Portugal FAQ (1)

portugal09

In den letzten zwei Wochen habe ich mich etwas rar gemacht. Das hatte keinen geringeren Grund, als dass die Kleine und ich endlich unsere Flitterwochen nachholten. In Portugal. Zwei Wochen lang erkundeten wir Spaniens Sidekick, wobei wir den Norden ausließen und uns auf Lissabon und die Algarve konzentrierten.

Im Vorfeld war die Aufregung natürlich groß, auch oder gerade weil wir so gut wie nichts über das Land wussten, außer, dass es heiß ist. Und so haben wir unsere zuvor gestellten Fragen zu unserer vollen Zufriedenheit selber beantworten. Und das geht so:


Wie hört sich eigentlich Portugiesisch an?
Portugiesisch klingt, als hätte man einen Franzosen, einen Spanier und einen Russen durch einen Mixer gejagt, um noch einen Polen drauf spucken zu lassen. Zisch- und Krächzlaute tragen dazu bei, dass keinerlei Sympathie zur Sprache aufgebaut werden kann, was sehr schade ist, da der Portugiese zu den freundlicheren Europäern gehört (sofern er sich nicht in einem Auto befindet).

Wie ist das eigentlich mit dem Autofahren in Portugal?
Jeder Portugiese mit einem Führerschein ist ein potenzieller Mörder. In Anbetracht der Tatsache, dass Portugal, laut Reiseführer, erst seit den 70ern in den Genuss von Autoverkehr gekommen ist, kann man dem Portugiesen vielleicht nachsehen, dass sie kein Auto fahren können. Zumindest sind ihnen Verkehrsregeln scheiß egal und wer etwa auf sein Recht besteht über einen frisch gestrichenen Zebrastreifen zu gehen, kann von Glück sagen, wenn er lange genug überlebt, um das vorwurfsvolle Hupen zu hören. Erstaunlich, dass Portugal lange Zeit das Land mit den meisten Verkehrstoten war und nun bis 2010 tatsächlich die Toten halbieren soll. Also die Anzahl der Toten.

Auf der anderen Seite macht Autofahren in Portugal mehr Spaß als sonstwo. Dabei ist darauf zu achten, dass das Auto mit Klimaanlage und guten Stoßdämpfern ausgerüstet ist (Heißer Tipp: Geländewagen machen gleich doppelt soviel Sinn/Spaß). Die teilweise unausgebauten Landstraßen lassen es zwar teilweise nicht zu schneller als 30 zu fahren, dafür macht es ein Mordsspaß über Pisten und Wege zu heizen! Bis auf ein paar Einbahnstraßen gibt es so gut wie keine Beschränkungen. Man darf eigentlich überall hinfahren, wenn kein Tor davor steht. So kann man einfach zwischendurch von der Straße abfahren und durch wüstenähnliche Landschaften brausen, oder durch pitoreske Kleinstädte, mit Gassen, die so breit sind wie das Auto, plus 5 Zentimeter an jeder Seite.

Grundsätzlich ist es mit dem Tempo ähnlich wie in Deutschland: 50 in der Ortschaft, 90 außerhalb, 120 auf der Autobahn und wer einen BMW fährt, hat Recht. Und einen kleinen Pimmel.
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Was hört der Portugiese eigentlich für Musik?
„Musik“… So würde ich das jetzt nicht unbedingt nennen, was aus dem Radio kommt.
Wenn man den Fehler macht das Radio einzuschalten, wird man schlimm gequält. Ist so. Der Portugiese hat keinen erkennbaren Musikgeschmack. Sollte man doch während des Fahrens das Radio einschalten, sieht das verzweifelte Zappen zwischen den einzelnen Radiosendern so aus:

– Ein langer Monolog.
– Eine Oper.
– Portugiesische Volksmusik.
– Ein langer Monolog.
– Ein 80er Jahre Hit.
– Großraumdiskothekenmukke.
– Älterer internationaler Charthit auf Portugiesisch übersetzt.
– Zwei Portugiesen streiten sich scheinbar über die miese Radiolandschaft.
– Ein langer Monolog.
– Großraumdiskothekenmukke.
– Portugiesische Volksmusik.
– Großraumdiskothekenmukke.
– Großraumdiskothekenmukke.
– „I’ve got a Feeling“ von den Black Eyed Peas.
– Ein 80er Jahre Hit.
– Ein langer Monolog.
– Ein recht gutes Lied gefolgt von einem langen Monolog des Moderators.

Und wieder von vorn.
Man sollte wohl auch meinen, dass ein Interview mit der englischen Band „The Horrors“ von einem Lied der Horrors gefolgt wird. Oder etwas ähnlichem. Stattdessen redet der Moderator 17 Minuten lang, um dann Großraumdiskothekenmusik zu spielen (Zugegeben: Danach folgte eine Konzertübertragung der Horrors).

Wie ist das eigentlich mit Lissabon? Ich will da zwei Wochen Urlaub machen und…
Nee, komm, lass mal. Nach vier Tagen blieben keine Fragen mehr offen. Wenn man noch zwei bis drei Tage angehängt hätte, hätte man aber auch wirklich alles gesehen, was das Touristenherz höher schlagen lässt, zuzüglich den schlimmen Ecken und ein bis zwei Museen.

Man muss aber betonen, dass Lissabon wohl zu den schöneren Städten gehört, die man gesehen haben muss. Eine gesunde Mischung aus Tourifalle und wirklich gut erhaltetener Tradition. Man sollte gute Füße haben und wenn man Spaß am Geld ausgeben hat, bekommt man auch einen guten Einblick in die Kullinarischen Ergüsse Portugals.

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Genau, wie ist das eigentlich mit dem Essen in Portugal?
Als sagenwirmal „normaler“ Mensch hat man gute Chancen den leckersten Fisch und das köstlichste Fleisch zu essen. In den meisten portugiesischen Städten wird man von der Straße in die Restaurants gezerrt, was auf die Nerven gehen kann. Wenn man sich letztendlich doch breit schlagen lässt, geht man mit dickem Bauch und breitem Grinsen wieder raus.

Wenn man allerdings, wie die Kleine, nichts isst, was eine Mutter hatte, dann sieht es schon wieder schlecht aus.
„We have Salad.“ – „There is chicken in your salad.“ – „You can pick it out, if you want to.“
„What about fish?“ – „Fish is animal.“ – „What about shrimps?“ – „Shrimp is animal.“ – „What about salad?“ – „Chicken.“ – „Oh.“
„We’re looking for vegetarien food.“ – „What is that?“

Zum Glück essen Portugiesen viele Backwaren. Die Spezialität ist ein Blätterteiggericht namens „Pastel“ (ausgesprochen: „Paschtell“). Klein, rund, süß, mit einem Hauch Eigeschmack im Abgang. Den Besten gibt es in einem zauberhaften Laden in Belem, einem Stadtteil Lissabons (glaube ich. Wir waren lange mit dem Bus unterwegs – Siehe Autofahren), einschließlich einem portugiesischen Original:
„Two pastels please. And two cappuccino.“ – „Two? I better bring you four. Look at her!“ (zieht die Wangen ein, Zeigefinger und Daumen einen Zentimeter auseinander und schaut entsetzt die Kleine an). Später knallt er Teller und Tassen hin, dass alles hin- und herschwappt. Seine barsche Art erinnert spontan an den Service den man eigentlich nur aus Kölner Kneipen kennt.

Wichtig: In den meisten Restaurants werden Häppchen serviert, bevor man bestellt. Diese Häppchen sind lecker und werden meistens teuer berechnet, auch wenn man sie nicht isst. Am Besten also gleich zurückgehen lassen.

Was für eine Landschaft erwartet mich in der Algarve?
Gegend. Viel Gegend. Hügel, Sand, Steine (und ich rede hier von großen Steinen), Meer und blauer Himmel. Viel mehr gibt es zwar nicht im Süden Portugals, aber aus dem Staunen kommt man erst nach Wochen raus. Teilweise wird man das Gefühl nicht los in einen Fantasy-Film Schrägstrich Western gefangen zu sein. Ab und zu weiß die Algarve allerdings mit Grün zu überraschen. Man überwindet ächzend eine der unzähligen Hügel (von der es mehr gibt als ales andere) und auf der anderen Seite ist es so grün, dass es weh tut.

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Demnächst werden Fragen beantwortet, womit Portugal so sein Geld verdient, welche Städte man wirklich meiden sollte oder was überhaupt das Beste an der Algarve ist.

Mehr Fragen bei: Portugal FAQ (2)

6 Antworten auf „Portugal FAQ (1)“

  1. klingt doch alles sehr spannend!

    … und wenn ich die bilder von der algarve mit dem momentanen blick aus meinem fenster vergleiche… naja, lassen wir das.

    auf jeden fall willkommen zurück! ;o)

  2. Schöner Artikel. Vor allem weil er Erinnerungen an meine insgesamt fünf Algarve-Reisen mit meinen Eltern weckt.
    Ich will mal wieder hin. Und Chicken Piri-Piri essen. Und kiloweise frische Orangen.

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