Für dich immer noch Fanta Sie und was Smudo dazu sagt

anne-und-ich

Ich gewöhnte mich innerhalb eines Tages daran, dass es niemanden stört, wenn man in Berlin mit einer Bierflasche durch die Straßen zieht. Ich gewöhnte mich so schnell daran, dass selbst Frankfurter Ghettokinder mich schräg anschauten, als ich letztes Wochenende mit einem Bierchen in der Faust in ihre U-Bahn einstieg. Erst als sie begannen zu tuscheln und mich ausanzulachen, merkte ich, dass nur die Berliner Franktion mit Alkohol in der Bahn saß und unsere Stadt anderserer ist, als ihre.

Ich gewöhnte mich beinahe ebenso schnell daran mit einer Zwergflasche Sekt durch Berlins Straßen zu laufen, als die Anne und ich vor zwei Wochen zusammen zu dem Prelistening-Event des neuen Fantastischen Vier Albums nach Berlin Mitte fuhren. Anne sagt „Protschekko“ dazu. Ich sage, dass ich mir wie eine zerlumpte Sex-and-the-City-Schwuppe vorkam, als wie in die U-Bahn einstiegen.

Als wir vor dem feinen Lux11-Hotel standen, war es uns dann doch ein bisschen unangenehm und so schütteten wir die letzten Tropfen um die Ecke in uns hinein, bevor wir uns auf dem Weg in den obersten Stock verirrten, wo Putzkräfte in adidas-Trainingsanzügen die Suite putzten. Während ich mich fragte wo die Bühne in dem kleinen Raum aufgebaut werden sollte, machten wir es in der Lounge gemütlich, wo wir auf den wirren ix trafen.

Um 20:00 wurden wir schließlich hoch gebracht und es war immer noch keine Bühne aufgebaut. Kurz danach stürmten die Fantastischen Vier den Raum und ich musste der Versuchung widerstehen die Helden meiner Jugend im Vorbeigehen anzufassen, freudig zu quitschen und auf und ab zu hüpfen. Spätestens als sie es sich auf der Couch bequem machten, wurde mir endlich klar, dass hier kein Live-Konzert gespielt werden würde. Jetzt lieber nicht enttäuscht schauen, sonst merken die Journalisten, dass sich hier ein blutiger Prelistening-Anfänger quer durchs Büffet gefressen hat.

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Inmitten eines Pulks „IMMs“ (Irgendwas mit Medien) saßen Anne und ich auf dem Boden und pulten uns Restfleisch aus den Zähnen, als die CD gestartet wurde. So war es damals auch, als ich zum ersten Mal „4 gewinnt“ hörte. Nur saß mein damaliger bester Freund erwartungsfroh vor mir auf der Couch und nicht die Musiker selber. Vollgepumpt mit Nostalgie schaffte ich es gerade noch das Intro („Wie Gladiatoren“) mit voller Aufmerksamkeit zu hören, bis ich in das Artwork versank, das hinter die Gastgeber an die Wand gebeamt wurde. Ab und zu horchte ich auf, wenn ein Beat oder eine Textstelle sich durchbohrte, aber um ehrlich zu sein, war ich viel zu sehr in das Bild versunken.

Es gäbe eine Menge über das neue Album zu erzählen. Ich habe es mir immerhin in den Tagen danach mehrfach angehört und meine anfängliche Skepsis wich, als ich selbst in den poppigeren Songs kleine Fitzel fand, die mich faszinierten. „Vielfältig“ trifft es ziemlich gut und schon nach dem zweiten Hören, kristallisierten sich gleich ein paar neue Lieblingssongs („Kaputt“, „Für dich immernoch Fanta Sie Teil 2“ und „Smudo in Zukunft“) heraus.

Jetzt bin ich aber kein erfahrener Musik-Journalist und finde nichts langweiliger, als Musikrezensionen. Deswegen erspare ich euch haarkleine Analysen der einzelnen Songs und verbleibe mit einer dringenden Kaufempfehlung. Ich wollte mich eigentlich weigern die stumpfe „Da ist für jeden was dabei“-Phrase zu dreschen, aber zu dieser späten Stunde fällt mir leider nichts anderes dazu ein. Da wäre zum Beispiel „Für dich immernoch Fanta Sie Teil 2“, was auf hohem Niveau elektro-hip-hoppt. Wenn der Player danach ein Gospel-Song spielt, braucht ihr keine Angst haben, dass dieser zum Christentum konvertiert ist (das nur mal nebenbei: Sieht noch jemand diese Christenwerbung in der Sidebar?!) das ist „Smudo in Zukunft“ und er will nur spielen. Wer es poppiger mag, wird an „Danke“ seine Freude haben (um ehrlich zu sein, der einzige Song mit dem ich nichts anfangen kann) und Thomas D. hat auch wieder etwas „Krieger“-artiges beigesteuert: „Mantra“.

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Nun habe ich doch ganze zwei Absätze zum Album geschafft, muss aber jetzt doch wieder auf das Artwork zu sprechen kommen. Mein verklärter Blick auf das projizierte Bild fiel nämlich auf. Und so kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die sich um das Wohl der Jungs kümmert und ihnen den ganzen Stress vom Hals hält. Eine ursympathische Person, die sich ehrlich darüber freute, dass ich sie ständig auf das Artwork anquatschte und immer wieder nachfragte, wie denn nun der Künstler heißt. Und weil sie so nett ist, erzählte sie auch gleich den vier Jungs, dass da jemand vom Artwork schwerst begeistert ist. Als wäre das nicht genug, fragte sie noch Smudo, ob er nicht Lust hätte ein paar Fragen zu beantworten, was er auch ein kurze Zeit später tat.

Ich so: Da habe ich fast ein schlechtes Gewissen, dass meine Fragen sich hauptsächlich um das Cover drehen. Um ehrlich zu sein, musste ich mir am Tag darauf das Album nochmal anhören, weil ich an dem Abend nur die Hälfte mitgekriegt hatte. Die meiste Zeit starrte ich auf das Artwork hinter euch und habe mich gefragt, wie die Person dies und jenes hingekriegt haben mochte.

Smudo so: Das ist voll ok – Danke für das Kompliment –

Wie ist es eigentlich zu der Zusammenarbeit gekommen? Wie man mir sagte, kommt der Künstler auch aus Stuttgart. Kanntet ihr euch schon vorher? Hattet ihr eine Vorstellung, wie das Cover aussehen sollte und habt dafür den passenden Künstler gesucht, oder ergab sich das Eine aus dem Anderen?

Beim herumsuchen nach Coverideen sind wir u.a. auf die Werke des US-Künstlers Mark Ryden gekommen, der schon u.a. für Red Hot Chil Peppers und Michael Jackson Cover gemalt hat. Der Style gefiel uns. Nachdem wir aber in den Verhandlungen mit ihm nicht weiterkamen, stiessen wir auf einen Stuttgarter Künstler namens Sasa Zivokvic; der mit unserem Artworker Jogi bekannt ist. Er hat dann ein Bild nach unseren kruden Vorstellungen gemalt. Und zwar mit Photoshop und Illustrator. Und es ist Hammer geworden. Wir sind sehr stolz darauf.

Wieviel Mitspracherecht hattet ihr? Durftet ihr das Artwork überhaupt vor dem Ende sehen? Und falls ja, wie wurde Kritik denn aufgenommen?

Im Vorfeld haben wir gemeinsam mit unserem Scheff-Artworker Jogi Ideen und Motive besprochen, was aber z.T. auch sehr grobe Beschreibungen waren. Sasa hat dann erste Skizzen von einzelnen Elementen geliefert, die wir dann bewerteten und so gings dann Stück für Stück weiter.

Wie sehr seid ihr eigentlich an Design interessiert? Nette Randerscheinung, oder nehmt ihr gute/schlechte Gestaltung wahr?
Ich habe ehrlich gesagt einen recht schweren Stand in dem Teil des Bekanntenkreises, der nichts mit Design am Hut hat. Ich merke immer wieder, wie egal es ihnen eigentlich ist. Allerdings hat auch niemand von ihnen ein Album von einem zweiten Hieronymus Bosch gestaltet bekommen.

Design ist wichtig. Das haben wir im Zusammenhang mit unseren Videoclips und Artwork aber auch erst nach drei Alben auf die Kette gekriegt. Vorher hatten wir uns nicht allzu sehr Gedanken über unsere „Verpackung“ gemacht. Erst das längere Dasein als Band vor einer signifikanten Öffentlichkeit und dem damit verbundenem Feedback hat uns in diesen Bereichen geschult.

Hat der Künstler eigentlich zwischendurch in die Songs reinhören können, damit die Musik Einfluss an dem Cover nehmen konnte?

Ja. Auf halbem Wege des Coverdesigns habe ich mal einen Server mit dem aktuellen Album-Stand für die Grafikabeitlung aufgesetzt.

Habt ihr eigentlich Lieblingsteile in dem Bild?

Da hat jeder sich etwas. Eins meiner Highlights ist die Kombination der schwebenden sieben Zwerge rnud um die Pyramidenspitze. Auf der Pyramide ist statt dem Auge (die Pyramide auf dem Dollarschein) ein Ohr mit einem kleinen Mann darin. Der kommt in einem Song vor und die sieben Zwerge sind unsere sieben Kinder, die wir in der Band haben, es sind aber auch die sieben Fanta-Alben, die wir zuvor gemacht haben.

Ich könnte mir vorstellen, dass ihr öfters Fragen zu dem Artwork bekommt, was ja auch verständlich ist, da kaum ein deutscher Künstler in letzter Zeit so viel Aufwand mit dem Design betrieben hat. (Zumindest keiner der mir spontan einfallen würde.) Kannst du dir vorstellen, dass es irgendwann nerven könnte, da eure Musik im Vordergrund stehen soll?

das glaube ich nicht. Plattencover werden im CD-Alter traditionell unterbewertet. Auf Wirres.net wurde in einem Blog ja sogar davon gesprochen, das auf als Geschenk bei einem Presseevent ausgedruckte Cover zu übermalen. Bei einer solchen Einstellung zu dem Thema glaube ich nicht, dass trotz allem Aufwand das Cover die Musik „übermalt“. Am Ende ist es auch eine Verpackung, die ein Zusammenspiel mit der Musik ergeben sollte.

Habt ihr eigentlich noch Kontakt zum Künstler?
Falls ja, würde mich zu sehr interessieren wie er vorgegangen ist. Habt ihr zusehen können, wie er gearbeitet hat? Im Album sieht man ja ein paar Beistift-Skizzen, und ihr habt ja am Pre-Listening Abend schon erwähnt, dass er alles in Photoshop umgesetzt hatte. Ich würde zu gern wissen wieviele Ebenen seine Dokumente hatten, ob er alles in einem Dokument erstellt hat, oder das Bild in mehrere aufgeteilt bearbeitet hat (um es später alles zusammenzusetzen). Hat er euch live porträtiert, von Fotos, oder gar aus dem Kopf heraus? Woher kamen die Ideen und hat jede Figur eine Bedeutung, die man herausfinden soll?

Soweit ich weiss, hat er einzelne Elemente designt und dann auf dem Gesamtbild eingesetzt. Eine grobe Aufteilung aber gab es schon als erste Skizze.

Ok, ich denke, das war es eigentlich. Mein Fragen-Kontingent ist für die nächsten Monate erschöpft. Danke, dass du dir die Zeit genommen hast und noch viel Erfolg mit dem Album!

Einstweilen vielen Dank für das Interesse und beste Grüße aus Hamburg

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dfusion • 6 Jahren ago

Danke für das Interview aus dieser Sicht. Zum musikalischen Bereich der CD findet man ja genug Rezensionen, da brauche ich keine weitere. Ich habe mir mein eigenes Bild gemacht und finde das Album großartig. Endlich mal wieder Feuer in den Testen :)

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links for 2010-05-21 • 6 Jahren ago

[...] Für dich immer noch Fanta Sie und was Smudo dazu sagt auf Who said that I wasn’t right? Malcolm im Kurz-Interview mit Smudo, es geht um das Cover der neuen Fanta-Pladde. [...]

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Albumstream: Die Fantastischen Vier – Für Dich Immer Noch Fanta Sie | Testspiel.de • 6 Jahren ago

[...] spricht zwar eine Kaufempfehlung für das Album aus, aber eigentlich setzt er sich mehr mit dem Artwork in seinen Zeilen und den mit Smudo auseinander. Das Fachblog für Irrelevanz ist weniger angetan. Und wie findet ihr das neue [...]

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Manna • 6 Jahren ago

Danke für das tolle Interview! Genau das hat mich auch brennend interessiert - das Artwork ist grandios für dieses Album. Hab selten was mit mehr Liebe zum Detail gesehen - auf dem Poster zum Album sind großartige Dinge zu entdecken, man kann ewig drauf rumgucken! Die Hintergrundgedanken für einige Details wären auch sehr interessant.

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Glasklar • 6 Jahren ago

Hallo Manna, die Hintergrundgedanken einiger Details auf dem neuen Fanti-Cover sind: Der Satan der am Pranger steht-Satan steht für die Globale Elite die die Weltherrschaft anstrebt und dabei über Leichen geht. Daneben eine "Sünderin" - sie stellt eine Mischung aus Lady Gaga ,Rihanna u. Co dar . Sie steht unter dem Baum der Erkenntnis. (Biblische Bedeutung tiefgründig...) Das Musikgeschäft hat leider starke maffiöse Züge. Lady Gaga und Co. sind gezwungenermaßen die Gallionsfiguren der Großkonzerne um die Weltbevölkerung abzuzocken ungleichzuschalten. Wer diese Erkenntnis jedoch gewinnt verliert seine Unschuld und den Glauben an die heile Welt. Auf dem Boden lauert noch das allsehende Auge des Satans (wie bei Fornika) - Symbol für den drohenden Überwachungsstaat. Oben am Himmel schweben die schönen 4 Erzengel (wie die 4 Fantis) die die Welt retten wollen. Jeder Erzengel steht auf einem Symbol für Widerstand und Mißachtung der Autorität. Das Ohr über der geteilten Pyramide ersetzt das allsehende Auge als Sinnbild für den Lauschangriff und dafür,daß die Texte der Fantis von Elementen der Globalen Elite überwacht werden. Es ist also nicht ganz ungefährlich für die 4 sich so weit aus dem Fenster zu lehnen. Viele Künstler die das taten sind bereits aus bisher unerfindlichen Gründen "gestorben". Michael Jackson hat auch gegen die Schattenmacht gekämpft - das hat ihm schließlich das Leben gekostet. Körper mit Kindergesichtern wirken wie Roboter oder Maschinen. Ein Mann der Kirche sitzt neben einem Engelskind das gar nicht von dessen Gesellschaft begeistert ist. Das erste Stück handelt von den 4 "Gladiatoren", die sich zur Aufgabe gemacht haben die Weltbevölkerung zum Boykott und anderen Maßnahmen gegen die Macht der Globalen Elite aufzurufen und als Sieger aus diesem Kampf (wie "Krieger") hervorzugehen. Wichtigster Aspekt dieser Aufgabe ist immer die Aufklärung der Menschen. "Schnauze" handelt von Smudo der immer wieder versucht vor den Medien die die Menschen zugunsten der Globalen Elite manipulieren zu warnen. Er ärgert sich darüber, daß die Leute lieber ihre Bequemlichkeit behalten wollen statt sich mit diesem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Thomas D. ringt mit sich das gefährliche Geheimnis auszuplaudern, da er sich sonst auf dünnes Eis begeben würde (Mantra).Zunächst verpackt er alles erstmal in ein Mantra ohne unmißverständliche Hinweise zu geben,damit er sich nicht zusehr in Gefahr begibt. Zusätzlich haben die "Erzengel" mit ihrer Nachricht auch das Problem als geistesgestört oder paranoid abgestempelt zu werden. "Die Lösung" - 4 Außerirdische betreten die Erde , erkennen die Gefahr für die Bevölkerung - wissen die Lösung aber auch die Schwierigkeit sich Glauben zu verschaffen. Vieles im Fanti-Album ist codiert. Ich finde es sehr mutig von Ihnen dieses Thema so eindringlich jedoch eben vorsichtig an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Mit anderen Worten: Die Spatzen (Fantis) pfeifen es schon von den Dächern, daß die Globale Elite eine große Bedrohung für uns alle ist. Jedoch muß jeder selbst diesbezüglich recherchieren um sich ein Bild zu machen und die Konsequenzen zu ziehen (alles-schallundrauch.blogspot.com)!

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EisWideShut • 6 Jahren ago

Glasklar trifft den Nagel auf den Kopf. Viel aufschlußreicher als das Interview.

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Please be polite. We appreciate that.

By Daniele Zedda • 18 February

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By Daniele Zedda • 18 February

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