Fainting Mal
An dieser Stelle würde jetzt eigentlich ein ausführlicher Bericht über mein Wochenende in der östlichsten Stadt Deutschlands stehen. Ich bin mir sicher, dass es ein Knallerbeitrag geworden wäre, voll mit Spitzen gegen Nazis, großes Lob für das Fokusfestival und sogar noch ein kleines Kompliment an die Stadt Görlitz, dafür, dass sie so hübsch ist (sieht man von dem Haufen Müll mit Fenstern bzw. Glatzen vor dem Bahnhof ab, dem der Besucher zugemutet wird). Als Abschluss wären ein paar grandiose Spitzen gegen die Bahn gegangen, die es fertiggebracht hat mich 5,5 Stunden für knapp 280km durch Deutschland zu schicken.
Ich hätte eure Fantasie Huckepack genommen und euch lang und breit beschrieben wie komisch der Gesichtsausdruck eines Busfahrers ausschauen kann, der knapp 400 Menschen gegenübersteht, die er zu transportieren hat, weil die Deutsche Bahn offenbar geistig behinderte Lamas an die Stellen eingesetzt hat, die normalerweise von Menschen ausgefüllt werden sollten, die mit einem ausgeprägten Organisationstalent gesegnet sind, wenn es darum geht eine Lösung dafür zu finden, sollte eine Strecke baustellenbedingt ausfallen.
Und der Grund warum ich all das nicht ausführe hat nur damit zu tun, dass ich die Fotos von der Kamera nicht ziehen kann. Ich finde mein Kartenlesegerät nicht und wenn so etwas passiert und ich mich gar körperlich anstrengen muss, um zu eine Lösung zu kommen (Schreibtisch aufräumen, Taschen durchsuchen, die Kleine fragen), passiert etwas in mir, das zur Folge hat, dass ich im besten Fall einfach dermaßen keine Lust mehr habe meine Aufgabe durchzuführen, im schlimmsten rühre ich mich einfach nicht mehr. Das kann man sich in etwa so vorstellen. Die einen nennen es Überforderung, ich nenne es schlicht und einfach einen Trick der Natur mich vor einem endgültigen und damit tödlichen Betriebssystem-Absturz zu schützen. Ähnliche Reaktionen beobachte ich, wenn ich Formulare auszufüllen habe. Mein Verstand sagt: „Das ist nicht logisch. Das ist viel zu viel Informationen, die sie von mir wollen und warum überhaupt? Ich will doch nur ein bisschen Geld haben!“ Mein Körper widerspricht nicht und gerät in Panik.
Verstand dann so: „Ey, ruhig bleiben. Es kann nichts passieren. Jetzt schauen wir uns Absatz 4a an und…“
Körper: „WAAAAAAHHH!!! HORMONE! STRESS! FUCK! ICH WILL ZU MEINER FRAU!“
Verstand: „Die hilft uns nicht mehr, hast du schon vergessen? Das letzte Mal, als wir den Bafög-Antrag ausgefüllt haben, hat es dazu geführt, dass sie uns wiederholt mit der Fernbedienung auf die Stirn schlug.“
Körper: „W-W-W-WAS MACHEN WIR JETZT?!?“
Verstand: „Was weiß ich? Ich habe doch keine Ahnung von Antr…“
Körper: …
Da ist es dann passiert. Ich fahre das System neu hoch, versuche schnell einige automatisch startende Programme das Starten zu untersagen (Harndrang, Hunger, Errektion), um das Hochfahren zu beschleunigen. Danach wird ein Systemcheck durchgeführt, das meistens ein erneutes Abstürzen zur Folge hat, wenn die auszuführende Tätigkeit während des Checks wieder in den Arbeitsspeicher gelangt (sei es durch Blickkontakt mit dem auszulösenden Faktor, oder der Arbeitsspeicher wurde beim Neustart nicht komplett geleert).
So kann es passieren, dass ein nicht gefundener Schuh zur Folge hat, dass ich mich vor dem Schuhschrank solange im Kreis drehe, bis die Kleine mich mit einem harten Gegenstand verprügelt mir die Puschen anzieht, sodass wir endlich gehen können.
Dieses Verhalten ist übrigens verwandt mit der Übersteuerung des Systems, das sich in das gegenteilige Verhalten auswirkt. Dabei fährt die Festplatte nicht herunter, sondern dreht vollkommen durch und das hat zur Folge, dass ein ansich harmloses Ereignis ausreicht, um mich in Hulk zu verwandeln. Herbei geführt wird diese Metamorphose meistens durch viele kleine Kleinigkeiten, die in einer bestimmten Zeitspanne schief laufen. Photoshop zögert, wenn ich fürs Web speichere, gleichzeitig reagiert der Browser nicht, ich stoße meinen großen Zeh an der Steckleiste, bleibe dabei mit dem kleinen Zeh an eine Diele hängen und wenn ich dann noch die Bahn verpasse und drohe zu spät zu einem wichtigen Termin zu kommen, schalten sich Verstand und Körper auf Hochtouren:
Verstand: „FUCK! FUCK! FUCK!“
Körper: „TÖÖÖÖTEN!“
Verstand: „DAS KIND MUSS WEG DA! ES STEHT MIR IM WEG! WEG DA!“
Körper: „LECK MICH AM ARSCH, ICH MUSS JETZT SOFORT ÜBER DIE STRASSE!“
Kind: „Mami!!!“
Verstand: „AAARRRGHHH!“
Körper: „AAARRRGHHH!“
Das Kind unter der Schuhsohle klebend nehme ich dann keine Rücksicht darauf, dass die Straße stark befahren ist. Auch wenn ich noch wenige Sekunden warten könnte, bis die Fußgängerampel auf Grün springt, habe ich das gottverdammte Recht sofort auf die andere Straßenseite zu gehen, weil mir das Leben gerade so mies zuspielt.
Jetzt habe ich aber doch etwas geschrieben. Da hat so ein Ausfall ja auch seine Vo









Fantastisch, habe sehr gelacht! Danke für (1) den guten Start in den Tag und (2) die Erkenntnis, dass ich nicht der einzige Serie-von-kleinen-Fehlschlägen-Hulk und Viel-zu-viel-Aufwand-das-lohnt-sich-nicht-Tilt bin. Würde jetzt gern noch mehr schreiben, muss aber erstmal die Kaffeemaschine erwürgen…