Ich will an dieser Stelle etwas ausprobieren. Genauer gesagt möchte ich wissen, ob man eine Endlosgeschichte auch in einem Blog schreiben kann. Das System kennt ja bestimmt jeder, spätestens seit der Schulzeit oder langweiligen Uni-Vorlesungen. Jemand fängt an, eine Szene oder Handlung über einige Zeilen zu beschreiben, wobei andere an dieser Stelle ansetzen, wieder einige Zeilen dazufügen usw. Im Idealfall hat man am Ende eine Geschichte, die meistens eine krude Mischung darstellt, den jeweiligen Vorlieben entsprechend ein Gemenge aus dem Horror-, Thriller-, Drama- und Romantik-Genre.
Ich denke, mehr braucht man auch nicht als Erklärung. Die folgenden Zeilen sauge ich mir als Start aus den Fingern und alle sind herzlich eingeladen, den Faden nach eigenem Gutdünken weiterzuspinnen und jeweils am Kommentar darüber anzusetzen.
Los gehts…
„Wer sagte nochmal alles, dass ich nicht Recht habe“, dachte Lennard unaufhörlich, während er nun schon seit einigen Stunden immer wieder einen Fuß vor den anderen setzte. Alle hatten sie ihm abgeraten, den Aufstieg alleine zu wagen. Zu gefährlich, in deinem Zustand, denk doch an deine Familie, das waren die Einwände, die er immer wieder zu hören bekommen hatte. Tatsächlich war seine Wahl auf einen Berg gefallen, der für plötzliche Wetterumschwünge berühmt und noch mehr berüchtigt war. Aber er wollte es schaffen, ohne fremde Hilfe und war überzeugt, bestens gerüstet für die Kletterpartie zu sein. Wenn er nach oben schaute, konnte er die Bergspitze nicht erkennen. Dicke Wolken hatten sie umhüllt…






Dicke Wolken hatten sie umhüllt, aber sie war da. Sie war direkt vor ihm, er konnte es spüren. Zu lange hatte er auf diesen Augenblick gewartet, jetzt gab es kein Zurück mehr. Hinter ihm lag das Wärme versprechende Lager, vor ihm sein Traum. „Ich werde dich bezwingen“, dachte er und stapfte weiter durch den Schnee. Schritt für Schritt, Meter für Meter. Sein Gesicht fror, seine Beine zitterten leicht… Moment, waren das wirklich seine Beine? Oder zitterte der Berg? „Reiß dich zusammen Lennard!“, sagte er laut, so als könne er damit alle unnützen Gedanken in die Flucht schlagen. Und doch, jetzt spürte er es ganz deutlich. Der Berg bebte. …
Der Berg bebte. Und da passierte es: Lennard fiel. Immer näher kam der Boden ihm entgegen. Reflexartig dachte er zurück an seine Freunde, die ihn alle gewarnt hatten, und hätte sich wohl ziemlich blöd gefühlt, wenn sich nicht just in diesem Moment sein Gehirn ob des harten Aufpralls über ein Felsplateau verteilte und zusammen mit den matschigen Überresten seines Körpers entfernt an ein Jackson-Pollock-Gemälde erinnerte.
„Verdammte Scheiße“ fluchte Mert leise in Anbetracht der Sauerei zu seinen Füßen und fragte sich bereits zum zweiten Mal in dieser Woche, ob es solch eine gute Idee gewesen war, den Putzjob bei der Bergreinigung anzunehmen…
Eigentlich wollte er ja nach Vanuatu, aber Plätze bei der Sektion „V.U.L.K.A.N“ waren reserviert für die besten der besten. Diejenigen, die sich in tausenden Stunden knochenharter Arbeit im Himalya Gebirge oder in den Anden als die Elite der Bergreinigung erwiesen hatten.
Vor ihm lag noch ein langer Weg. Allein die monatlichen Risikoprämien ließen Mert dranbleiben. Die zusätzlichen Zahlungen waren es gewesen, die ihn verführt hatten diesen Job anzunehmen. Die Prämien und die Enternung zu seiner Schwiegermutter.
Wieder bebte der Berg und Mert versuchte sich zu erinnern was der zweite Punkt in seinem Vertrag war, der die Risikozahlungen begründete.
Abgesehen von den gelegentlichen unerklärlichen Beben im Gesteinsinneren waren das..
…
als er eine Lawine von Berggemsenkökeln auf sich zurollen sah fiel es ihm wie Schuppen von den Augen – das war der 2te Punkt in den Risikobeschreibungen seines Arbeitsvertrages: Der „Unbezwingbare“ wie der Berg landläufig genannt wurde, ist Heimstätte der sagenumwobenen Riesenberggemse, die mit ihrem unglaublichen Monsterkökeln jährlich dutzende Bergsteiger in den Tod riss.
Die unglaubliche Gefahr rollte auf ihn zu. Wie eine schwarze Wand des Schreckenskam sie immer näher.
Mert erstarrte wie das Kaninchen vor der Schlange.
Noch 3 Meter und er würde überrollt werden.
Da kam es wie eine Erleuchtung über ihn und er erinnerte sich der mahnenden Worte seines Meisters während der ersten Lehrjahre der Bergreinigungszunft:
„Eat shit and die, coward!“ Er hatte nie ganz verstanden, was ihm der Meister damit zu verstehen geben wollte, doch jetzt, im Angesicht des Todes, in diesem kurzen Moment der Klarheit, wurde ihm die Lösung offenbart. Eat shit and die. Genau das würde er tun. Sein Entschluss stand fest, er machte sich bereit. Die Köttel-Lawine raste auf ihn kam näher und näher, bereit ihn zu zerquetschen. Er öffnete den Mund und präsentierte seine blendend weißen Zähne. Noch drei Sekunden, noch zwei, noch eine – er biss zu und fraß. Er fräste sich geradezu durch die Riesenköttel. Standhaft. Heroisch. Wie Gandalf auf der Brücke wich er keinen Zentimeter zurück. Und fraß… Nur eines störte ihn. Anders als erwartet schmeckten diese riesigen Exkrement-Gebilde nach …
…, Lakritze?
Bäh, Lakritze!
Mert schüttelte sich vor Schreck und fiel dabei aus dem Bett. Schon wieder einer dieser schrägen Lakritze-Träume, die ihn seit seiner Kindheit plagten. Er hasste Lakritze über alles.
Als kleiner Junge war er während der Besichtigung einer Süßwarenfabrik auf einem Schulausflug ohnmächtig geworden und ist dabei in eine große Kiste gefallen. Als er wieder aufwachte befand er sich in einem dunklen Kasten gefüllt mit Kisten von Lakritze. Er hörte Möwen kreischen und fühlte das Schwanken des Containerschiffes. Zwei Wochen ernährte er sich ausschließlich von Lakritze bis der Container in einem fernen Land geöffnet wurde.
Was sollte er bloß in …
… Anchorage? Das große Schild an einem Kran im Hafen war das erste, was Mert sah, als er nach vierzehn Tagen endlich seiner Befreiung aus der unfreiwilligen Unterkunft näher kam. Er stank nach Lakritze, überall. Er konnte die schwarze Masse nicht mehr ertragen, aber er wusste, dass er nur so überlebt hatte. Das Lutschen der Stangen hatte seine Speichenproduktion immer wieder angeregt. Doch zusätzlich fuhr ihm die Kälte schon seit Tagen in alle Glieder, was kein Wunder war, denn für den Schulausflug im Sommer waren T-Shirt und Shorts vollkommen ausreichend. In Alaska hingegen… „What´s that!! Who are you? A blind passenger?“ Ein griesgrämiger Hafenarbeiter hatte Mert entdeckt. Erschrocken sprang der Junge auf, was sein Gegenüber als Fluchtversuch zu werten schien. Ein Griff in seine Tasche und er zückte…
… sein Laserschwert, böse und dunkel metallisch funkelnd wie der leibhaftige Tod. Entsetzt wollte Mert einen Schritt zurückweichen. Die Lakritze hatte ihn jedoch so geschwächt, daß er schon nach der Hälfte der Strecke völlig entkräftet über einem Hyperraum-Wormholecontroller zusammenbrach und die Besinnung verlor.
Der griesgrämige Hafenarbeiter nutzte seine Chance und ließ sein Laserschwert niedersausen. Wie ein heißes Messer durch Butter fuhr das Schwert in das weiche Fleisch des Jungen und zerfetzte Muskeln, Sehnen und Nerven.
Fast tat ihm dieser Junge in Shorts und T-Shirt leid, aber…