Toleranz und Umweltschutz werden aber auch überbewertet

Letztens stieß ich durch eine Freundschaftsempfehlung bei Facebook auf einen Menschen, der folgendes in seinem Profil geschrieben hatte:
Ich hasse Fremdenfeindlichkeit und Intolleranz. Für mich ist der faire Umgang miteinander sowie der Schutz unserer Lebensumwelt ein wichtiges Anliegen.Ich treibe viel Sport (Laufen, Kajak, Fitness), male gerne und liebe die Natur.
Ja nun, dachte ich mir, was soll man dazu noch sagen? Ich persönlich finde ja Fremdenfeindlichkeit super, Intoleranz der gesunde Nährboden einer funktionierenden Gesellschaft und der faire Umgang miteinander wird sowieso überbewertet. Und: Lebensumweltschutz my ass!
Natürlich dachte ich das mit einem höchst ironischen Unterton.
Dazu sollte ich noch erwähnen, dass meine Gedanken von Andreas Fröhlich vorgelesen werden. Als er mit dem Ablesen meiner Gedanken fertig war, fügte Andreas hinzu: „Wer liest ihm eigentlich seine Gedanken vor? Mutter Theresa auf Crack?“
Da musste ich lachen. Und das nochmal nebenbei: Wenn ich mal einen lustigen Witz mache, über den alle lachen, hat ihn eigentlich Andreas erzählt und ich habe ihn nur nachgeplappert. Das nenne ich dann den „Fröhlichen Witz“.
Aber Recht hat er: Was geht eigentlich im Kopf solcher Menschen vor, die streng betonen müssen wie tolerant sie sind und mit ihrem angeborenen, übergroßen erhobenen Zeigefinger versuchen Bono Vox, im Vergleich zu ihnen, wie einen kommunistischen Nazi-Terroristen dastehen zu lassen? Und wissen diese Menschen nicht, dass der Versuch die reine Toleranz-Bombe zu sein sie gleichzeitig ganz schlimm langweilig macht?
Ich glaube das Anstrengendste an selbsternannten hochgradig toleranten Menschen ist, während einer Unterhaltung nicht mit harten Gegenständen auf den Kopf des Gegenübers zu zielen. So erinnere ich mich an ein Gespräch vor längerer Zeit, in der ich angab wie scheiße ich die Musik von Xavier Naidoo finde. Ich ertrage sein Geheule einfach nicht länger als ein paar Sekunden, ohne dass mir Blut aus der Nase schießt. Für eine Sekunde war es ganz still im Raum, bis das Bombardement losging: Ich wäre so unglaublich intolerant. Ja, richtig: Wie kann ich nicht ausnahmslos alles mögen was es gibt?
Ich betone an dieser Stelle, dass ich noch nicht einmal warm gelaufen war und lediglich gesagt hatte, dass mir die Musik von Xavier Naidoo körperliche Schmerzen bereitet. Ich hatte noch nicht von meinem Plan gesprochen, dass ich mich öffentlich für ein Verbot von Xavier-Naidoo-artige Musik im Radio aussprechen werde. Nein, es reichte, dass ich einfach nur sagte, dass mir die Musik nicht gefällt, um aus mir einen intoleranten Menschen zu machen.
Nicht, dass ich Toleranz nicht tolerieren würde. Einige meiner besten Freunde sind tolerant! Es ist nur so, dass ich das ewige darauf Pochen so unfassbar langweilig und nervtötend finde, dass ich gerne in Gesprächen mit solchen Menschen, die Kinderarbeit hochlobe: Besser sie arbeiten fleißig und hart, als dass sie auf der Straße rumhängen und Drogen verkaufen. Oder schlimmer noch: Bei Castingshows auftreten! Dann klatsche ich der Kleinen noch laut auf den Hintern und sage: „Hast ganz schön zugelegt in letzter Zeit, meinst du nicht? Du weißt doch wie ich über fette Frauen denke! So, und jetzt stell den Kuchen wieder hin trink diese Flasche lauwarmes Wasser mit Salz aus und laufe einmal um den Block.“
So pflege ich unter übertoleranten Menschen mein Image als intoleranter Buh-Mann. Was sie übrigens nicht wissen, ist, dass ich glaube, dass Xavier Naidoos Art nur eine doofe Masche ist, um eine Nische zu bedienen, die seine Musik kaufen soll. In Wirklichkeit, da bin ich mir ziemlich sicher, ist er ein lustiger Typ, mit dem Humor am rechten Fleck.

