Wir müssen nur wollen

Die letzte Woche in Bremen war die anstrengenste Woche der letzten…äh…Wochen.
Anfangs noch optimistisch eingestellt, befürchtete ich schon nach wenigen Tagen unausgelastet und unterbeschäftigt zu sein. „Chef-Benny“ lachte kurz und beteuerte, dass ich mir darüber mal wirklich keine Gedanken machen sollte.
Gebremst wurde ich zu aller erst, als ich in dem schmucken Design-Hotel morgens um 6:00 von Klackern (über mir) und Schubbern (unter mir) geweckt wurde. Drei Tage hielt ich durch, bis ich endlich den Mut aufbrachte zur Rezeption zu gehen und mich über die Schnalle in Stöckelschuhen über mir und dem Möbellager unter mir zu beschweren.
„Kann… Nicht… Schlafen. Laut. Machen Sie… Mache… Machen Sie bitte etwas…“
„Herr Bunge, warum sagen Sie denn nichts? Sie bekommen natürlich ein neues Zimmer!“
Ich konnte garnicht so schnell schauen, wie ich ein neues Zimmer bekam und so lag ich wenige Sekunden später in einem butterweichen Bett und versuchte den Schlaf der letzten Tage nachzuholen.
UnzUnzUnzUnzUnz…
Das rechte Auge flog auf und kurze Zeit später folgte das linke Augenlid.
UnzUnzUnzUnz
Irgendwo in unmittelbarer Nähe feierte jemand lautstark das Wochenende und ich schien mitten drin zu sein. Unfähig die Party um mich herum zu erfassen und gleichzeitig einzuschlafen, wälzte ich mich hin und her, bis ich erneut den Mut aufbrachte mich zu beschweren.
„Bllgrkn üü.. schlaf.. meh..“
„Komisch, das kann ich mir jetzt nicht erklär… Ah, ich sehe schon. Sie sind im dritten Stock, nicht wahr? Ja, wie es aussieht, feiert man im sechsten Stock eine kleine Party. Wir kümmern uns drum.“
Gesagt, getan. Ein dreißig Kubikmeter großer Hotelangestellter trug mich, inzwischen tief und fest am Tresen eingeschlafen, in mein Zimmer zurück, deckte mich zu, küsste mich sanft auf die Stirn und verkloppte die gesamte sechste Etage, bis es endlich still war.
Aber ich wurde nicht für meine Schlaflosigkeit bezahlt, sondern dafür, dass ich einer Gruppe Volontäre bei der Umsetzung einer ihnen auferlegten Aufgabe unter die Arme greifen sollte. Eine Woche zuvor hatten sie ganz alleine ein Seiten-Design zusammengeklöppelt, um mich in der Woche darauf auf Trab zu halten. Und während ich es in ein Content-Management-System verwandelte, machten sie sich daran das Ganze mit Inhalten zu füllen.
Ich denke, ich war mit einer der Erstauntesten, als ich am Ende sah was wir da alles eingebunden haben. Die Kleinen hatten tatsächlich Soundslides, Videos, Interviews, Fotos und Artikel zusammengetragen und ein kleines, aber feines Online-Magazin geschafft. Nicht ohne Stolz möchte ich also hier das Ergebnis tagelanger Schlaflosigkeit, ungesundem Essen, viel Bier und gerissenen Nervensträngen präsentieren:
Danke nochmal an Hanna Möllers, Isabelle Werner, Janine Horsch, Lena Döring, Teja Adams, Tobias Nagorny und ganz besonders an Benjamin Denes für den Einblick in das Leben angehender waschechter Journalisten und dafür, dass ihr mir nicht böse wart, als ich zum Schluss ein bisschen ungehalten wirkte. Das lag nicht an euch. Das lag daran, dass ich den Geruch des Hotelangestellten nicht aus meinen Klamotten gekriegt habe, der sich nach dem Verkloppen der sechsten Etage in mein Bettchen legte und in Löffelchenstellung auf mich aufpasste, sodass ich endlich mal eine Nacht länger als zwei Stunden schlafen konnte!
Das, liebe Kinder, nennt man Service.









Malcolm – liebster aller „Website-Füchse“!
Es war uns ein Vergnügen, mit dir arbeiten zu können! Wie oft auf dein „das wird schwierig“ das unglaubliche „huch! Ich glaub das kriegen wir DOCH hin“ folgte…ich habe dich und auch Benjamin bei unserer Premiere in den höchsten Tönen gelobt – womit? Mit Recht!
Vielen lieben Dank, dass wir dir deine Zeit stehlen durften :))!
Liebe Grüße,
Janine