In eigener Fellpimmel-Sache: Hallo Leia!

Nach jahrelanger reiflicher Überlegung sind die Kleine und ich ins Fellpimmel-Business eingestiegen. Eine längst Überfällige Entscheidung, die nun endlich in geballter Flauschform namens Leia in unser Leben getreten ist.

Leia ist eine Mischung aus Pinscher, Chihuaha, Erdmännchen und einer Prise Awesomeness. Sie blickt auf viereinhalb Monate Erfahrung als Contentmanager für die Bereiche Fressen, Scheißen, Pissen und Schlafen zurück und absolviert gerade eine Fortbildung im Rehaugen-Kung-Fu mit Schwerpunkt auf Welpenblick. Leia stammt aus der edlen Zucht eines tschechischen Adligen, der sie ursprünglich zur Einhornjagd züchtete und auf im Wind wehende Blätter abrichtete. Es stellte sich aber heraus, dass sie der Aufgabe als furchtlose Blätter-Jägerin nur unzureichend gewachsen war. Daraufhin setzte er Die Ganz Kleine™ in einem Karton an einer tschechischen Autobahn aus, bis Tierschützer aus Chemnitz sie liebevoll aufnahmen und an uns vermittelten.

Hier eine kurze Liste von Dingen, vor denen Leia Angst hat:
Autos, Fahrräder, zuknallende Türen, hochhackige Stiefel auf Asphalt, Druffies die um 8:00 morgens aus dem Berghain kommen und vor Entzücken quitschend auf sie zugelaufen kommen, Wind, Kinder, Kinderwagen (macht die Sache nicht einfach, wenn man im Prenzlauer Berg wohnt), schwarzgekleidete Menschen.

Ihren Phobien zum Trotz entwickelt Leia echtes rebellisches Verhalten (daher der Name). Hier eine kurze Liste mit Dingen, auf die sie scheißt:
Unsere Holzdielen, meine teure Jacke, Rasen, fremde Schuhe, bekannte Schuhe, Blätter die nicht im Wind wehen, einen anderen Hundehaufen.

Wenn man einen Hund hat, und einen Welpen noch dazu, dann kommt man nicht umhin mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Das ist leider nicht immer genau das was ich mir morgens um 6:00 wünsche.
Meistens beginnt der Tag damit, dass die Kleine vom Wecker wach wird und ca einen Bruchteil einer Sekunde Zeit hat sich zur Seite zur rollen, Leia aus dem Körbchen zu heben und aus dem Fenster zu halten. In der Zwischenzeit springe ich schnell in meine Klamotten, laufe die vier Stockwerke herunter und fange im besten Fall nur den Hund auf. Im schlechtesten Fall erst den Inhalt ihrer Eingeweide, dann Leia.

Anschließend gehe ich eine lange Runde um den Block und treffe auf Menschen, die sich ein ähnliches Schicksal ausgesucht haben, wie die Kleine und ich. Was mich gravierend von diesen Menschen unterscheidet: Ihre Hunde sind mir scheißegal. Ich genieße lieber das leise Tapsen samtweicher Welpenpfoten auf dem Asphalt und erfreue mich an die zaghaft aus dem Morgennebel aufsteigende Sonne. Der Duft von zarten Blumen, die ihr herbstbedingtes frühes Ende erahnen, kitzelt mich in der Nase und meine Haut prickelt von der kühlen, spätsommerlichen Luft. Alles andere interessiert mich einfach nicht.
Plötzlich erschallt es laut hinter einem Gebüsch: „AWWWWWW! Na, das ist ja eine Süße!“

Eine Frau, ende 50, kommt mit einem der nachweislich hässlichsten Hunde der Welt hinter dem Busch hervor. Der Hund ist so unfassbar hässlich, dass sich Leia spontan übergeben muss. Ich werde blass und lasse vor Schreck die Leine los. Der hässliche Hund stürmt auf Leia zu, Leia stürzt sich auf den Hund zu und tut das einzig Richtige: Mit einer geschmeidigen Drehung um ihre eigene Achse, die aus einem John Whoo Film stammt, wirft sich Leia schützend zwischen mich und dem inzwischen aus allen Körperöffnungen sabbernden Hund auf den Rücken und tut so, als wäre sie dem hässlichen Dreck unterlegen. Es ist natürlich für alle Umstehenden, mit einem höheren IQ als Dosenpfirsiche, ersichtlich (das wären dann mal Leia und ich), dass dem natürlich nicht so ist. Der genetische Abfallhaufen wirft sich auf Leia und schnüffelt einen Teil ihres Fells um die Mumu weg. Damit hätte sich vermutlich die Kastration erledigt, denke ich mir noch und versuche Leia wegzuziehen. Leider habe ich die Besitzerin nicht bemerkt, die sich inzwischen angeschlichen hat:

„Jakuggemalda! Ach, ist das eine Süße! Ja, IST DAS EINE SÜSSE! Ja, wer bist denn du? Na, wer bist denn du? Sag doch mal, wer bist denn du? JAAAAAA, wer bist du denn?“ – „LEIA! IHR NAME IST LEIA! UND LEIA HASST SIE UND IHREN HUND!“ schreie ich die Frau an, die inzwischen nah genug ist, um ein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen ihr und ihrem Köter erkennen zu lassen. Erschrocken zuckt sie zurück und ich ergreife mit Leia die Flucht.

In den kommenden Tagen treffe ich auf viele weitere Hundebesitzer, die teilweise gruselig sind, teilweise interessant und teilweise vollkommen einen an der Klatsche haben. Ich habe beschlossen sie zu beobachten. Sie zu katalogisieren und in Zukunft hier aufzuführen, um sie für zukünftige Internetz-Archäologen zugänglich zu machen. Ich glaube, dass das wichtig ist. Es ist nämlich unglaublich was heutzutage einen Hund halten darf, oder schlimmer noch: Von einem Hund gehalten wird.

Abschließend noch eine Liste mit Dingen, die Leia schon getötet hat:
Zwei Käfer, acht Stöcke (Durchmesser: ca 0,8cm – 1,5cm), eine tote Maus, neun Hasenköttel, ein Stück Plastik, geschätzte 435 Gramm Grashalme, zwei Steine, ein mittelgroßes Kind und eine Gurkenscheibe aus meinem Gemüsedöner.

2 Antworten auf „In eigener Fellpimmel-Sache: Hallo Leia!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.