batz ein, im nachhinein betrachtet eigentlich nicht sooo witziges Video (Außer vielleicht, dass ich meinen nackten Arsch zeige) veröffentlicht. Interessant sind dabei die Kommentare. Sehr gut gefällt mir dieser hier:
eh dich abknallen Junge… ich schwör aus dem hässligen Arsch deiner Mutter, aus dem du bei deiner geburt gekrochen bist…tja das kann wirklich nicht im Sinne Gottes gelegen haben..
aber viel spass noch in der Hölle,..wenn du willst verpass ich dir den Stempel, mit Höllengarantie 200grad+,
aber genieß ruhig solange noch das Leben und geh den Arsch von deinem Collegen aus dem Video ficken…du Schwule kartoffel…
Ich möchte das gerne als Schlusswort stehen lassen. Natürlich nicht ohne mich darauf zu freuen mit Gläubigen und Christen in einem gemäßigten Rahmen zu diskutieren.
Das heißt: Alles ist erlaubt. Besonders freue ich mich auf hyperventilierende Gläubige, die mir die Hölle an den Hals wünschen. Aber auch Gläubige mit Verstand (den ich, im Gegensatz zu Dawkins, ihnen nicht zwingend abspreche) sind willkommen. Mich würde wirklich brennend interessieren, wie Gläubige argumentieren. In meiner Familie werde ich entweder totgegrinst („Jaja, mein Kleiner. Red‘ du nur!“) oder ignoriert.









da fällt mir spontan meine letzte face-to-face erfahrung mit dem real existierenden katholizismus ein: es war die christmette im letzten jahr. die besuche ich für gewöhnlich, quasi der guten alten zeiten wegen… der pastor predigt und predigt und irgendwann fällt etwa folgender satz: „aber wo geht der heiland hin? er geht nicht zu den schriftgelehrten in jerusalem, die in ihrem ganzen pomp leben! nein, er geht zu den hirten, den outlaws. das war damals ein knallharter job… etc.“ ich fragte mich spontan, ob ich gerade richtig gehört habe… am 1. weihnachtstag treffe ich meine patentante, gemeindereferentin in eben jener kirche und erzähle ihr, wie gelungen ich diese stelle gefunden hätte, denn „der satz enthielt soviel wahrheit, weil eigentlich müsste man doch nur jerusalem durch rom ersetzen und schon kann benedikt einpacken, weil er sowieso keinen besuch vom christkind bekommt.“ die antwort war ein schiefes grinsen und die aussage, man könne ja auch nicht alles auf die goldwaage legen… dieses jahr bin ich wieder da.