Man in a box…

Die Bibliothek sollte, oder manchmal ist sie es sogar, einer der Hauptaufenthaltsorte eines Studenten sein und gerade wenn man sich damit beschäftigt, eine theoretische Basis für die Ausarbeitung der Magisterarbeit zu erschaffen, kommt man eben um die Büchersammelstellen nicht mehr herum.

Soweit ist das ja noch nichts Außergewöhnliches, wären da nicht ein paar Besonderheiten der Berliner Uni in Dahlem. Deren Philologische Bibliothek, meine Hauptanlaufstelle als Linguist, wurde von einem eher unbekannten Architekten namens Norman Foster entworfen, den Queen Eli, wahrscheinlich aus einer Frühstückslaune heraus, irgendwann auch noch zum Ritter geschlagen hat. Darüber hinaus ähnelt die Konstruktion einem gewissen Feature auf dem Reichstag, ebenfalls von Herrn Foster… Egal, worauf ich hinaus will: Das Ding ist bis zu einem gewissen Grad auch ein Touri-Magnet und das macht das Lernen nicht unbedingt leichter, wie man sich sicher vorstellen kann. Nicht nur die Horden von kleinen Bachelorstudierenden sorgen für eine anhaltende Grundlautstärke (kleiner Seitenhieb ;o)), nein gestern wurden auch zwei Führungen über die gesamten drei Ebenen abgehalten. Einmal Rentner, einmal Japaner und wie soll es anders sein (was wären wir ohne unsere Klischees), erstere waren nicht zu überhören und mussten sich partout in einer normalen Lautstärke unterhalten, während die Asiaten leise, aber daher sehr knipsfreudig waren. Natürlich mit Blitzlicht.

Da zieht es einem die Schuhe aus, wenn man versucht, sich mit Metaphernanalysemethoden vertraut zu machen, während zwei Etagen tiefer Opa seiner Oma erklärt, dass das hier ja dann wohl die Arbeitsplätze seien, an denen die Studenten den ganzen Tag fleißig… GENAU DIE! Kurz darauf empfindet man plötzlich ein Empathieschub für den nicht mehr so cuten Eisbär Knut, als man nämlich konstant damit beschäftigt ist, aus einer gewissen Kamerascheu heraus möglichst NICHT auf irgendwelchen Privatphotos erkennbar zu sein.

Zum Glück sitz ich heute zu Hause und hab meine Ruhe. Aber eines ist sicher: Der Photoapparat ist schon eingepackt und wenn wieder Bibliothekstouristen Studenten mit Zootieren verwechseln, dann wird beim nächsten Mal einfach zurückgeknipst. Aber pronto!

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