Gottlos glücklich
Jede Glaubensrichtung hat ihre fragwürdigen Ausprägungen. Von christlichen Selbstmordattentätern, die andere aus dem Leben reißen, hört man heute zumindest nichts. Warum schreibst du dann nicht auch solche Verhohnepipelungsposts über (z. B.) Muslime oder Hindus und deren Grundpfeiler des Glaubens?
Schrieb Torsten gestern in den Kommentaren.
Vielleicht ist das ein guter Anfang für einen Blogbeitrag, der vielleicht ein wenig erklärt welches Problem ich mit Religionen habe. Ich dachte eigentlich, dass der Beitrag über Richard Dawkins Buch „Gotteswahn“ ein bisschen Licht ins Dunkle bringt, aber vielleicht bin ich zu wenig auf meinen persönlichen Bezug zur Religion eingegangen.
„Gotteswahn“ hat so ziemlich alles bestätigt was ich gedacht habe und viel mehr erklärt, worüber ich mir keine Gedanken gemacht habe. Dabei habe ich eigentlich gar kein so großes Problem mit dem Glauben, sondern viel mehr mit Religionen, die quasi das Ganze nochmal organisieren und immer Menschen etwas aufzwingen (fängt bei der Taufe an, hört bei der Beerdigung auf).
Ich betone das Wort „Aufzwingen“. Es ist nämlich genau das was den Atheisten angekreidet wird.
Eigentlich wollte ich mir etwas Zeit lassen und meine Gedanken sortieren, bevor ich munter darauf los schreibe, aber dann kam mir Bischof Mixa mit seiner Rede am Tag der wandelnden Toten in die Quere und mein Puls raste wieder in die Höhe.
Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen
Wer so etwas sagt und ernsthaft meint, beweist mir um wieviel besser die Welt ohne Religion wäre. Und wenn es nur dazu dienen würde solche Schwätzer davon abzuhalten eine öffentliche Wahrnehmung zu genießen. Jemand, der einem Verein angehört, der über Jahrhunderte hinweg Menschen getötet, gefoltert und zerstört hat, sollte sich mit etwas mehr Zurückhaltung schmücken.
Warum ich nur über die christliche Religion Witze mache? Wir leben auf der christlichen Seite der Welt und da bietet es sich an. Würde ich in einer islamisch geprägten Welt leben, würde ich eben diese in Frage stellen, auch wenn die Gefahr bestände, dass ich dafür mein Leben lassen müsste. Was aber wirklich nicht dazu einladen soll die christliche Religion über einer anderen Religion zu heben. Das zeigt lediglich wie groß der Machtverlust der christlichen Kirche ist und ich komme nicht umhin zu sagen, dass es mir mehr und mehr Genugtuung bereitet. Religion muss freiwillig bleiben und wer weiß wie die christliche Kirche agieren würde, wenn es dürfte wie es wollte.
Was mich daran erinnert, dass ich Dienstag bei dem Kirchenfinanzamt anrufen muss, um zu klären warum sie verdammt nochmal nicht in der Lage sind ihr gottverdammtes Telefon zu nehmen und in Braunschweig anzurufen, um von ihnen zu hören, dass ich vor Jahren ausgetreten bin. Aber nein, ich soll nochmals Geld ausgeben, um es zu beweisen!.
Immer wieder muss ich mir anhören, dass ich ja nicht beweisen kann, dass Gott nicht existiert. Ich kann auch nicht beweisen, dass zwischen der Erde und dem Mars kein Teekännchen in einer festen Umlaufbahn schwebt, aber da muss ich mir nicht anhören, dass ich ein Ignorant sei. Wenn es aber zu dem Gott kommt, muss ich aufpassen, dass ich niemanden verprelle, wenn ich Späße mache und das ist der Moment, in dem ich erst recht auf Konfrontation gehe. Für mich gibt es eben keinen Unterscheid zwischen dem Glauben an einen Gott und dem Glauben an den Osterhasen. Beides stammt aus derselben Liga und es gibt nichts und niemanden, der bisher hieb und stichfest beweisen konnte, dass es den Gott aus der Bibel gibt.
Gegenargumente zu den meist fadenscheinigen „Beweisen“, die Gläubige bringen, gibt es ja zur Genüge und doch verlangt man immer wieder, dass man die Nichtexistenz einer Sache beweist. Nur wie soll man die Nichtexistenz einer Sache beweisen, wenn die Argumente nicht wahrgenommen werden (wollen)?
Besonders gut gefällt mir übrigens die Einstellung der Do-It-Yourself-Religion. Dabei verleugnet man schwarze Schafe aus der eigenen Mannschaft, streicht bewusst Stellen aus der Gebrauchsanweisung (Bibel) und bastelt sich ein Gott nach gut dünken. Was mir daran gefällt ist die Ehrlichkeit, die oberflächlich zwar nicht vorhanden ist, weil es unehrlich scheint, wenn man sich nur an eine Hälfte der Religion hält, zu der man gehört, aber andererseits ein Eingeständnis dafür ist, dass man zweifelt. Letztendlich glaubt man nicht 100%ig an das was einem vorgekaut wurde, sondern nimmt sich nur das mit, was einem am Besten gefällt. Und damit beweist man, dass es nicht wahr sein kann, woran man glaubt. Über Jahrtausende hinweg haben viele Menschen an dem Glauben herumgepfuscht. Da wurde aus unzähligen Volksliedern und Geschichten geklaut, wenn es passte, Dinge hinzugedichtet, wenn es nützte und Stellen gestrichen, wenn es für jemanden den Verlust seiner Macht bedeutete.
Ich glaube auch an etwas. Das woran ich glaube, mische ich mir genauso zusammen, wie Christen, Moslems, Juden usw. es tun; Eben so wie es mir passt. Ich mache mir oft etwas vor, dichte mir Geschichten, bin teilweise sogar abergläubisch! Aber das ist menschlich. Das Leben wäre schwer zu ertragen, wenn man sich nicht seine eigenen Geschichten ausdenken könnte. Ich brauche das, weiß aber ganz genau, dass das was ich mir da ausdenke nicht der Wahrheit entspricht, weil es gegen jegliche Logik verstößt. Das unterscheidet mich von den Gläubigen.
Zu guter letzt möchte ich aber noch eine kleine Lanze für die Religion brechen, denn so ganz ohne diese Lanze will ich nicht in den Feierabend gehen. Wir haben den Religionen und dem Glauben an ein übermächtiges Wesen gar nicht mal so wenig zu verdanken, wenn wir von Millionen Toten und Terror absehen. Die Kirche (egal welche) hat enorm viel zu unserer Kultur beigetragen und die letzten Jahrtausende entscheidend geprägt. Außerdem ist es so einfach darüber Witze zu machen, dass sogar ich ab und zu einen Volltreffer lande!
Davor ziehe ich meinen Hut.
Abschließende Frage: Wo ist der Unterschied zwischen irgendeiner Religion mit seinen Anhängern und irgendeinem Fußballverein mit seinen Fans?























*applaudier* Vielen Dank für den Artikel! Ausdrucken und aufhängen. Sehr gut geschrieben – werde ich direkt mal an ein paar Leute weiterleiten.