Jack Wolfskin „Stellungnahme“

19.10.2009

Auf dem Werbeblogger kann man inzwischen so etwas wie eine Ausrede Stellungnahme des Outdoorherstellers lesen. Schauen wir mal rüber:

In den letzten Tagen gab es auf verschiedenen Online-Plattformen Äußerungen zu Abmahnungen, die Jack Wolfskin wegen Markenrechtsverletzungen gegen Anbieter auf der Internet-Plattform „DaWanda“ ausgesprochen hat.

„Äußerungen“? Ich würde das Rauskotzen und Anprangern von solchen Geschehnissen nicht unbedingt als schnöde „Äußerung“ bezeichnen.

Diese Vorfälle sind zwar bedauerlich,

Bedauerlich ist höchstens die Haltung des Outdoorklamottenherstellers.

…es handelt sich hier jedoch um eindeutige Markenrechtsverletzungen, auf die Jack Wolfskin zum Schutz der Marke leider mit Abmahnungen reagieren musste.

Schutz wovor?! Wollt ihr etwa Mitleid? Nein, ist gerade nicht erreichbar. Wie wäre es mit Verständnislosigkeit? Davon habe ich jede Menge übrig.

Die typische Jack Wolfskin Tatze ist als Marke geschützt. Daher dürfen Dritte keine ähnlichen oder identischen Zeichen für ähnliche und identische Waren, wie sie Jack Wolfskin anbietet, im geschäftlichen Verkehr benutzen. Jack Wolfskin als Markeninhaberin hat daher das Bestreben und die Pflicht, die Marke gegen ähnliche Drittzeichen zu verteidigen, da die Marke sonst geschwächt wird.

Geschwächt durch selbstgeklöppelte Portmonaies mit Katzenpfoten drauf? Also bitte…

Gemeinsam mit Anwälten prüft Jack Wolfskin in jedem Einzelfall sehr gründlich, ob die Voraussetzungen einer Markenverletzung vorliegen.

„Gründlich“ kann ich mir gerade sehr gut vorstellen. 10 Anwälte sitzen vor rohrschachähnlichen Logos und versuchen krampfhaft Ähnlichkeiten zwischen den Klecksen und dem Wolfskin-Logo zu finden.

Im Falle einer Markenverletzung sieht sich das Unternehmen gezwungen, dagegen vorzugehen, um die Markenrechte effektiv zu verteidigen.

„Sollen wir einfach anrufen und sagen, dass sie…“ – „ANRUFEN? BIST DU DEPPERT? Wir sind ein Outdoorklamottenhersteller! Wir sind kernig, männlich, haben mit Bären gekämpft und Feuer gemacht und du willst anrufen? Alter, lass dir mal einen Bart stehen!“

Anbieter, deren Artikel mit Pfotenabdrücken keine Ähnlichkeit zur Jack Wolfskin Tatze aufweisen, können ihre Artikel selbstverständlich weiter unbeanstandet verkaufen.

Mit der „Jack Wolfskin Tatze“ also. „GEZ-Gebühr“ dürfen wir nicht mehr sagen, aber jede scheiß Tatze ist ab heute eine „Jack Wolfskin Tatze“?

Leider ist es notwendig, auch verhältnismäßig kleine Anbieter mit einer Abmahnung und entsprechender Kostenerstattung zu kontaktieren.

Notwendig, ist klar. Eine Mail oder ein Anruf würde ja nicht reichen. Wie sieht das denn aus? Was sollen da die Nachbarn denken?

Wenn verhältnismäßig kleine Unternehmer abgemahnt werden, wird darauf geachtet, die Kosten möglichst gering zu halten.

Gering verglichen mit dem was jemand im Jack Wolfskin Vorstand im Jahr verdient. Joaa…

Normalerweise berechnen sich die Kosten eines Abmahnschreibens nach dem zugrunde liegenden Gegenstandswert, der anhand der verletzten Marke bestimmt wird. Dieser wurde in den vorliegenden Fällen so gering wie möglich angesetzt.

Und wie hoch ist so der Gegenstandswert? Und wie wird gemessen welcher Schaden Wolfskin zugefügt wurde? Wurde überhaupt ein Schaden zugefügt? Man könnte ja eine Umfrage bei den Käufern starten, die eigentlich dachten, dass Jack Wolfskin jetzt Selbsthäkeltes verkauft und bitter enttäuscht wurden.

Die sich daraus ergebenen Kosten in Höhe von € 991,00 sind für einen Kleinunternehmer noch immer verhältnismäßig hoch, jedoch ist dieser für die Entstehung der Kosten verantwortlich, da er markenverletzende Ware verkauft hat und Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war.

Daran hätte man also denken müssen, als man ein Katzenpfötchen als Logo verwendet hat. Soso.

Dabei handelt es sich nicht um eine „Strafzahlung“, sondern um die Kosten, die Jack Wolfskin durch die Einschaltung der Anwälte entstanden sind und die im Falle der begründeten Abmahnung stets vom Markenverletzer übernommen werden müssen.

Und wie teuer ist so ein Anruf? Was kostet eine Mail? Hätte man nicht sogar persönlich hinfahren, klingeln und darum bitten können ein anderes Logo zu verwenden? Wäre das nicht doch irgendwie billiger gewesen?

Somit dient die Abmahnung auch einer schnellen und relativ kostengünstigen Beendigung der Angelegenheit. Sie verhindert also zusätzliche häufig weit höhere Kosten im Falle einer Einschaltung der Gerichte.

Klingt als würde Wolfskin sich um den nächsten Friedensnobelpreis bemühen.