Marathon-Mal und der adidas miCoach Pacer aus der Hölle

Das hier ist keine Werbung. Ich schreibe es freiwillig. Ich bin ein zufriedener adidas-Kunde und habe für das Gerät bezahlt. Soviel im voraus.

adidas-micoach-pacerSo, jetzt wird es ernst. Seit dem 10km-Lauf habe ich es ein bisschen schleifen lassen und bin erst zweimal wieder in dieLaufschuhe geschlüpft. Nachdem die Kleine mich zum Berliner Halbmarathon angemeldet hat, brannte die alte Motivation kurz auf, um von Bodenfrost schnell wieder abgekühlt zu werden. Immerhin schaffte ich 4,5km in 30 Minuten, was für meine Begriffe ziemlich ok ist.

Jetzt hat sich der Onkel aber mal ein neues Spielzeug zugelegt, damit die Motivationskurve nicht schneller sinkt, als der Stern einer Casting-Hure: Der adidas miCoach Pacer. Dieses kleine Gerät speichert nicht nur meine Daten, sondern wertet sie aus und erstellt mir einen Trainingsplan, der mich zum Halbmarathon führt. Nur noch laufen muss ich selber!

Im Volkspark Friedrichshain war es dunkel und nur zwei Jogger zogen ihre Runden, als ich versuchte das Gerät zum Laufen zu bringen. Ich hatte natürlich die Bedienungsanleitung zuhause gelassen. Wer braucht schon eine Bedienungsanleitung?! Pfff…

Ich.

Also ging ich zurück zum Auto und fuhr zurück nachhause, um nachzusehen wo der Startknopf an dem Ding ist. Man kann mir aber keinen Vorwurf machen: Das Gerät ist so gestaltet, dass es aussieht, als hätte es keine Knöpfe. Kann man mögen. Oder auch nicht.

Wieder im Park angekommen, drücke ich fest die linke Seite des Pacers und es geht los. Eine erfreulich emotionslose Männerstimme sagt, dass ich jetzt erst einmal zwei Minuten gehen soll. Ein großartiger Trainingsplan!

Nach einer Minute erinnert mich mein Trainer, dass es nur noch eine Minute ist. Danke. Das wird mir in den kommenden 11 Minuten das Leben zur Hölle machen, was ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht ahne.

Nach einer weiteren Minute werde ich darum gebeten in anderthalb Minuten von 4 auf 10 zu laufen. Hm, bittewas? 4? 10? Ja nun, hilft ja alles nichts, also trabe ich erst einmal eine halbe Minute hin und denke mir freudig: Diese 120€ haben sich ja mal mehr als gelohnt! Nach weiteren 15 Sekunden werde ich daran erinnert, dass es nur noch 45 Sekunden sind, also lege ich ein bisschen Tempo nach. Und noch ein bisschen. Und noch ein bisschen. Bis ich sprinte. Per-fekt! Kaum außer Atem nehme ich die Stimme zur Kenntnis, die mich nun darum bittet von 5 bis 10 zu laufen. Auch anderthalb Minuten. Was?! Nochmal?!
Schei-ße.

Wir unterbrechen diesen Blogbeitrag für eine wichtige Eilmeldung: Um 18:34 wurde im Volkspark ein laut fluchender Jogger gesehen, der einen Walker zu Tode erschreckte. Die Polizei kann leider keine Angaben zu dem Freizeitsportler machen, da dieser viel zu schnell davon lief, mit den Worten: „Fick dich, du Nazikommunistenhurensohn! Ich mach‘ dich kalt! Hat das Maul, du mieser… WAS? 15 Sekunden auf 10? ARGH!!!“

Der Schluckauf war brutal und unheilbar. So schien es mir, als ich nachhause kam und auf das Sofa fiel. Ich hatte vergessen das Gerät auszuschalten und verwendete meine letzte Kraft dafür auf mich darüber zu ärgern, dass die gesammelten Daten, die mir übrigens beim Ausschalten des Geräts vorgelesen werden, verunreinigt sind. Die Autofahrt, der Weg vom Auto zum Haus und die Treppe hoch und das anschließende Fallen auf das Sofa, werden mitgezählt. Nunja, so sieht das aus:

marathon-mal-adidas-micoach-pacer-start
(Hier kann man sie auch noch lesen)

Fazit: Mein Coach ist ein Arschloch. Ich hasse ihn und wenn ich eines fernen Tages einen ganzen Marathon schaffe, werde ich ihn verbrennen. Das Feuer werde ich auspissen und dann nochmal drauf spucken.

Genau das Richtige für mich!

P.S.: Dass ich das vergessen haben konnte! Wie gesagt: Ein scheinbar unheilbarer Schluckauf befiel mich. Ich bekomme so gut wie nie Schluckauf und wenn, dann reicht bloße Konzentration, um ihn verschwinden zu lassen. Nicht so bei diesem kopfschmerzerzeugenden Todesschluckauf.

Was mich gerettet hat? Ihr werdet es mir nicht glauben: Ein Ferrero Raffaello. Muss gleich dem Unternehmen eine Mail schreiben, dass eines ihrer Produkte wohlmöglich die größte Erfindung seit dem Antibiotikum ist…

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