Mein Leben als Praktikant (2)

Meine erste Woche als Praktikant ist nun um, 15 sind es noch. Zeit für ein kurzes Resümee:

In der ersten Woche meines Praktikums habe ich mehr Jobanfragen bekommen, als in den letzten drei Monaten. Ich will mich ja nicht beschweren (immer her damit!), aber warum hat das Leben ständig die Angewohnheit mir Süßigkeiten zu bieten, wenn ich vor einem wirklich dicken Döner sitze? Macht aber nichts, denn wie auch im echten Leben, bin ich mit zwei Mägen gesegnet: Einen für das Essen, den anderen für Eiscreme. Eine wissenschaftlich anerkannte Sensation, auf die ich ein anderes Mal zu sprechen komme.


(So in etwa hatte ich mir bis vor kurzem, aufgrund diverser Beschreibungen, einen Berater vorgestellt)

Viel interessanter ist nämlich mein erstes Treffen mit zwei richtig echten Beratern.
Ich habe schon vor dem Praktikum von dem Beruf der Berater gehört. Angeblich sind Berater so etwas wie Abgesandte des Teufels und der natürliche Feind der Kreation. So habe ich es eigentlich nie gesehen, denn der Job des Beraters ist es, einem die Kunden vom Hals zu halten zumindest aus meiner Sicht, mit den Kunden zu kommunizieren, sodass man als Gestalter mehr Zeit für seinen Job hat. Nun bin ich in den letzten Monaten ausschließlich mit netten Kunden gesegnet worden weswegen ich eigentlich nicht auf einen eigenen Berater angewiesen wäre, aber praktisch wäre so ein eigener Berater ja doch, irgendwie..!

Und so habe ich meine ersten Freunde in der Agentur gemacht: In einer ruhigen Minute saß ich bei einem vorzüglichen Kaffee neben zwei netten Damen, die viel kicherten und sich über Büdgets unterhielten. Als sie mich bemerkten, fragten sie freundlich wer ich denn sei. Ich antwortete und wartete auf ihre Vorstellung. Nach einer unangenehmen Schweigeminute, in der niemand etwas sagte und nur scheue Blicke ausgetauscht wurden, fragte ich schließlich nach. Sie stellten sich mit Namen vor und nuschelten „Beratung“. Kaum hatten sie es ausgesprochen, zuckten sie, als würden sie erwarten, dass ich mit meiner Kaffeetasse auf sie eindresche.

„Ihr seid also diejenigen, die mit den Kunden kommunizieren, damit wir Gestalter mehr Zeit für unseren Job haben? Toll! Schön euch kennenzulernen!“, antwortete ich ehrlich erfreut. Ich hatte mir ja schon immer einen eigenen Berater für die Hosentasche gewünscht und nun saßen mir gleich zwei gegenüber. Sichtlich erstaunt lächelten sie mich an, entweder weil sie einem offensichtlich Agentur-unerfahrenen Gestalter gegenüber saßen, oder weil sie wirklich froh waren, dass sie jemandem aus der Kreation gegenüber saßen, der ihnen nicht ans Leder wollte.

Nun treffen wir uns jeden Tag um 16:00, für fünf Motivationsminuten in denen ich ihnen erzähle wie wichtig sie sind und dass Berater eigentlich von jedem lieb gehabt werden („Na, heute schon ein Kind gegrillt?“ – „Was?!“ – „Nein, ihr macht das super!“). Und überhaupt dass es eigentlich nicht so gemeint ist, wenn jemand aus der Kreation sagt, dass Berater böse sind, weil sie immer alles umschmeißen, was man vorher so schön zusammengeklöppelt hat.
Es ist schön im Praktikum eine Aufgabe zu haben.

Mal schauen was passiert, wenn ich einen Berater in seinem natürlichen Umfeld über den Weg laufe.

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